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Grüne IT aus der Cloud. Worthülle oder Inhalt mit Alleinstellungsmerkmal?

Nachhaltigkeit ist eines der zentralen Themen unserer Zeit und auch Unternehmen erkennen, dass sie nachhaltiger werden müssen. Um dies zu erreichen, geben viele Organisationen ihre Daten in die Hände von Public-Cloud-Anbietern. Der Gedanke dahinter: Cloud-Anbieter verfügen über größereres Know-How und effizientere IT-Infrastrukturen und können Daten so nachhaltiger und ressourcenschonender verarbeiten. Was hinter diesen Versprechen steht und wie die Cloud wirklich nachhaltiger wird, erklärt Henrik Hasenkamp, CEO von gridscale.
15. Juli 2022

Kommentar: Grüne IT aus der Cloud. Worthülle oder Inhalt mit Alleinstellungsmerkmal?

Man muss heute nicht mehr erwähnen, dass Klimaschutz und Nachhaltigkeit weit oben auf der Agenda von Unternehmen stehen sollten: Wir sind längst an dem Punkt angekommen, an dem Handeln keine Option, sondern Teil der Verantwortung von Unternehmerinnen und Unternehmern ist. Ein Beispiel für den hohen Verbrauch, den bereits vermeintlich kleine Alltagstätigkeiten generieren: Eine einzige Suche auf Google erzeugt bis zu sieben Gramm Kohlendioxid-Emissionen – damit lässt sich eine Glühbirne für ein paar Sekunden zum Leuchten zu bringen. Man kann sich leicht vorstellen, wie sich diese Menge an CO2 multipliziert mit dem täglichen Verbrauch an Rechenleistung in einem Unternehmen, zum Beispiel aus der IT-Branche, auswirkt.

Doch die effektive Umstellung auf grüne und nachhaltige Arbeitsweisen ist im Alltag meist gar nicht so einfach und braucht Zeit sowie Know-How, sagt Henrik Hasenkamp, CEO und Gründer von gridscale. Dabei können Unternehmen, gerade im IT-Bereich, mit der richtigen Strategie viel mehr tun, als das klassische Energiesparen über die Nutzung von Ökostrom, energieeffizienter Hard- und Software oder effiziente Beleuchtung in großen Räumen oder Anlagen. Mit der Unterstützung von externen Expert:innen bieten sich gute Möglichkeiten, weitere Energie und Ressourcen im eigenen Unternehmen zu sparen. Ein besonders großer Hebel für nachhaltigeres Wirtschaften ist dabei die Verarbeitung und Speicherung von Daten, denn: Sie sind in so gut wie jedem Unternehmen die zahlenmäßig größte Ressource. Und betrachtet man die voraussichtliche Entwicklung der weltweiten Datenmengen in den kommenden Jahren, wird sich das erheblich verstärken: Global betrachtet wird sich das Volumen generierter Daten bis 2025 verglichen mit 2018 auf über 175 Zettabyte (175 Milliarden Terabyte) mehr als verfünffachen, ergeben Prognosen. Ein großer Teil davon wird auf Informationen fallen, die in Unternehmen verarbeitet werden. Und dabei ist es egal, ob globaler Techgigant oder das Maschinenbauunternehmen aus dem deutschen Mittelstand – für sie alle wird die Transformation zu einer datengetriebenen Wirtschaft in Zukunft ein entscheidender Wettbewerbsfaktor sein. Daher ist es auch oder gerade für kleinere Unternehmen sinnvoll, schon jetzt auf energie- und ressourcenschonende Konzepte zu setzen.

Grüner mit der Cloud?

Dabei können IT-Anbieter wie beispielsweise Cloudprovider besonders effektiv unterstützen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Ja, auch Clouds brauchen physische Rechenzentren um zu existieren. Auch sie verursachen Stromverbräuche, Abwärme und sie verbrauchen Ressourcen, beim Bau sowie Betrieb,  um  erforderliche Server bereitstellen zu können. Doch all diese Verbräuche werden in den Rechenzentren von Cloudanbietern gebündelt und ständig optimiert – schon aus wirtschaftlichem Interesse: Ein geringerer Stromverbrauch oder der optimierte Einsatz von Hardware führt am Ende nicht nur zu mehr Nachhaltigkeit, sondern auch zu einer Kostenersparnis für den Anbieter oder den Betreiber des Rechenzentrums. Für eine wirtschaftlich orientierte Organisation wird das immer ein entscheidender Faktor sein. Kund:innen können also davon ausgehen, dass Cloudanbieter genau wie die Betreiber von Rechenzentren schon aus eigenem Interesse immer versuchen werden, Verbräuche und den Einsatz von Ressourcen im Rechenzentrum möglichst klein zu halten.

Eine Fahrgemeinschaft für Daten

Aber auch aus einem anderen Grund ist die Migration in eine Public Cloud gerade für kleinere Unternehmen ein Schritt zu mehr Nachhaltigkeit:  Im Vergleich zu Private Cloud- und On-Premises-Konfigurationen ist die Public Cloud deutlich flexibler und kann Arbeitsspeicher, Rechenleistung und permanenten Speicher je nach Bedarf zur Verfügung stellen. Mit dieser Flexibilität ergibt sich ein nahezu unbegrenztes Maß an Anpassungsfähigkeit, das ein einzelnes Unternehmen mit privaten Servern nicht gewährleisten könnte. Denn bei privaten Servern  gibt es von Natur aus immer einen großen Überschuss an potenziell abrufbarer Rechenleistung. Dieser entsteht häufig, wenn z. B. neue Systeme aufgesetzt werden: Implementierung und Roll-out benötigen einen extrem hohen Grad an Kapazitäten, die später im täglichen Ablauf aber nicht mehr gebraucht wird. So entsteht auf Dauer Leerlauf, der ungenutzt bleibt und damit wertvolle Ressourcen verschwendet und den CO2-Fußabdruck des Unternehmens vergrößert. Tatsächlich produzieren deutsche Rechenzentren jährlich auf diese Weise insgesamt mehr CO2 als ganze Nationen wie Kuba, Kroatien oder Malta.

In einer Public Cloud wird überschüssige Rechenleistung hingegen automatisch an den nächsten Nutzer verteilt, der sie dann effizient einsetzen kann. So entstehen Synergien, die eigene Rechenzentren für Unternehmen überflüssig machen können. Ähnlich wie bei einer Fahrgemeinschaft mit dem Auto: Jeden morgen sieht man tausende von privaten Pkw in die großen Städte pendeln – meist mit vier bis fünf Sitzplätzen, von denen aber nur einer belegt ist. Die Kapazitäten von drei bis vier Plätzen gehen also verloren, während im Auto auf der Nebenspur noch eine einzelne Person sitzt, die mit ihrem Fahrzeug CO2, Stickoxide und Schadstoffe erzeugt. Den Großteil des Tages stehen diese Autos dann ungenutzt herum und finden erst dann wieder Verwendung, wenn es nach Feierabend wieder nach hause geht.

Fazit

Genauso wie mit einer Fahrgemeinschaft verhält es sich im Prinzip auch mit der Public Cloud: Im Rechenzentrum eines Cloudanbieters ist genug Platz für eine ganze Menge Kund:innen, die alle sowieso in die gleiche Richtung fahren wollen. Also warum nicht die Ressourcen bündeln und den CO2-Ausstoß so deutlich senken? Das reduziert erheblich Energie und erhöht über die größere  Fachexpertise der Anbieter zugleich auch die Sicherheit aller Systeme. Denn durch die ständige Verfügbarkeit und den Rund-um-die-Uhr Support der spezialisierten IT-Teams im Hintergrund etablierter Cloud-Provider sparen Unternehmen so nicht nur Ressourcen und CO2,  sondern auch Zeit und internes Fach Know-how: Denn Rollout, Instandhaltung, Updates sowie Leistungsverteilung übernimmt automatisch der Provider.

Henrik Hasenkamp verantwortet als CEO die Strategie und Ausrichtung von gridscale, einem europäischen IaaS- und PaaS-Anbieter, der mit seiner innovativen Technologie die Basis für anspruchsvolle Cloud-Lösungen schafft.

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