Wie die Blockchain das Asset Management von Maschinen und Anlagen revolutionieren könnte

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Blockchain image by Davidstankiewicz is licensed under CC SA 4.0
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 / 8. November. 2017

Die Blockchain ist derzeit eine der faszinierendsten Technologien. In der Regel wird sie allerdings nur im Zusammenhang mit der Welt der Finanzen diskutiert und aus diesem Bereich stammen meist auch ihre ersten Anwendungsfälle. Dabei bietet ihr Funktionsprinzip auch anderen Branchen große Chancen. Eine Blockchain ist eine Art riesiges weltweites dezentrales Register, auf das alle zugreifen können, die an einer konkreten Blockchain beteiligt sind; und die Einträge in dieses Register erfolgen über ein zu Einhundert Prozent sicheres, verifizierbares und nachverfolgbares Protokoll. Mit diesen Eigenschaften verfügt die Blockchain auch über Potenzial für andere Einsatzgebiete – etwa für das Asset Management von Maschinen und Anlagen.

Diese können je nach Größe aus zigtausenden Einzelteilen bestehen. Um sicherzustellen, dass sie die richtige Spezifikation haben und nicht gefälscht sind, ist es entscheidend, ihre Herkunft genau zu kennen, sprich: ihren Originalhersteller, das genaue Produktmodell und die präzise Version. Darüber hinaus müssen sich viele dieser Teile über ihre gesamte Instandhaltungshistorie hinweg transparent nachverfolgen lassen. Im Moment haben aber sämtliche Parteien, die mit einer Maschine oder Anlage zu tun haben – von den Zulieferern über den Hersteller bis zum Betreiber und den Servicedienstleistern – ihre eigenen, voneinander losgelösten Systeme. Eine einzige „Single Version of Truth“ für ihren kompletten Lifecycle zu etablieren und zu pflegen, ist dadurch sehr schwer. Häufig sind derartige Sammlungen deshalb unvollständig oder liegen überhaupt nicht digital vor; und die Kommunikation zwischen den Parteien findet oft nur papierbasiert oder sogar rein verbal statt. Fehlende Standards erschweren außerdem die Nachverfolgbarkeit.

Diese Probleme ließen sich beseitigen, wenn alle Beteiligten aus ihren Systemen heraus Transkripte sämtlicher Transaktionen an ein extra dafür geschaffenes und verteiltes digitales Register senden könnten, auf das auschließlich autorisierte Teilnehmer Zugriff haben. Der Hersteller könnte die Blockchain für seine Maschine oder Anlage starten und jede weitere Partei könnte weitere relevante Blöcke hinzufügen. Etwa der Betreiber, der die Teilnehmer darüber informiert, wo und wann eine Maschine in Betrieb genommen wurde oder welche Betriebszeiten sie bereits hinter sich hat, oder der Instandhaltungsdienstleister, der seine Wartungsarbeiten dokumentiert. Auf diese Weise würde durch eine Blockchain eine absolut nachprüfbare, nachverfolgbare und vertrauenswürdige Historie über den gesamten Lebenszyklus in Echtzeit entstehen. Und die einzelnen Parteien könnten weiterhin die Vorzüge ihrer eigenen Systeme nutzen, um ihr Geschäft erfolgreich zu betreiben.

Bis es wirklich soweit ist, sind aber noch einige Voraussetzungen zu erfüllen. So müssen zahlreiche Partner zusammenarbeiten und auch Willens sein, Informationen zu teilen, um sie in einer Blockchain integrieren zu können: die Anbieter von Blockchaintechnologien und Unternehmenslösungen, natürlich sämtliche an einer solchen Blockchain direkt beteiligten Parteien und, sofern gesetzliche Vorgaben wie etwa Umweltschutzauflagen zu beachten sind, unter Umständen auch Behörden. Aber auch technische Aspekte wie die Latenz von Transaktionen und die erforderliche Rechenpower könnten der Realisierung noch im Wege stehen. Nicht zuletzt sind außerdem Fragen nach der Sicherheit, Vertraulichkeit und dem Eigentum der Daten zu klären. Trotzdem: Wer bereit ist, sich auf das Thema einzulassen, dem winken große Optimierungspozenziale und Wettbewerbsvorteile.

Ata Abdavi Azar, Autor des Artikels, wie man mit dem Register Blockchain ein Asset Management machen kann.

Der Autor: Ata Abdavi Azar erwarb seinen Diplom-Kaufmann an der FH Aachen und entschied sich 2008 für eine Consulting-Karriere bei dem globalen Business-Software-Anbieter IFS. Nach drei Jahren als Consultant entwickelte er sich innerhalb des Unternehmens weiter und ist seitdem als Presales Consultant für Präsentationen des Systems IFS Applications bei Neukunden zuständig. Er ist darüber hinaus in der IFS Region Europe Central verantwortlich für das Thema IoT und in seiner Rolle als IFS Applications Evangelist dafür zuständig, Produktinnovationen von IFS R&D in der IFS-Region zu positionieren.

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