Quelle: Envato

Wie Familienunternehmen ihre Produkte erfolgreich digitalisieren können

24. Februar 2022

Mittelständische Familienbetriebe sitzen beim Thema Digitalisierung oft in einer Zwickmühle: Sie besitzen meist nicht die Rücklagen großer Konzerne, um ihren digitalen Wandel voranzutreiben; gleichzeitig fehlt ihnen bei diesen Vorhaben zum Teil die Agilität und Risikobereitschaft junger Unternehmen und Startups. Doch um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, führt kein Weg an der Digitalisierung von Geschäftsprozessen, Produkten und Dienstleistungen vorbei. Und immerhin haben mittelständische Unternehmen bereits viele Vorteile auf ihrer Seite, die Big Player und Startups in den meisten Fällen nicht vorweisen können. Dazu gehören beispielsweise langjährige und intensive Kundenverbindungen, starke persönliche Netzwerke und hoch spezialisierte Nischenprodukte. Andererseits ist in Familienunternehmen die Risikofreude weniger stark ausgeprägt und ein klarer Return on Investment (ROI) steht bei allen Projekten immer im Zentrum – auch wenn das finanzielle Polster für Experimente vorhanden ist. Der Ausgangspunkt von Digitalisierungsinitiativen ist in der Praxis häufig mit dem Zeitpunkt verbunden, zu dem eine jüngere Generation die Geschäftsführung übernimmt.

Risiken bei Digitalisierungsprojekten

Dass die Digitalisierung nicht nur ein Buzzword ist, sondern klare Mehrwerte für das eigene Unternehmen schaffen kann und muss, haben die meisten Mittelständler inzwischen verstanden. Beispielsweise vernetzen viele Betriebe ihre Produktionslinien mithilfe des Industrial Internet of Things (IIoT), um Verschleiß zu erkennen und Wartungsroutinen besser planen zu können. Allerdings fehlen ihnen oft das nötige Know-how sowie personelle Ressourcen, um die Initiativen weiter voranzutreiben. Gleichzeitig ist jede Investition eine finanzielle Belastung, der ein klarer ROI gegenüberstehen muss. Darüber hinaus befürchten Verantwortliche häufig, bei Kooperationen mit Partnerunternehmen wertvolles geistiges Eigentum (“Intellectual Property”) an Externe preiszugeben oder in eine ungewollte Abhängigkeit zu geraten.

Komplexität der Digitalisierungsprojekte

Auch wenn im eigenen Familienbetrieb Konsens darüber herrscht, die Digitalisierung der eigenen Produktpalette in Angriff zu nehmen: Bevor ein Produkt digital ist und als Teil des IoT Mehrwerte liefern kann, müssen Unternehmen eine Vielzahl an Themen angehen – von der Vernetzung über die Plattform bis hin zur Cloud und der Entwicklung dazugehöriger Apps. Dazu kommen Fragen nach dem Datenschutz, Hosting, Wartung, Betrieb und Support. Viele Unternehmen sind sich dieser Prozesse und der dahinterstehenden Komplexität nicht bewusst.

Zahlreiche Mittelständler haben deshalb Hemmungen davor, bei der Entwicklung digitaler Angebote die ersten Schritte zu machen. Also doch lieber kein Projekt? Doch! Aber von Beginn an mit dem richtigen Partner, der das Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützt, die notwendige Erfahrung mitbringt und bei unterschiedlichsten Challenges beraten kann. Wichtig ist dazu die Auswahl des passenden (externen) Spezialistenteams.

Zwischen Lösungsanbietern und Software-Entwicklern

Grundsätzlich lassen sich Digitalisierungspartner in zwei Kategorien unterscheiden: Lösungsanbieter und Software-Entwickler.

Ersterer bietet “fertige” (Software-)Lösungen an, wie etwa eine IoT-Plattform für Condition Monitoring. Solche Lösungen sind häufig unschlagbar preiswert im Vergleich zu einer eigenen Entwicklung. Die Nachteile liegen jedoch meist auf der Hand: Zugekaufte Lösungen passen in der Regel nicht vollumfänglich auf die Anforderungen des jeweiligen Unternehmens und können die individuellen Bedürfnisse nur begrenzt erfüllen. Zudem lassen sich proprietäre Systeme nur schwer erweitern und verhindern so oft die Entwicklung neuer Features. Geht es beispielsweise darum, die eigenen Kunden in die Plattform zu integrieren, fehlen häufig geeignete Applikationen, notwendige Workflows können nicht abgebildet oder passende Nutzungs- und Rollenkonzepte nicht umgesetzt werden. Hinzu kommt die Gefahr eines Vendor-Lock-Ins, wodurch der Wechsel zu anderen Anbietern von Softwarelösungen im Nachhinein schwerfällt. Außerdem gelingt mit Produkten “von der Stange” die Differenzierung des eigenen Angebots vom Portfolio der Konkurrenz nicht mehr ohne Weiteres.

Das andere Extrem sind Dienstleister, die Software individuell für ihre Kunden entwickeln. Der Vorteil ist einleuchtend: Die Partner entwerfen individuelle Lösungen und setzen Softwareprojekte um, die genau auf die Anforderungen des jeweiligen Unternehmens abgestimmt sind. Die Nachteile im Vergleich zur fertigen Out-of-the-Box-Lösung beginnen in erster Linie beim Preis. Die individuell erstellte Software ist deutlich kostspieliger, da Softwareentwickler:innen wie viele Fachkräfte rar und teuer sind. Außerdem braucht die Entwicklung guter und robuster Software viel Aufmerksamkeit und Zeit. Darüber hinaus sind in der Regel nicht von vornherein alle Details zum fertigen Digitalangebot bekannt und es stellt sich meist erst im Projektverlauf heraus, welche Funktionalitäten am Ende benötigt werden. Neue Features können zwar per Update nachgereicht werden, kosten dann aber wieder Geld und bergen die Gefahr von Komplikationen beim Update-Vorgang.

Das beste aus beiden Welten: Systemintegratoren

Systemintegratoren nutzen bestehende Lösungen und passen diese auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Kunden an. Häufig bilden generische Komponenten etablierter Anbieter, wie beispielsweise Microsoft oder Amazon, den Kern. Ein Team von Lösungsarchitekt:innen kombiniert verschiedene Komponenten und kann abschätzen, wo Eigenleistungen für die Differenzierung oder den Wettbewerbsvorteil sinnvoll sein können. Beispielsweise für eine erstklassige User Experience in der App für Endkund:innen oder in den unternehmenseigenen Workflows. Ähnlich wie eine Bauleitung koordinieren Systemintegratoren Lösungsanbieter und Software-Entwickler, stimmen Komponenten aufeinander ab und stellen sicher, dass die Lösung am Ende steht – und läuft.

Der Vorteil für den familiengeführten Mittelstand: Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist in so gut wie allen Fällen optimal, da Systemintegratoren die Lösungen am Markt günstig einkaufen und nachjustieren. Eine kundenorientierte Weiterentwicklung ist jederzeit möglich und die Gefahr eines Vendor-Lock-Ins zu keiner Zeit gegeben. Zudem gelingt die Bereitstellung der Produkte schneller als bei der “klassischen” Software-Entwicklung, was für den mittelständischen Partnerbetrieb eine zügige Markteinführung und -erprobung bedeutet.

Ein weiterer Vorteil gegenüber der reinen Individualentwicklung: Die von den Systemintegratoren genutzten Lösungsanbieter können weit höhere Sicherheitslevel für ihre Produkte realisieren als ein Mittelständler es allein je könnte. Microsoft etwa investiert pro Jahr ca. eine Milliarde Dollar in die Sicherheitsmaßnahmen der eigenen Cloud-Services. Systemintegratoren ermöglichen dem Mittelstand somit Lösungen, die das beste aus zwei Welten kombinieren: Sie sind preiswert, sicher und individuell. Nur mit so konzipierten IoT-Produkten können Familienunternehmen einen echten Mehrwert schaffen.

Wie packt man das Projekt mit einem Partnerunternehmen an?

Ein Partnerbetrieb ist gefunden, das Projekt soll starten. Wie auch im Geschäftsalltag eines Mittelständlers gilt hier: Mit Pragmatismus, Hands-on-Mentalität und persönlichem Kontakt kommt man immer weiter. Am Anfang des Projekts sollte deshalb ein Assessment stehen, das alle Beteiligten auf Unternehmens- und Partnerseite ins Boot holt. Um den bestmöglichen Start zu gewährleisten, sollten auch die Teams aus Marketing und Vertrieb früh involviert sein, um die fertigen Produkte so effektiv wie möglich bewerben und vertreiben zu können. Erst dann folgt ein detailliertes Konzept, das die Gestaltung des IoT-Produkts beinhaltet, Mehrwerte für die Endkund:innen und Marktpotenziale feststellt sowie die geeigneten Methoden zur Erreichung der gesteckten Ziele identifiziert.

Fazit

Die Digitalisierung bietet auch und insbesondere für mittelständische Familienbetriebe viele Möglichkeiten, die Mehrwerte ihrer Produkte weiter zu steigern. Diese Chancen gilt es zu nutzen. Der richtige Partner ist für kleine und mittlere Unternehmen essentiell, um die Reise in Richtung Digitalisierung erfolgreich zu bestreiten.

Systemintegratoren sind gute Ansprechpartner, weil sie Software-Lösungen für IoT-Produkte mit einem sinnvollen Preis-Leistungs-Verhältnis einsetzen und erfolgskritische Komponenten nach Bedarf individualisieren können. Beides sind wichtige Eigenschaften für Mittelständler, bei denen Wirtschaftlichkeit und die Nähe zu den eigenen Endkund:innen an oberster Stelle stehen. Ist die Produktpalette erst einmal erfolgreich digitalisiert, hat der eigene Familienbetrieb einen großen Schritt in Richtung erfolgreicher Zukunft gemacht.

Als Solution Specialist bei tresmo begleitet Dr. Sebastian Heger Unternehmen im Zuge der Konzeption, Umsetzung und Etablierung zukunftsfähiger IoT-, Cloud- und App-Lösungen.

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