Das Remote-Büro als Umwelt-Booster

Paul Carolan beschreibt welche positiven Effekte die Fernarbeit auf die Nachhaltigkeit hat. Der Wegfall von Pendelfahrten und Geschäftsreisen reduziert die CO₂-Emissionen eines Unternehmens drastisch.

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6. Februar 2023

Für den Menschen ist Veränderung immer herausfordernd, und das Gleiche gilt für die Fernarbeit und den Wechsel des gängigen Arbeitsplatzes in den privaten Haushalt. Die Digitalisierung schreitet stetig voran und führte uns in den letzten Jahren zu einer immer stärkeren hybriden Arbeitswelt. Nach drei Jahren fragt sich jeder, warum es zwingend einer weltweiten Pandemie bedurft hat, damit die Menschen ihre eigenen vier Wände als brauchbaren Arbeitsplatz entdecken. Hier ist die Antwort: Menschen sind Gewohnheitstiere, und Neues auszuprobieren bedeutet immer Risiko – auch beim Arbeitsplatz. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um den Einsatz neuer Technologien oder neuer Arbeitsprozesse handelt. Der Zwang, durch die Pandemie das Remote Work Konzept auszuprobieren, hat die Digitalisierung deutlich beschleunigt und dabei gleichzeitig ungeahntes Potential für mehr Nachhaltigkeit zu Tage gebracht.

Es hat sich gezeigt, dass durch die Fernarbeit weniger Autos auf den Straßen unterwegs sind. Für die Berufstätigen fällt der oft nervenaufreibende Stress beim täglichen Weg in die Arbeit im Berufsverkehr weg. Ebenfalls anstrengende Geschäftsreisen erfolgen plötzlich virtuell per Videokonferenz und die interne Travel Policy ist vielerorts nachhaltiger und setzt stärker auf Zug- statt Flugreisen. All das kommt der Umwelt und vor allem der Luftqualität zugute.

Nach zwei Jahren fast vollständigem Home-Office hat sich einiges verändert. Einige Mitarbeiter wollen gar nicht mehr ins Büro zurück und genießen die höhere Flexibilität der Fernarbeit. Warum sollten sie das auch tun, wenn sie einfach mit ihren Kollegen und Partnern kommunizieren und den nötigen IT-Support auch aus der Ferne erhalten können. Die hybride Arbeitsweise hat sich in den meisten Büros fest etabliert, doch sogar diese ist für viele Führungskräfte aus technischer Sicht noch immer eine Herausforderung. Gerade in Zeiten der Energiekrise gilt es aus Unternehmenssicht Einsparpotenziale zu finden, die gleichzeitig nicht die Nachhaltigkeitsziele untergräbt.

Remote Work: Der neue Freund der Umwelt

Remote Work ist eine dieser Maßnahmen und kommt vor allem den Mitarbeitern sehr entgegen, denn für sie fällt der tägliche Arbeitsweg weg – egal ob es die fünf Minuten mit der Tram oder die halbe Stunde mit dem Auto ist. Das reduziert als positiver Nebeneffekt auch noch die CO₂-Emissionen. Davon profitiert auch der Arbeitgeber in Anbetracht der Nachhaltigkeitsziele: Unternehmen können durch mehr Vollzeit-Kräfte in Fernarbeit, denn die CO₂-Emission der weniger pendelnden Mitarbeiter fallen geringer ins Gewicht. Das ist ein wichtiger Punkt, denn gerade diese machen bei den meisten Unternehmen den höchsten Faktor in der CO₂-Bilanz aus. Früher mussten Mitarbeiter bei technischen Fragen, Software-Updates und bei der Fehlersuche ins Büro kommen. IT-Verantwortliche waren ständig auf Reisen zu den einzelnen Büros und Rechenzentren. Die Möglichkeit zum Fernsupport hat dieses Problem entschärft.

Laut Greenpeace lässt sich mit einem Homeoffice-Tag pro Mitarbeiter der CO₂-Ausstoß um 1,6 Millionen Tonnen reduzieren. Auch die GoTo Studie mit OnePoll zeigt: 71,6% der Deutschen sind der Ansicht, dass Remote Work der Umwelt hilft, sich zu regenerieren. Das zeigen auch andere Untersuchungen wie die von Vodafone. Der Mobilfunkanbieter hat hochgerechnet, dass ein Mitarbeiter im Homeoffice während des Lockdowns durchschnittlich circa 1.144 kg CO₂-Emissionen pro Jahr eingespart hat. Besonders hoch waren die Einsparungen in Deutschland: Sie entsprachen rund 80 Millionen One-Way-Flügen zwischen London und Berlin. Auch GoTo hat die Effekte auf die Umwelt anhand der eigenen Anwenderzahlen ihrer virtuellen Lösungen für Videokonferenzen (GoTo Meeting) und Trainings (GoToWebinar) geprüft. Durch den Einsatz seiner Lösungen sparte das Unternehmen rund 39 Millionen Tonnen an Treibhausgasemissionen durch die niedrigere Anzahl an Pendlern und Geschäftsreisenden unter seinen Kunden ein.

Energieressourcen im Büro sparen

Neben dem Pendeln ist auch der allgemeine Energieverbrauch ein Thema von großer Relevanz. Firmennetzwerkinfrastruktur, Strom, Wasser und auch Heizkosten sind alles Ressourcen, die aktuell mit steigenden Kosten verbunden sind. Dabei bieten sie gleichzeitig einiges an Einsparpotenzial in Anbetracht des anhaltenden Trends zur Fernarbeit. Geschäftsreisen mit dem Flugzeug lassen sich deutlich reduzieren, wenn Unternehmen zum großen Teil auf digitale Lösungen für Meetings und Trainings sowie die allgemeine Kommunikation in verteilten Teams setzen und aktiv nutzen. Virtuelle Besprechungen, Schulungen und Remote-Support-Sitzungen ermöglichen es Unternehmen, ihre Kapazitäten voll auszulasten, ohne dass es zu Verschwendung kommt.

Ebenfalls ein großer Faktor: Der Kraftstoffverbrauch der Pendler. Die Verlagerung der Mitarbeiter in das Homeoffice hat hier den großen Vorteil, dass Pendler nicht nur den CO₂-Ausstoß reduzieren, sondern vor allem auch Benzin und damit fossile Ressourcen einsparen und gleichzeitig den Verkehr zu Stoßzeiten stark entlasten. Ein vollständiger Verzicht auf einen Firmenstandort und Büroräume für die gesamte Belegschaft ist jedoch ein großer Schritt, den nur wenige gehen. Dennoch bietet die neue Fernarbeit samt der Nutzung von Cloudservern bei Drittanbietern genau die Voraussetzungen für vollständig auf Remote Work ausgelegte Firmenstrukturen.

Kosten und CO₂-Bilanz vollständig betrachten

Aus Arbeitnehmersicht gibt es jedoch einen wichtigen – auch energetischen – Haken an der Fernarbeit in puncto Nachhaltigkeit: Die Energie- und Budget-Ressourcen werden zwar auf Unternehmensseite eingespart, allerdings benötigen die technischen Geräte wie Computer und Drucker als auch die Cloudserver weiterhin die gleiche Menge an Strom für den Betrieb. Bei der Fernarbeit verlagern sich diese Kosten lediglich von den Büroausgaben auf die Privatausgaben der Mitarbeiter und Drittanbieter, da sie, aus technischer Sicht, selbst für die Ausstattung ihres Heimarbeitsplatzes beziehungsweise der Serverleistung verantwortlich sind. Diese sollten zur Vollständigkeit ebenfalls im Nachhaltigkeitsbericht eines Unternehmens berücksichtigt werden.

Für Arbeitnehmer bedeutet das jedoch, dass sie angesichts der neu zu bewältigenden, und deutlich steigenden Strom- und Heizkosten vor höheren Ausgaben stehen. Diese können dazu führen, dass die Mitarbeiter doch wieder öfter, das Büro aufsuchen, um die privaten Heiz- und Stromkosten so niedrig wie möglich zu halten und dadurch eine Gegenbewegung zum während der Pandemie aufgekommenen Homeoffice-Trend erzeugen und das Büro wieder der Arbeitsplatz erster Wahl für manche Arbeitnehmer wird.

Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Aspekt der Digitalisierungsstrategie

Durch die Pandemie hat sich der Wandel vom meist persönlichen Treffen hin zu digitaler Kommunikation und Remote Work sowohl in der internen Kommunikation als auch der Interaktion mit Kunden vollzogen. Der Einsatz ausgereifter virtueller Kommunikationslösungen trägt dazu einem entscheidenden Teil bei und fördert zudem noch die Nachhaltigkeit von Unternehmen. Denn sie können persönliche Meetings und Geschäftsreisen deutlich reduzieren. Damit können Unternehmen einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung von CO₂-Emissionen leisten. Gleichzeitig erhalten sie durch smarte Remote-Work-Lösungen die Geschäftskontinuität aufrecht.

Zwar verlagern sich in vielen Bereichen, wie dem Energieverbrauch und den Heizkosten, die Kosten in den nicht transparenten Bereich der eigenen Mitarbeiter, doch bietet vor allem der Wegfall des Pendelns und der Geschäftsreisen durch Remote-Work großes Potential für ein stärkeres Umweltbewusstsein. Es gelingt auch durch virtuelle Meetings und visuelle Interaktionen im Fernsupport nahe am Kunden oder Mitarbeiter zu bleiben und auf Entfernung eng zusammenzuarbeiten. Insgesamt kann weniger verpflichtendes Reisen die Umweltbilanz eines Unternehmens senken und die richtigen Remote-Work-Lösungen für Kommunikation und IT-Support tragen einen wichtigen Teil dazu bei ohne die Arbeitsleistung zu beeinträchtigen.

Paul Carolan ist AVP Sales, EMEA bei GoTo. Er ist ein erfahrener Vertriebsleiter mit über 20 Jahren Erfahrung in der Führung von Unternehmen und Mitarbeitern in der IT-Branche. Er leitet die Inside Sales-Organisation (über 100 Mitarbeiter) an mehreren Standorten von GoTo. Als AVP ist er für die strategische Leitung des Teams in Verbindung mit wichtigen Geschäftspartnern in mehreren Geschäftsbereichen verantwortlich.

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