Quantum Computing – Quantensprung für digitale Zahlungen?

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 / 24. March. 2021

Erinnern Sie sich an den Nanotech-Hype? Zu Beginn dieses Millenniums schien die Nanotechnologie, also das Knowhow und die Produktion der Technik im Maßstab von Atomen und Molekülen, der Schlüssel zu den Problemen in der Fertigungs- und IT-Industrie. Infolgedessen verdoppelten und vervierfachten sich die Aktien von Nanotech-Firmen.  

Quantum Computing basiert auf der Nanotechnologie hat so heutzutage die Rolle des Lieblingskindes bei Tech-Startups und IT-Giganten eingenommen. Für Anbieter digitaler und kontaktloser Zahlungssysteme könnten Quantencomputer einen Quantensprung bei der Abrechnung von Rechnungen ohne Bargeld bedeuten. Gerade jetzt, nachdem China im Dezember 2020 behauptete, einen Quantencomputer gebaut zu haben, der 10 Milliarden Mal (!) schneller sei als der von Google. Sollte der Geschwindigkeitsvorsprung stimmen, so lässt sich ausmalen, dass verspätete elektronische Zahlungen, die heute ausgeführt werden, aber erst einen Tag später ausgeführt werden oder verzögert auf dem Kontoauszug erschienen, bald der Vergangenheit angehören können.

Keine Alchemie

Kurz gesagt, basieren herkömmliche Computer auf dem binären Schema, das die Welt in „Einsen“ und „Nullen“ aufteilt. Quantencomputer dagegen sind imstande, die beiden Größen „1“ und “0“ als Ja/Nein-Parameter zu mischen. Diese Art der Durchmischung wurde notwendig, weil PC-Chips immer kleiner wurden, während die Bytes auf Mega-Giga-Terra wuchsen. Daher haben die kleinen Helfer in unseren Laptops und Smartphones fast ihre physischen Grenzen erreicht – wir können sie nicht einfach kleiner als Atome bauen. Dadurch sind die Quanten-Computer agiler und schneller, viel schneller als ihre herkömmlichen Kollegen. Denn das Grundprinzip hat sich bei den heutigen PCs nicht geändert, seit der deutsche IT-Pionier Konrad Zuse vor 80 Jahren den ersten programmierbaren Computer Z3 baute.

Die Experten sind sich einig, dass Quantum Computing Auswirkungen auf alle Branchen haben wird, und nicht nur auf Technologie und Fertigung, sondern von A wie Agrarwirtschaft bis Z wie zollfreier Handel. Dies schließt die Finanzindustrie und damit einen Bereich ein, der uns alle betrifft: den elektronischen Zahlungsverkehr.

Quantum Computing kann die Kryptografie, also die Verschlüsselungstechnologie von Zugangsdaten, auf die nächste Stufe heben und somit kontaktlose Zahlungen per Debit- oder Kreditkarte oder über das Smartphone ausführen. Diese Form des digitalen Geldtransfers hat seit Ausbruch der Pandemie enorm zugenommen, und er wird sich inmitten einer wachsenden Zahl von technisch versierten Millennials, die in die Arbeitswelt eintreten, weltweit fortsetzen.

Global und verschlüsselt

Laut Oscar Covers, Cybersecurity Analyst bei der Dutch Payments Association, müssen „aktuelle Programmprotokolle höchstwahrscheinlich neu gestaltet werden, um die Post-Quanten-Kryptographie optimal nutzen zu können.“ In einem Artikel von CyberSec Asia heißt es jedoch, dass Quantum-Computer noch einige Jahre von der Massenzugänglichkeit und -nutzung entfernt sind und dass „mit Sicherheit das Risiko besteht, dass Hacker mit irgendeiner Form der Technologie versuchen werden, einen Vorsprung erlangen. “

In dem Artikel heißt es weiter: „Bereits im dritten Quartal 2020 machte die Durchdringung kontaktloser Zahlungssysteme 41% der weltweiten Kauftransaktionen weltweit aus, laut Quellen 30% mehr als vor einem Jahr.“

Doch es gibt Hoffnung, denn die Bezahlanbieter haben die Initiative ergriffen. Der Kreditkartenanbieter Mastercard hat angekündigt, die „nächste Generation kontaktloser Zahlungen“ zu entwickeln, damit die Verbraucher auch in den kommenden Jahrzehnten ein hohes Maß an Sicherheit und Komfort genießen können“. Ajay Bhalla, Präsident der Cyber- und Intelligence-Division bei Mastercard, wurde in besagtem Artikel wie folgt zitiert: „Während sich das IT-Ökosystem weiterentwickelt, werden mehr vernetzte Geräte und das Internet der Dinge zu einer höheren Nachfrage unter den Benutzern und einen größeren Bedarf an konstanten Innovationen führen. “ Er fügt hinzu, dass ein als branchenweit erstes und neues verbessertes kontaktloses Vergütungssystem dazu beitragen wird, dass sich die kontaktlose Technologie mit neuen disruptiven Technologien wie dem Quantencomputer weiterentwickelt.

Einen Schritt voraus

Diese Technologien nutzen die neue „quantenresistente Technologie“ durch die Implementierung von Algorithmen der nächsten Generation und kryptografischen Schlüsselstärken, während die kontaktlose Interaktion „unter einer halben Sekunde“ bleibt. „Der Begriff quantenresistent könnte zunächst irritieren.

Hacker versuchen jedoch, sich an neue Technologien anzupassen. Daher sind Kartenanbieter bestrebt, auf Quantenprozessoren zu setzen, während sie gleichzeitig chinesische Mauern entwickeln, um PhishingVersuchen und Cyber-Attacken im Keim zu ersticken.

Die Mitbewerberin American Express, auch unter dem Namen Amex bekannt, stellt auf ihrer Website fest, dass diese neuen, leistungsstärkeren Quantum-Helfer viel leichter „Daten erstellen können, um Ausgabenmuster zu analysieren und neue Effizienzmaßnahmen vorzuschlagen, Anomalien zu erkennen und Einsparpotenziale zu ermitteln“.

Deshalb hat der Aufstieg von Quantencomputern kontaktlose Kartenanbieter motiviert ihre Bemühungen zu beschleunigen, um eine schnelle UND sichere Anwendung der unsichtbaren Zahlung zwischen der Karte oder dem Smartphone des Kunden und dem festen oder mobilen Bezahlungsterminal zu gewährleisten. Für den Kunden hingegen ändert sich scheinbar nichts, aber die Geschwindigkeit der elektronischen Zahlungen wird die heutige Funktionsweise in den Schatten stellen.

„Die Konsumenten werden von allen Vorteilen beeinflusst, die Firmenkartenunternehmen bieten, auch wenn sie diese nicht unbedingt nutzen“, zitiert Amex auf seiner Website Richard Koch, Leiter der Abteilung für Kartenzahlungsrichtlinien bei der UK Cards Association, dem britischen Verband für Bezahlkartenanbieter. „Es geht um Wettbewerbsunterscheidungsmerkmale“, sagt Koch.

Der Wettbewerb um die nächste Generation von Datenprozessoren, die mehr als nur Einsen und Nullen kennen, ist derart intensive, dass die chinesische Regierung Ende 2020 ein neues Exportkontrollgesetz erlassen hat, das den Export von Verschlüsselungstechnologie und Kryptoanalyse-Tools verbietet. Dieses Verbot umfasst quantenkryptografische Hardware und Software.

Der Wettlauf wird weitergehen, weil Quantum Computing effektiv einen Quantensprung für den digitalen Zahlungsverkehr darstellt.

 

Über den Autor / die Autorin:


Fabio Carvalho ,Digital Marketing Specialist, CCV Schweiz. Ehemals Fußballprofi bei FC Lausanne-Sport. Er hat an den Universitäten Lausanne und London School of Business and Finance Politik, Marketing und Kommunikation studiert. Er spricht Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch und Portugiesisch.