Public-Blockchain: Offen und trotzdem sicher in einer globalen Welt

18. Juli 2017

Blockchain ist derzeit ein Hype-Thema, welches massiv in den Geschäftsalltag drängt [1], [2]. Ihre Praxistauglichkeit zeigt ihr Einsatz im UN World Food Programm (WFP) in Jordanien. Dabei geht es um das Vergeben finanzieller Hilfen für den Kauf von Nahrungsmitteln durch Notleidende [3], [4]. Bis finanzielle Spenden üblicherweise Notleidende erreichen, durchlaufen sie viele Stationen und Vermittler. Durch Transaktionskosten (oder teilweise Korruption) reduziert sich der Betrag vom Spender bis zum Empfänger. Das Problem ist die Sicherstellung schneller und verlustfreier Transaktionen. Besonders in der internationalen Menschenhilfe mit vielen, unbekannten Akteuren sind Transaktionssicherheit und geringe Barrieren zur Mithilfe entscheidend.
Durch die Blockchain-Lösung können Mitarbeiter des WFP direkt Überweisungen an Menschen in Jordanien durchführen. Notleidende können unmittelbar Nahrungsmittel kaufen, ohne von Institutionen vor Ort abhängig zu sein. Bedürftige weisen sich per Augen-Scan aus und haben Zugriff auf Ihre Konten auf der Blockchain, auf denen die Spenden hinterlegt sind. Verkäufer von Lebensmitteln können sofort die Liquidität ihrer Käufer überprüfen. Keine dieser Parteien benötigt ein Bankkonto, Kreditkartenlesegeräte oder Zertifizierungen, da die Technologie entsprechende Sicherheitsmechanismen mit sich bringt.

Die Vision des sicheren, effizienten und bargeldlosen Verteilens von Spenden ist Realität geworden.

Die Welthungerhilfe ist eine Organisation, die pragmatische Lösungen suchen muss: Finanzielle Mittel sind knapp, Aufgaben riesig und Probleme komplex. Ein vielversprechender Ansatz sind public-Blockchains. „Public“, weil Jeder mit Internetanschluss Teil der Blockchain sein kann, ohne komplizierte Prozesse oder spezifische Hardware. Durch eine simple Clientinstallation ist der Zugang möglich; durch den Wegfall zentraler Steuerung oder von Intermediären fallen Verträge und Transaktionskosten weg. Bekannte public-Blockchains sind Bitcoin [5] mit ca. 8.000 [6] oder Etherum [7], [8], [9] Knoten.

In Blockchains sind Informationen mehrfach – abhängig von der Knotenanzahl – redundant verfügbar. D.h., dieselben Informationen werden zeitgleich an mehreren Knotenpunkten vorgehalten. Dadurch fallen Manipulationen – ob wissentlich oder durch technische Fehler – an einzelnen Knoten im System sofort auf. Je mehr Knoten am System beteiligt sind, desto sicherer ist das Gesamtsystem. Der Ausfall einzelner Knoten ist bedeutungslos.

Das in der Ökonomie als „Netzwerkeffekt“ bezeichnete Phänomen spielt hierbei eine substantielle Rolle. Dieser Effekt beschreibt vereinfacht, dass sich der Nutzen einer Technologie für jeden Einzelnen proportional zur Gesamtanzahl der Nutzer einer kompatiblen Technologie erhöht [10]. Ein Beispiel ist „Whatsapp“: Je mehr Kontakte es nutzen, desto mehr sind erreichbar; desto nützlicher ist die Technologie.

Wo zeigt sich dieser Netzwerkeffekt am deutlichsten?

In public-Blockchains können leicht ergänzende Dienstleistungen bereitgestellt werden. Die Abrechnung der Leistungen erfolgt über die public-Blockchain ohne zentrale Verwaltung. Somit kann schnell ein Ökosystem aus vielen Services entstehen. Je mehr Dienstleistungen in der Blockchain verfügbar sind, desto höher ist der Nutzen für die Anwender.

Am Beispiel WhatsApp wäre dies z.B. das Teilen von Reiseinformationen aus der Deutsche Bahn-App heraus. Die Deutsche Bahn sowie WhatsApp bieten eine ergänzende Dienstleistung an und erhöhen somit den Anwendernutzen.

Solche Anwendungsfälle sind für das Szenario der Welthungerhilfe, wo schnell, viele Akteure sicher und barrierefrei miteinander interagieren sollen, vielversprechend.

Fazit

Dass Blockchain-Systeme zukünftige IT-Services prägen werden, erscheint sicher. Offen ist, wie. Bisher hat sich oft die Technologie mit dem größten Potential für Netzwerkeffekte durchgesetzt [11]. Wir erwarten, dass in den nächsten 3-5 Jahren insbesondere internationale Unternehmen ihre Dienstleistungen über public-Blockchains anbieten, um schnell über Netzwerkeffekte Marktpositionen zu gewinnen und ausbauen zu können.

[1] “Gartner’s Top 10 Strategic Technology Trends for 2017 – Smarter With Gartner.” [Online]. Available: http://www.gartner.com/smarterwithgartner/gartners-top-10-technology-trends-2017/. [Accessed: 26-Jun-2017].
[2] “Gartner’s 2016 Hype Cycle for Emerging Technologies Identifies Three Key Trends That Organizations Must Track to Gain Competitive Advantage.” [Online]. Available: http://www.gartner.com/newsroom/id/3412017. [Accessed: 26-Jun-2017].
[3] “Blockchain Against Hunger: Harnessing Technology In Support Of Syrian Refugees.” [Online]. Available: http://www.wfp.org/news/news-release/blockchain-against-hunger-harnessing-technology-support-syrian-refugees. [Accessed: 01-Jul-2017].
[4] “Ethereum Blockchain Will Help UN Go Cashless, Distribute Food to Hungry in Jordan,” CoinTelegraph. [Online]. Available: https://cointelegraph.com/news/ethereum-blockchain-will-help-un-go-cashless-distribute-food-to-hungry-in-jordan. [Accessed: 01-Jul-2017].
[5] “How does Bitcoin work? – Bitcoin.” [Online]. Available: https://bitcoin.org/en/how-it-works. [Accessed: 13-Jul-2017].
[6] “Global Bitcoin nodes distribution.” [Online]. Available: https://bitnodes.21.co/. [Accessed: 06-Jul-2017].
[7] “What is Ethereum? — Ethereum Homestead 0.1 documentation.” [Online]. Available: http://ethdocs.org/en/latest/introduction/what-is-ethereum.html. [Accessed: 03-Jul-2017].
[8] creole, “7. A simple view of Ethereum,” creole, 08-Mar-2016. [Online]. Available: https://medium.com/@creole/7-a-simple-view-of-ethereum-e276f76c980b. [Accessed: 03-Jul-2017].
[9] “ethernodes.org – The ethereum node explorer.” [Online]. Available: https://www.ethernodes.org/network/1. [Accessed: 06-Jul-2017].
[10] “Netzwerkeffekt,” Wikipedia. 07-May-2017.
[11] M. L. Katz and C. Shapiro, “Systems competition and network effects,” J. Econ. Perspect., vol. 8, no. 2, pp. 93–115, 1994.

Philipp Hechler, Consultant bei Cassini Consulting. Er berät vorwiegend zum Schwerpunkt Requirements Engineering in der Software Entwicklung. Für den IREB zertifizierten Requirements Engineer gehört es stets zum guten Ton bei neuen technologischen Entwicklungen auf dem Laufenden zu sein. Durch gute Fachkenntnis in Economics und IT ist er bei Kunden ein beliebter Gesprächspartner, um neue Themengebiete zu bewerten. Seit Frühling 2016 beschäftigt sich Philipp Hechler mit dem Themenkomplex Blockchain und die kommenden Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft durch diese Technologie. Philipp Hechler machte seinen Master of Science in Wirtschaftsinformatik an der Goethe Universität Frankfurt und ist seit 2015 bei Cassini Consulting tätig.

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