Wie ich in 10 Minuten KI programmieren lernte

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Über unseren Kolumnisten:

Uwe Walter ist Storytelling- und Change-Experte für Medien- und Industrieunternehmen. Er berät so unterschiedliche Kunden wie YouTube-Stars, Start-ups, Blogger, Verlage, Radio- und Fernsehsender sowie Filmproduktionen. Seine Expertise: Wie generiere ich Reichweite durch zukunftssicheres Erzählen?



Kürzlich, auf einem Spaziergang mit meinem Freund Markus, diskutierten wir die Corona-Krise und darüber hinausgehende Herausforderungen unserer Welt.

Mit belegter Stimme erzählte ich von meinen Sorgen um die internationale Gesundheit, den Qualitätsjournalismus, die Wirtschaftslage, die Entwicklungsgeschwindigkeit Chinas, die Klimaerwärmung, die Kompetenz der Politik und überlegte, wie wir als Gesellschaft das in Zukunft hinbekommen wollen.

Irgendwie schrie alles in mir nach Krise und Sorge – und es trieb mich in ein Gefühl von Ohnmacht und Kritik. Da sagte Markus: „Uwe, ich kenne Dich als kompetenten Problemlöser. Aber jetzt empfinde ich Dich als sehr dünnhäutig.“ Ich stimmte ihm voll und ganz zu.

Was war geschehen? Ja, viele Dinge laufen zur Zeit schief, werden zu oberflächlich oder zu spät gesehen und verstanden. Aber all meine Unterhaltungen und Überlegungen dazu hatten mich gestresst und frustriert zurückgelassen. Auch mir selbst war dieser innere Zustand schon aufgefallen, aber noch hatte ich keine Distanz dazu – geschweige denn einen Ausweg – gefunden.

Markus meinte: „Du bist doch so ein konstruktiver, optimistischer Coach. Besinne ich Dich doch auf Deine eigene Tugenden“. Das saß. Wollte ich ein Teil des Problems sein? Den agierenden Personen vorwerfen, dass sie vieles nicht genug bedenken oder in ihren Rollen feststecken? Oder wollte ich Teil der Lösung sein? Den Handelnden beistehen und mithelfen, mit Storytelling-Tools und Transformationswissen unsere Herausforderungen besser zu meistern?

Als sich die Redaktion von „Digitale Welt“ mit dem Thema „KI“ meldete, dachte ich direkt: das kommt mir gerade recht. Anstatt mich nun wie z.B. bei meinem unvergesslichen Frühstück mit dem KI-Pionier Jürgen Schmidhuber als Recherchierender dem Thema zu nähern, dachte ich: ich probiere das einfach selbst aus.

Auf YouTube traf ich den jungen, enthusiastischen und freigiebigen Jacob Beautemps. In seinem Video „KI programmieren in 10 min | Tutorial Teil 1 | Breaking Lab“ erklärte er mir genau, wie er alles macht. Ich hörte gespannt zu und machte alles Schritt für Schritt nach.

  1. Ich ging auf Google Colab (colaboratory). Eine kostenlose Programmierplattform, wie ein Gratis-Auto, mit dem ich schnurstracks zu meinen Coding-Träumen fahren kann. Ich registrierte mich dort mit meiner ID.
  2. Dann legte ich ein neues Projekt (Workbook) in der Programmiersprache Python an.
  3. Danach ging ich auf connect, damit sich die Plattform online mit meinem Rechner aktiviert.
  4. Ich schreibe meinen ersten Code: print(„Hello World!“), drücke den Play-Button und nach einer kurzen Berechnung wird „Hello World!“ ausgespuckt. Danach programmierte ich zwei sich unterschiedlich entwickelnde Zahlenreihen auf Python und berechnete, wie sich diese in Zukunft wahrscheinlich verhalten werden. Nach 10 Minuten hatte ich das erste eigene KI-Programmier-Erfolgserlebnis. Sorgen und Zukunftsangst waren verflogen, weil wir Menschen einfach so ticken.

Für uns ist es immer besser, zu handeln. Nur wenn wir uns selbst Wissen erschließen, kommen wir in die Selbstbestimmung und damit in die Selbstwirksamkeit. Wir können konstruktiv und optimistisch denkend als Menschen dazu beitragen, die Herausforderungen unserer Welt zu meistern. Auch in diesen Zeiten.