DIGICON Gewinner BIODIV.AI im Interview

BIODIV.AI, ein Produkt von MOBIWORX, gewann 2025 den DIGICON Award für seine KI-gestützte Planung ökologischer Flächenpflege. Im Interview betont das Team, dass der Ansatz nicht technologiegetrieben ist, sondern von praktischen Problemen in Kommunen und bei Infrastrukturbetreibern ausgeht. Ziel ist es, Zielkonflikte zwischen Verkehrssicherheit, Kosten und Ökologie durch digitale Planung, Telematik und KI aufzulösen.
Interview von Digitale Welt – Anzeige
10. Februar 2026
Interviewpartner
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DIGICON Gewinner BIODIV.AI

im Interview

 

 

 

 

BIODIV.AI wurde kürzlich als Awardgewinner der DIGICON 2025 ausgezeichnet. Wie seid ihr ursprünglich auf die DIGICON aufmerksam geworden – und welche Eindrücke habt ihr von der Veranstaltung und dem Austausch vor Ort mitgenommen?


BIODIV.AI Team: „
Wir sind über unser berufliches/ unternehmenrisches Umfeld auf die DIGICON aufmerksam geworden. Für uns erschien interessant, dass dort nicht nur über Digitalisierung gesprochen wird, sondern konkrete Anwendungsfälle aus Verwaltung, Forschung, Infrastruktur und Wirtschaft zusammenkommen. Der Austausch vor Ort ist stets offen und sachlich. Besonders positiv ist, dass viele Gespräche sehr praxisnah geführt werden. Man merkt, dass es weniger um Buzzwords ging, sondern um reale Herausforderungen und um Lösungen, die im Alltag tatsächlich funktionieren müssen. Das hat uns gefallen.“

 

Euer Produkt verbindet ökologischer Flächenpflege mit KI-gestützte Planung – wie seid ihr auf diese konkrete Kombination gekommen und was war der Auslöser für die Gründung von BIODIV.AI?


BIODIV.AI Team: „Der Ausgangspunkt war kein KI-Projekt, sondern ein operatives Problem aus der Praxis. Wir arbeiten seit vielen Jahren mit Landesbetrieben, Kommunalen Behörden/ Betrieben und Infrastrukturbetreibern zusammen und kennen die klassischen Zielkonflikte zwischen Verkehrssicherheit, Kosten, Dokumentation und ökologischen Anforderungen sehr genau. Die Frage war nämlich nicht „Wo können wir KI einsetzen“, sondern -eher lösungsbasiert- „Wie lassen sich bestehende Prozesse besser, planbarer und nachvollziehbarer gestalten“. Die Kombination aus digitaler Einsatzplanung, Telematikdaten und KI ergab sich daraus logisch als Werkzeug, nicht als Selbstzweck.

Unter BIODIV.AI wird auch keine Gründung verstanden. Es handelt sich vielmehr um einen Produktnamen von MOBIWORX der im Laufe der Entwicklung entstanden ist und das Produktziel sowie die Technologie bereits im Namen trägt.“

 

Euer Geschäftsmodell richtet sich unter anderem an Kommunen, Behörden und Infrastrukturbetreiber – wie schafft ihr es, ökologische Ziele mit wirtschaftlicher Effizienz und Skalierbarkeit zu verbinden?

 

BIODIV.AI Team: „Ökologie und Effizienz schließen sich nicht aus, wenn Prozesse sauber geplant sind. Im Gegenteil: Unkoordinierte Pflege, Mehrfachfahrten oder starre Zeitpläne sind weder ökologisch noch wirtschaftlich sinnvoll.

Unsere Systeme helfen, Maßnahmen gezielt zu planen, Fahrwege zu optimieren und Pflegeintervalle bedarfsgerecht anzupassen. Dadurch entstehen messbare Einsparungen bei Zeit, Treibstoff und Emissionen, während gleichzeitig ökologische Kriterien besser berücksichtigt werden. Skalierbarkeit entsteht, weil diese Logik auf bestehende Infrastrukturen aufsetzt und nicht jedes Mal neu erfunden werden muss.“

 

Wie integriert ihr diese externen Akteure (z. B. NGOs, Forschung oder Bürger:innen) in eure Produktentwicklung?

 

BIODIV.AI Team: „Wir integrieren externe Akteure nicht über Mitbestimmungsplattformen, sondern über klare fachliche Schnittstellen. Forschungseinrichtungen und ökologische Expert:innen liefern Impulse zu Kriterien und Wirkzusammenhängen, die wir in unsere Modelle und Planungslogiken übersetzen. Bürger:innen und NGOs profitieren daher indirekt über Transparenz und nachvollziehbare Dokumentation. Für uns ist wichtig, dass Zuständigkeiten klar bleiben und Entscheidungen nicht verwässert werden. Beteiligung bedeutet für uns Struktur, nicht Beliebigkeit.“

 

Welche ethischen oder gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen euch im Schnittfeld von KI und Nachhaltigkeit bei eurer Arbeit – wie etwa bei Daten, Automatisierung oder auch Regulierung?

 

BIODIV.AI Team: „Eine zentrale Herausforderung ist die Frage nach Verantwortung. Wir haben von Anfang an darauf geachtet, dass KI bei uns unterstützt, aber nicht autonom entscheidet. Planungsvorschläge bleiben überprüfbar und anpassbar, die Verantwortung liegt immer beim Menschen. Ein weiteres Thema ist Datenhoheit. Gerade im öffentlichen Umfeld ist entscheidend, dass Daten nachvollziehbar entstehen, zweckgebunden genutzt werden und nicht in intransparente Blackbox-Systeme abfließen. Das ist weniger eine technische als eine organisatorische und rechtliche Aufgabe.“

 

Wie messt ihr den ökologischen Impact eurer Lösung (z. B. mehr Insekten, weniger CO₂, Blühflächen) und welche konkreten Ergebnisse – evtl. durch messbare KPI in eurer digitalen Strategie – könnt ihr bereits vorweisen?

 

BIODIV.AI Team: „Wir arbeiten mit klaren, messbaren Kennzahlen. Dazu gehören unter anderem reduzierte Fahrkilometer, eingesparte Emissionen, optimierte Pflegezeitpunkte und dokumentierte Flächenentwicklungen. Langfristig lassen sich daraus auch ökologische Effekte ableiten, etwa stabilere Blühphasen oder reduzierte Störungen von Lebensräumen. Wichtig ist uns dabei, nur das zu behaupten, was sich tatsächlich belegen lässt. Der Impact muss nachvollziehbar sein, nicht nur gut klingen.“

 

Wie definiert ihr für euch bei Biodiv.AI den „Impact in der Gesellschaft“ und welche langfristigen Veränderungen möchtet ihr mit eurer Technologie oder eurem Produkt bewirken?

 

BIODIV.AI Team: „Gesellschaftlicher Impact bedeutet für uns, dass öffentliche Aufgaben verlässlicher, transparenter und nachhaltiger erfüllt werden können. Wenn Verwaltungen besser planen, sauber dokumentieren und Entscheidungen begründen können, stärkt das Vertrauen und Handlungssicherheit.

Wir wollen keine Parallelstrukturen schaffen, sondern bestehende Systeme verbessern. Langfristig geht es darum, dass ökologische Anforderungen nicht als Zusatzlast wahrgenommen werden, sondern als integrierter Bestandteil professioneller Infrastrukturarbeit.“

 

Welche Rolle spielt Digitalisierung euerer Meinung nach im Kontext globaler Nachhaltigkeitsziele (z. B. Klimaschutz oder auch sozialer Gerechtigkeit) und wo seht ihr die größten Chancen – aber auch Risiken?

 

BIODIV.AI Team: „Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug. Sie kann helfen, Ressourcen gezielter einzusetzen, Zusammenhänge sichtbar zu machen und Entscheidungen zu verbessern. Gleichzeitig birgt sie Risiken, wenn sie unreflektiert eingesetzt wird oder neue Abhängigkeiten schafft.

Gerade im öffentlichen Sektor ist entscheidend, dass digitale Systeme robust, erklärbar und langfristig betreibbar sind. Nachhaltigkeit entsteht nicht durch möglichst viel Technologie, sondern durch die richtige Technologie am richtigen Ort.“

 

Gibt es einen Moment / ein Erlebnis im Projektverlauf, der für euch symbolisch steht für den gesellschaftlichen Mehrwert eurer Arbeit?

 

BIODIV.AI Team: „Ein prägender positiver Moment war, als unsere Anwender im Piloten erstmals nachvollziehbar darlegen konnte, warum bestimmte Pflegeentscheidungen so getroffen wurden und welche ökologischen und wirtschaftlichen Effekte damit verbunden waren. Nicht als Rechtfertigung, sondern als transparente Darstellung.

In solchen Momenten wird deutlich, dass Digitalisierung eben nicht entfremdet, sondern Verantwortung sichtbar machen kann. Genau deshalb ist es auch essentiell mit direkt mit Anwendern zusammen zu arbeiten.“

 

Was würdet ihr anderen Gründer:innen raten, die ebenfalls digitale Technologien für Umwelt- oder Gesellschaftsprobleme einsetzen wollen?

 

BIODIV.AI Team: „Nicht von der Technologie her denken, sondern vom Alltag. Wer reale Prozesse und die beteiligten Akteure versteht, erkennt schnell, wo digitale Werkzeuge sinnvoll unterstützen können – und wo nicht.

Wichtig ist zudem, potenzielle Anwender und Stakeholder früh einzubeziehen, nicht erst am Ende.

Wir raten außerdem zu Geduld. Wertvolle Zeit sollte nicht primär in Vermarktung fließen, sondern in die Entwicklung eines belastbaren Produkts, das im Markt tatsächlich funktioniert. Im Idealfall entsteht dieses aus eigener Kraft. Das schärft die Wertschätzung für das Produkt und führt zu einem gesunden Selbstverständnis in der späteren Vermarktung.

Gerade in regulierten Bereichen braucht es Zeit, Vertrauen und saubere Strukturen. Nachhaltiger Erfolg entsteht nicht durch schnelle Versprechen, sondern durch verlässliche Arbeit.“

 

Interview geführt durch:

Externe und bezahlte Artikel rund um unsere Themenschwerpunkte der Digitalisierung. Veröffentlichungen erfolgen ohne Prüfung oder redaktionelle Korrekturen vor.

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