Connected Worker: 12 wesentliche Punkte, um die richtige Software zu finden

Connected Worker Tools bilden eine noch relativ junge Softwarekategorie. Sie vernetzen Industriearbeiter mit Hilfe mobiler Geräte, um die Aus- und Weiterbildung, Anleitung, Kommunikation und Zusammenarbeit betriebsübergreifend zu verbessern. Wie aber können Industrieunternehmen aus der steigenden Zahl der Tools das richtige für sich finden? Der Anbieter Augmentir hat 12 zentrale Kriterien zusammengestellt.
Von   Carsten Hunfeld   |  Director EMEA   |  Augmentir
5. Juni 2026

Connected Worker:

12 wesentliche Punkte, um die richtige Software zu finden

 

 

Lösungen für vernetztes Arbeiten sorgen in der Industrie für einen durchgängigen Informationsfluss zwischen Personal, Maschinen und Systemen. Damit tragen sie nicht nur zur Digitalisierung von Fertigungsbetrieben bei. Sie machen Industrie 4.0 erst komplett, schließlich unterstützen sie über den täglichen Betrieb hinaus. Denn aus den gesammelten und ausgewerteten Daten lassen sich künftige Verbesserungspotenziale gezielt identifizieren. „Das vernetzte Arbeiten von Fabrikpersonal kann eine entscheidende strategische Rolle dabei spielen, die Produktion vor Ort besser zu unterstützen und die Personalentwicklung zu stärken“, sagt Simon Jacobson, Vice President Analyst in der Supply Chain Practice von Gartner. „Die erfolgreiche Umsetzung dieser Initiativen ist der Schlüssel zur Überwindung des Arbeitskräftemangels. Des Weiteren lassen sich so Mitarbeiter in Produktion und Wartung aktivieren. Zudem wird die Arbeit in der Industrie für die junge Generation damit werthaltiger und attraktiver.“

Immer mehr Unternehmen sind daher bereit, in ein System für Connected Worker zu investieren. Analysten von Frost & Sullivan prognostizieren für den Markt mit Augmented Connected Worker Software bis 2030 eine jährliche Wachstumsrate von 31,1 Prozent, auf dann 6,36 Milliarden US-Dollar. Doch worauf sollten Verantwortliche für Produktion, Wartung und Qualitätsmanagement bei der Auswahl geeigneter Tools achten? Was leisten die neuesten Softwarelösungen im Vergleich zu ihren Vorgängern in diesem Bereich? Um sich zukunftssicher aufzustellen, lohnt es sich, im Auswahlprozess auf 12 Punkte zu achten.

 

1. Benutzerfreundlichkeit

Ein Connected-Worker-Tool kann nur dann Vorteile bringen, wenn es von allen Mitarbeitenden voll akzeptiert wird. Das gilt sowohl in der Fabrikhalle als auch im Außeneinsatz. Dazu muss es jedoch für alle Generationen und Qualifikationsstufen einfach zu nutzen sein. Das schließt die Verwaltung im Backend mit ein: Idealerweise verfügt eine Plattform für vernetztes Arbeiten über einen Workflow-Builder mit intuitiver Oberfläche, der ohne Programmierkenntnisse zu bedienen ist. So lässt sich das Tool an die aktuellen Abläufe im Betrieb anpassen. Die meisten Lösungen auf dem Markt ermöglichen die Digitalisierung einfacher Arbeitsabläufe. Der volle Produktivitätsgewinn lässt sich aber nur schöpfen, wenn komplexe Prozesse ebenfalls abbildbar sind.

 

2. Personalisierte Arbeitsanweisungen

Allen Mitarbeitenden dieselben Anweisungen und Micro-Schulungen auf einem mobilen Gerät bereitzustellen, ist manchmal völlig ausreichend. Oft genügt das aber nicht. Um jedem Mitarbeitenden die Arbeit so leicht wie möglich zu machen, sollten die dargestellten Inhalte besser an den individuellen Bedürfnissen ausgerichtet sein. KI-gestützte Systeme leisten dies heute über ein integriertes Skill Management automatisch. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wer genau die Infos bekommt, die er oder sie braucht, kann sich zügiger einarbeiten. Außerdem wird die Person schneller produktiv und führt Arbeiten präziser aus.

 

3. Leicht einsetzbare Agenten

Um Arbeitskräfte von Routinen zu entlasten und ihnen Entscheidungen zu erleichtern, werden in naher Zukunft immer häufiger KI-Agenten zum Einsatz kommen. Mögliche Anwendungsgebiete sind zum Beispiel der Arbeitsschutz und die Qualitätskontrolle, als Lean Coach oder zur Benachrichtigung über nötige Wartung. Dies bestätigt unter anderem eine Studie von McKinsey, die im November 2025 veröffentlicht wurde. Dazu wurden knapp 2.000 Personen in 105 Ländern zur Nutzung von KI in Unternehmen befragt. Eines der Hauptergebnisse der Umfrage: 62 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gaben an, dass ihr Betrieb mit KI-Agenten auf die eine oder andere Weise zumindest experimentiere. Moderne Connected-Worker-Lösungen bieten hier nicht nur einen Satz bereits fertiger Agenten an. Sie erlauben außerdem, über integrierte AI Agent Builder, eigene, individuelle Agenten zu bauen, und das ganz ohne Programmierkenntnisse.

 

In nur wenigen Schritten entsteht mit einem AI Agent Studio ein KI-Agent. Bildquelle: Augmentir

 

4. Weiterqualifizierung und Umschulung

Industriearbeitskräfte müssen sich heutzutage ständig weiterbilden. Dies ist zum einen nötig, um mit Veränderungen am Arbeitsplatz Schritt zu halten. Zum anderen gilt es, sich persönlich weiterzuentwickeln. Eine Connected-Worker-Anwendung ermöglicht, berufliche Aus- und Weiterbildung in den Arbeitsablauf einzubinden, als digitales „Training on the job“. Ein Ansatz, mit dem sich gleichermaßen Mitarbeiterbindung und Arbeitszufriedenheit steigern lassen.

 

5. Digitale Assistenz

Tools für vernetztes Arbeiten liefern strukturierte Anleitungen gemäß den Standard Operating Procedures. Was aber, wenn eines Tages Fall X eintritt, der im bisherigen Training nicht vorkam oder an den sich die Arbeitskraft auf die Schnelle nicht mehr erinnern kann? Dann schlägt die Stunde der KI-basierten Assistenten. Sie unterstützen Mitarbeiter in Produktion und Wartung bei allen Fragen – und zwar in natürlicher Sprache und zuverlässig auf Basis unternehmensspezifischer Informationen. Möglich wird dies durch speziell für den industriellen Einsatz entwickelte und trainierte Modelle generativer KI. Solche industriespezifischen Chat-Funktionen gehören inzwischen zur Grundausstattung eines jeden Connected-Worker-Systems.

 

6. Verbindung von KI und AR

Um Arbeitskräften dynamisch immersive Anleitungen an die Hand zu geben, bieten sich auch Wearables und Augmented Reality an. Diese eignen sich insbesondere, um Mitarbeitende im laufenden Betrieb schnell einzuarbeiten und zu schulen. Ebenfalls zur Just-in-Time-Unterstützung für komplexe oder selten anfallende Aufgaben ergänzen die AR-Devices die Connected Worker Experience ideal. Deshalb ist es von Vorteil, bei der Sichtung von Anbietern zu prüfen, ob die Software mit diesen neuen Technologien zurechtkommt. Denn gerade bei Wartungsaufgaben oder Reparaturen erleichtern sie die Problemlösung und helfen, eine einwandfreie Ausführung sicherzustellen.

 

Hilfe von AR und KI führen selbst unerfahrene Arbeiter Aufgaben sicher aus. Bildquelle: visoot – stock.adobe.com / Augmentir

 

7. Optimierte Personalplanung

Eine optimale Einsatzplanung erfordert einen möglichst detaillierten Überblick über die Kenntnisse, Fähigkeiten und Zertifizierungen des in einer Schicht anwesenden Personals. Noch besser ist es, wenn auch die im Betrieb gesammelte Praxis mit einfließen kann. Für erfahrene Schichtleiter ist all dies kein Problem: Sie schütteln dieses Know-how aus dem Ärmel. Andere können sich von einer KI helfen lassen. Ein intelligenter Algorithmus verteilt die Aufgaben dann so auf die vorhandenen Arbeitskräfte, dass das Qualifikationsniveau insgesamt am besten passt. Damit arbeitet ein Betrieb immer mit der tagesaktuell bestmöglichen Produktivität.

 

8. Zusammenarbeit mit Experten

Dass die Lösung der Wahl eine Zusammenarbeit zwischen Arbeitenden und Fachexperten oder Vorgesetzten unterstützen sollte, steht außer Frage. Jedoch: Allzu häufig sind beide nicht am selben Ort. Sei es, dass sie in einem verteilten Unternehmen arbeiten oder sich die Mitarbeitenden regelmäßig im Außendienst um Anlagen kümmern. Funktionalität für den standortübergreifenden Austausch von Bild-, Sprach- und Textnachrichten in Echtzeit ist daher ein Muss. Nur so lässt sich der Wissensaustausch fördern und eine qualitativ einwandfreie Ausführung sicherstellen.

 

9. Integration und Skalierbarkeit

Connected-Worker-Anwendungen können viele Digitalisierungslücken in der vernetzten Fabrik schließen. Um dabei Systemgrenzen zu überwinden, müssen Workflows bestehende Unternehmenssysteme integrieren. Das macht Konnektoren für Enterprise Resource Planning (ERP), Manufacturing Execution Systems (MES), Qualitätsmanagementsysteme (QMS), Learningmanagementsysteme (LMS), Software für Customer Relationship Management (CRM) oder computergestützte Wartungsmanagementsysteme (CMMS) erforderlich. Denn Konnektoren erlauben einen nahtlosen Datenaustausch und Workflow-Integration ohne den massiven Wartungsaufwand selbstentwickelter Schnittstellen. Tipp: Um sicherzugehen, dass sich vorhandene Systeme wirklich nahtlos anbinden lassen, sollten Integrationen bereits im Proof-of-Concept enthalten sein. Nur so stellen Projektverantwortliche sicher, dass die künftige Lösung den tatsächlichen Geschäftsanforderungen entspricht.

 

Aus vorhandenen Grafiken und Dokumenten erstellen KI-Assistenten automatisch Tests zur Lernkontrolle. Bildnachweis: Augmentir

 

10. Auswertungen und Analysen

Wer Wert auf zuverlässige Analyse- und Berichtsfunktionen legt, ohne dafür Data Scientists einsetzen zu wollen, sollte nach einer KI-basierten Lösung Ausschau halten. Denn diese liefert automatisiert konkrete und direkt umsetzbare Einblicke. So erhalten Manager beispielsweise wertvolle Hinweise, in welchen Bereichen eine zusätzliche Schulung oder ein Mehr an Unterstützung benötigt wird. Datengesteuerte Analysen können darüber hinaus dabei helfen, Personalengpässe zu erkennen oder Prozesse zu optimieren. Welche Maßnahmen sich am ehesten rechnen, ermittelt die KI.

 

11. Datenbereinigung

Connected Worker Tools sind in der Lage, zahlreiche Informationen über Leistung, Effizienz und Arbeitsschutz zu sammeln. Auf dieser Grundlage lassen sich leichter Verbesserungspotenziale identifizieren und fundierte Entscheidungen treffen. Das gelingt aber nur, wenn die Daten aussagekräftig genug sind; Ausreißer und Fehler dürfen die Aussagen nicht verzerren. Zu einer soliden Evaluierung gehört daher auch die Frage, ob und wie die gesammelten Daten bereinigt werden. Lösungen der neuesten Generation haben dafür bereits KI-Optionen an Bord.

 

12. Flexibilität der Inhalte

Last but not least lohnt sich ein Check, in welchem Umfang und wie einfach sich die Inhalte anpassen lassen. Diese können als standardisierte Arbeitsanweisungen (SOP), Checklisten, Videos, Bilder oder Dokumente vorliegen. Idealerweise berücksichtigt eine Software Branchenanforderungen ebenso wie unternehmensspezifische Prozesse und Arbeitsumgebungen. Sie muss außerdem kleine Vor-Ort-Teams genauso gut unterstützen wie weltweit verteilte. Um den Aufwand für die Content-Erstellung so gering wie möglich zu halten, sollte ein System Inhalte automatisch erzeugen und übersetzen können. Damit zum Beispiel aus vorhandenen Videos oder Dokumentationen im Handumdrehen mehrsprachige SOPs oder Micro-Trainings werden – inklusive Checkliste, Lernzielkontrolle und Quiz.

 

KI macht den Unterschied

Alles in allem hat die Entwicklung von Connected-Worker-Software in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Der heutige State of the Art unterscheidet sich erheblich von den Anwendungen der ersten Generation. Ein wesentlicher Vorteil dabei ist, dass moderne Lösungen verschiedene Formen von KI zu unterschiedlichen Zwecken einsetzen – und zwar gezielt zugeschnitten auf den branchenspezifischen, industriellen Einsatz.

Carsten Hunfeld ist Director EMEA bei Augmentir. Er ist Experte für die Entwicklung und den Einsatz von KI-basierten Lösungen, mit denen Unternehmen ihre Arbeitsprozesse optimieren, Mitarbeiter individuell unterstützen sowie die Erfassung und Analyse von Unternehmensdaten verbessern.

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