M&A 2026:
Selektivität, Kapitaldruck und neue Bewertungslogiken

Einordnung: 2025 als Jahr der Anpassung
Der M&A-Markt in der DACH-Region war 2025 weniger durch Dynamik als durch strukturelle Neuorientierung geprägt. Nach den Verwerfungen der Vorjahre – ausgelöst durch Inflationsschübe, restriktive Geldpolitik und geopolitische Spannungen – entwickelte sich 2025 zunehmend zu einem Jahr der Normalisierung unter veränderten Vorzeichen.
Zwar wurden im ersten Halbjahr 2025 rund 1.500 Transaktionen verzeichnet, was einem Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht, gleichzeitig jedoch einem deutlichen Rückgang gegenüber dem zweiten Halbjahr 2024. Der aggregierte Transaktionswert blieb spürbar unter dem Niveau der vorherigen Hochphasen. Diese Entwicklung verweist weniger auf eine strukturelle Schwäche des Marktes als vielmehr auf eine Phase erhöhter Selektivität und Risikoaversion.
Investoren – sowohl strategische Käufer als auch Finanzinvestoren – haben 2025 ihre Kapitalallokation stärker an Kriterien wie Resilienz der Geschäftsmodelle, Cashflow-Stabilität und realistischer Bewertbarkeit ausgerichtet. Opportunistische Transaktionen traten in den Hintergrund, während qualitativ hochwertige Assets weiterhin auf intensives Wettbewerbsinteresse stießen. Der Markt bewegte sich damit weg von volumengetriebenen Zyklen hin zu einem stärker qualitätsgetriebenen Transaktionsumfeld.
Diese Entwicklung ist vor dem Hintergrund mehrerer exogener Faktoren zu sehen: geopolitische Konflikte, zunehmende handelspolitische Fragmentierung sowie politische Unsicherheiten in zentralen Volkswirtschaften. Zusammengenommen führten sie zu einem Umfeld, in dem Planungssicherheit und Prognosequalität für Investitionsentscheidungen wieder stärker in den Vordergrund rückten.
Makroökonomische und finanzielle Rahmenbedingungen
Ein zentraler Einflussfaktor für die Perspektive 2026 ist die Entwicklung der Zinsen und der Inflation. Nach der Phase restriktiver Geldpolitik mehren sich die Anzeichen für ein Umfeld sinkender Inflationsraten und schrittweise lockerere Finanzierungsbedingungen. Für den M&A-Markt hat dies zwei Effekte: Fremdfinanzierungen werden wieder attraktiver, und Käufer sind bereit, höhere Preise zu zahlen, da niedrigere Zinssätze die Bewertungen erhöhen.
Gleichzeitig ist festzustellen, dass auf Investorenseite weiterhin erhebliche Liquidität vorhanden ist. Insbesondere Finanzinvestoren stehen unter strukturellem Investitionsdruck, da zugesagtes Kapital in produktive Anlagen überführt werden muss. Dieses sogenannte „Dry Powder“ trifft jedoch auf ein begrenztes Angebot an qualitativ hochwertigen Targets. Bereits 2025 führte diese Konstellation zu einem wachsenden „Deal-Stau“, der sich in verlängerten Entscheidungsprozessen und verschobenen Transaktionen manifestierte.
Für 2026 ist daher zu erwarten, dass ein Teil dieser aufgeschobenen Transaktionen realisiert wird – vorausgesetzt, es treten keine neuen makroökonomischen oder geopolitischen Schocks auf. In diesem Szenario würde die Transaktionsaktivität insgesamt steigen, bei gleichzeitig anhaltend hohem Wettbewerbsdruck um die besten Assets.
Bewertungsniveaus zwischen Disziplin und Wettbewerb
Die Bewertungslogik im M&A-Markt hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Während in Niedrigzinsphasen häufig multiple-getriebene Bewertungsansätze dominierten, ist seit 2023 eine Rückkehr zu stärker fundamental orientierten Modellen zu beobachten. Cashflow-Qualität, Planungsvisibilität und Robustheit gegenüber exogenen Schocks haben an Bedeutung gewonnen.
Für 2026 deutet vieles darauf hin, dass sich diese Entwicklung fortsetzt, allerdings in einem Spannungsfeld: Auf der einen Seite führt der Kapitalüberhang zu intensivem Wettbewerb um hochwertige Targets, was selektiv auch wieder zu steigenden Bewertungen führen kann. Auf der anderen Seite bleiben Investoren diszipliniert gegenüber Geschäftsmodellen mit strukturellen Risiken, hoher Zyklik oder unklarer technologischer Perspektive.
Die Konsequenz ist eine zunehmende Spreizung der Bewertungsniveaus. Unternehmen mit klarer strategischer Positionierung, stabilen Margen und glaubwürdigen Wachstumsoptionen können mit einem Bewertungsaufschlag rechnen. Demgegenüber stehen Geschäftsmodelle mit erhöhter Disruptionsgefahr oder geringer Differenzierung, bei denen Bewertungsabschläge, komplexere Deal-Strukturen oder sogar Distressed-Szenarien wahrscheinlicher werden.
Technologie und Resilienz als neue Kernkriterien
Ein zentrales Strukturthema für den M&A-Markt 2026 ist die Frage der technologischen Resilienz, insbesondere im Kontext künstlicher Intelligenz und digitaler Skaleneffekte. Käufer prüfen zunehmend, inwieweit Geschäftsmodelle nicht nur von neuen Technologien profitieren können, sondern auch gegen potenzielle Disruptionen abgesichert sind.
Dabei geht es weniger um die bloße Nutzung einzelner Technologien, sondern um die strategische Einbettung in Wertschöpfungsketten, Datenmodelle und operative Prozesse. Unternehmen ohne klar definierte technologische Differenzierung oder ohne eigene, strategisch relevante Datenbasis laufen Gefahr, in Bewertungsprozessen unter Druck zu geraten. Umgekehrt gewinnen Geschäftsmodelle mit hohen Markteintrittsbarrieren, proprietären Technologien oder regulatorisch geschützten Positionen weiter an Attraktivität.
Diese Entwicklung verschiebt den Fokus der Due-Diligence-Prüfungen: Neben klassischen finanziellen und rechtlichen Aspekten rücken technologische Roadmaps, Skalierbarkeit von Plattformmodellen und die Robustheit digitaler Infrastrukturen stärker in den Vordergrund.
Geopolitik, Protektionismus und Regionalisierung von Deals
Ein weiterer prägender Faktor bleibt die geopolitische Fragmentierung der Weltwirtschaft. Handelskonflikte, Sanktionsregime und industriepolitische Strategien führen dazu, dass grenzüberschreitende Transaktionen in bestimmten Sektoren komplexer und regulatorisch anspruchsvoller werden. Gleichzeitig ist eine Tendenz zur Regionalisierung von Wertschöpfungsketten zu beobachten, die sich auch im M&A-Markt widerspiegelt.
Für 2026 ist daher mit einer stärkeren Fokussierung auf regionale und regulatorisch weniger exponierte Transaktionen zu rechnen, insbesondere in sensiblen Industrien wie Infrastruktur, Verteidigung, Energie oder kritischen Technologien. Diese Entwicklung begünstigt einerseits die Entstehung regionaler Konsolidierungswellen, erhöht andererseits aber auch die Komplexität der Transaktionsstrukturen und Genehmigungsprozesse.
Sektorale Perspektiven: Wo Bewegung zu erwarten ist
Besonders dynamisch dürfte der M&A-Markt weiterhin in technologiegetriebenen Segmenten bleiben, insbesondere dort, wo Digitalisierung, Automatisierung und datenbasierte Geschäftsmodelle strukturelle Wachstumstreiber darstellen. Ergänzt wird dies durch robuste B2B-Services, die sich durch planbare Cashflows und geringe Konjunkturabhängigkeit auszeichnen.
Auch der Gesundheitssektor bleibt aufgrund demografischer Trends, regulatorischer Rahmenbedingungen und fortschreitender Digitalisierung ein Feld erhöhter Transaktionsaktivität. Hinzu kommen spezialisierte Nischenanbieter, die durch hohe Innovationsgeschwindigkeit und technologische Differenzierung attraktive Plattform- oder Add-on-Kandidaten darstellen.
Demgegenüber stehen Branchen mit hoher Zyklik und strukturellem Transformationsdruck, etwa in Teilen der industriellen Wertschöpfungsketten. Hier ist mit einer Zunahme von Restrukturierungs- und Distressed-Transaktionen zu rechnen, insbesondere dort, wo Margendruck, Investitionsbedarf und regulatorische Anforderungen zusammenwirken.
„Hot Property“: Welche Profile besonders gefragt sind
Aus Käufersicht lassen sich mehrere Merkmale identifizieren, die 2026 besonders stark nachgefragt sein dürften. Dazu zählen konjunkturunabhängige Geschäftsmodelle mit stabilen Erlösströmen, klaren Wettbewerbsvorteilen und hoher Skalierbarkeit. Ebenso im Fokus stehen Unternehmen mit geschützten Technologien, proprietären Daten oder regulatorischen Eintrittsbarrieren, die nachhaltige Ertragskraft versprechen.
Inhaltlich gewinnen Segmente an Bedeutung, die von struktureller Nachfrage profitieren und gleichzeitig eine hohe strategische Relevanz besitzen, etwa in den Bereichen Sicherheit, Regulierungstechnologien oder spezialisierte Gesundheitslösungen. Entscheidend ist weniger das Etikett der Branche als die Qualität des zugrunde liegenden Geschäftsmodells.
Verkaufen – besser früher als später?
Für bestimmte Geschäftsmodelle stellt sich die Frage des Timings besonders dringlich. Unternehmen mit hoher Disruptionsgefahr durch neue Technologien oder mit geringer Differenzierung laufen Gefahr, in künftigen Bewertungsrunden weiter unter Druck zu geraten. In solchen Fällen kann ein frühzeitiger Verkauf strategisch sinnvoller sein als das Abwarten auf möglicherweise ungünstigere Marktbedingungen.
Ähnliches gilt für stark konjunkturabhängige Geschäftsmodelle in Branchen mit strukturellem Gegenwind. Steigende Restrukturierungsrisiken, hoher Investitionsbedarf und unsichere Margenperspektiven wirken sich nicht nur auf Bewertungen, sondern auch auf die Deal-Struktur und die Verhandlungsposition der Verkäufer aus.
Die „Hausaufgaben“ vor dem Verkauf
Unabhängig vom Marktumfeld bleibt die Vorbereitung der entscheidende Werttreiber in Transaktionsprozessen. Dazu gehört erstens die frühzeitige strategische und operative Aufstellung, um jederzeit transaktionsfähig zu sein. Zweitens sind belastbare finanzielle Grundlagen und realistische, nachvollziehbare Planungen unerlässlich, die Investoren nicht nur historische Performance, sondern auch zukünftige Entwicklungspfade plausibel vermitteln.
Drittens gewinnt die Entwicklung einer konsistenten Investment-Story an Bedeutung. Diese muss Zahlen, Strategie und Marktlogik zu einem schlüssigen Gesamtbild verbinden und zugleich die spezifischen Stärken des Unternehmens klar herausarbeiten. In einem Umfeld hoher Selektivität entscheidet häufig nicht nur die Qualität des Geschäfts, sondern auch die Qualität seiner Darstellung.
Timing-Fehler und ihre Vermeidung
Ein häufiger Fehler in Verkaufsprozessen besteht darin, den Startzeitpunkt ausschließlich an kurzfristigen Ergebnisschwankungen auszurichten. Entscheidend ist jedoch weniger, ob ein Unternehmen aktuell ein besonders starkes oder schwaches Jahr verzeichnet, als ob eine belastbare Visibilität für die zukünftige Entwicklung besteht.
Ein sinnvoller Zeitpunkt für den Markteintritt ist typischerweise dann gegeben, wenn das laufende Geschäft stabil oder über Plan verläuft, der Auftragseingang eine positive Tendenz zeigt, keine akuten operativen Risiken bestehen und die Perspektive für die kommenden Quartale plausibel kommunizierbar ist. In solchen Konstellationen lassen sich Risiken besser einpreisen und strategische Optionen überzeugender darstellen.
Fazit: 2026 als Jahr der selektiven Belebung
Zusammenfassend spricht vieles dafür, dass 2026 von einer steigenden Transaktionsaktivität geprägt sein wird, getragen von verbesserten Finanzierungsbedingungen, hohem Kapitaldruck auf Investorenseite und einem Abbau des in den Vorjahren entstandenen Deal-Staus. Gleichzeitig bleibt der Markt hoch selektiv: Qualität, Resilienz und strategische Klarheit werden stärker denn je über Bewertung, Deal-Struktur und Transaktionserfolg entscheiden.
Oder zugespitzt formuliert: 2026 gewinnen im M&A nicht der Verkaufswille, sondern die gründliche und strukturierte Vorbereitung und die bewusste Wahl des richtigen Partners.




Um einen Kommentar zu hinterlassen müssen sie Autor sein, oder mit Ihrem LinkedIn Account eingeloggt sein.