1+1=3

26. Januar 2021

Palo Alto, Stanford Campus, Building 550.

„Uwe, I would love to work with you, but first we have to reprogram you.“ meint Larry Leifer, als wir gerade zur Zwischenpräsentation eines Workshops eilen. „Here at Stanford we are working collaboratively and practically – and you probably don’t work that way.“ Larry ist Professor für Maschinenbau an der Schule für Design Thinking. Und prägt mit seinem scharfen Geist das Weltbild seiner Studenten.

Ich denke nach, während wir die Treppe in den ersten Stock hochsteigen. Ja, wir werden in unserer Schule zu Einzelkämpfern ausgebildet. Noten sind das Maß aller Dinge, eine noch unscharfe Karriere das ferne Ziel. Aber motiviert uns das Auswendiglernen? Macht es uns zu Problemlösern? Und was hat das abstrakte Wissen mit den Fragen und Herausforderungen echter Menschen in der realen Welt zu tun?

Um heute voranzukommen, müssen wir anders vorgehen. Teams bilden, die sich gemeinsam Aufgaben verschreiben. Die das vermeintlich Unlösbare mit kollaborativem Genie angehen.

Larry und ich sind angekommen. Wir betreten die Werkstatt ME310. Auf den ersten Blick 200 qm Chaos, vollgestopft mit Tischen, Modellen, Maschinen und Pizzakartons. Hier arbeiten neun Teams à vier Personen an Lösungen für spezifische Probleme innerhalb ihrer Industrie, z.B. an einem automatischen Türöffnungsmechanismus für Wohnungen, in denen Menschen mit Rollatoren leben.

Nachdem sie deren Bedürfnisse in Gesprächen mit Betroffenen verinnerlicht haben, haben sie selbst einen Prototyp gebaut, den ich mir vorführen lasse. Ich bin überrascht, wie gut er funktioniert. Einfach und durchdacht. Dabei war ein Ingenieur im Team.

In Stanford geht es nicht um Spezialbegabungen, sondern um den Menschen und das Machen. Hier wird jeder darin ausgebildet, im Tun zusammenzufinden. Der fruchtbaren Zusammenarbeit Raum zu geben und sich an den daraus entstehenden Innovationen zu erfreuen.

Während wir in Deutschland immer noch an das Organigramm als wichtigstes Machtinstrument glauben, arbeiten wir oft an den Wünschen unserer Kunden vorbei. Viel zu beschäftigt sind wir damit, uns Hierarchien anzupassen, top down Befehle auszuführen und alles im Sinne des kleinsten gemeinsamen Nenners hinzuwurschteln. Aber das, was keinem weh tut, kann auch keinem wirklich nutzen.

Anstatt im multiplizierenden Miteinander aufzublühen, wenden wir uns von der Sonne ab. Dabei wäre es so einfach. Anstatt Management von oben herab zu durchleiden, könnten wir mit einem Team of Teams arbeiten. Uns untereinander variabel vernetzen und so zusammenarbeiten, dass schnell intelligenter Output entsteht. Kleine Zellen, die ihr Wissen unkompliziert mit anderen Kollegen teilen.

Natürlich lösen vier Personen mit einer gemeinsamen Aufgabe diese schneller, als einer alleine. Hören wir also auf, auf die eine Hochbegabung zu warten, und setzen anstatt dessen auf das Genie des Miteinanders.

 

ist Storytelling- und Change-Experte für Medien- und Industrieunternehmen. Er berät so unterschiedliche Kunden wie YouTube-Stars, Start-ups, Blogger, Verlage, Radio- und Fernsehsender sowie Filmproduktionen. Seine Expertise: Wie generiere ich Reichweite durch zukunftssicheres Erzählen?

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