Glasfaser-gestützte Bildanalyse reduziert Ausfallzeiten in der Fertigung

Produktionsprozesse werden immer komplexer, und Ausfallzeiten sind kostspielig. Visuelle Intelligenz (VI) nutzt Echtzeitdaten, KI und leistungsstarke Glasfaserinfrastrukturen, um Qualität, Wartung und Effizienz zu optimieren. Die Technologie eröffnet neue Möglichkeiten für die Qualitätssicherung, die vorbeugende Wartung sowie die proaktive Sicherheitsüberwachung und trägt dazu bei, dass Fertigungslinien widerstandsfähiger, vernetzter und operativ robuster werden.
Von   Piers Benjamin   |  EMEA Market Development Manager Enterprise   |  Corning Optical Communications
17. Juli 2026

Glasfaser-gestützte Bildanalyse reduziert Ausfallzeiten in der Fertigung

 

 

Der Fertigungssektor steht vor zahlreichen Herausforderungen: Hohe Energiekosten, Fachkräftemangel, schwache Absatzmärkte und fragile Lieferketten, bei denen schon kleine Störungen teuer werden können. Um unter solchen Bedingungen wettbewerbsfähig zu bleiben ist es entscheidend, die Produktion auf intelligente Weise zu überwachen und Ausfallzeiten zu reduzieren. Systeme für visuelle Intelligenz (VI-Systeme) analysieren fortlaufend Videodaten mithilfe von KI und maschinellem Lernen und helfen dadurch, dieses Ziel zu erreichen. Doch ohne die richtige Infrastruktur kann diese Technologie ihr Potenzial nicht voll ausschöpfen. Kupferkabel stoßen schnell an ihre Leistungsgrenzen. Glasfaserkabel bieten hingegen die Bandbreite, Reichweite und Zuverlässigkeit, die VI-Systeme benötigen.

 

Intelligente Qualitätssicherung

Moderne Produktionshallen sind komplexe technische Ökosysteme, in denen tausende Komponenten, Maschinen und Menschen interagieren. Herkömmliche Kamerasysteme zeichnen zwar Aktivitäten auf, liefern jedoch kaum verwertbare Erkenntnisse für die Prozessoptimierung. VI-Systeme wandeln Kamerabilder in verwertbare Informationen um, erkennen Abweichungen in Produktionsprozessen und melden diese in Echtzeit.

Ein Beispiel: Eine Kamera erkennt ein schief ausgerichtetes Teil auf einem Förderband. In herkömmlichen Arbeitsabläufen wird der Fehler oft erst erkannt, wenn ein Produktionsstopp nicht mehr zu verhindern ist. Ein VI-System identifiziert und meldet den Fehler hingegen sofort, was ein rechtzeitiges Eingreifen ermöglicht. Dadurch wird Zeit gespart, Ausschuss reduziert und Ausfallkosten minimiert. Laut einer Studie von Splunk und Oxford Economics können die direkten Kosten von Produktionsausfällen bei Global-2000-Unternehmen bis zu 49 Millionen US-Dollar erreichen. Dazu kommen indirekte Kosten: Ein einziger Vorfall führt in der Regel zu einem 2,5 % niedrigeren Aktienkurs und eine Erholung hiervon dauert fast drei Monate.

 

Vorbeugende Wartung: Ausfälle verhindern, bevor sie auftreten

Über die Qualitätskontrolle hinaus ermöglicht VI eine vorbeugende Wartung. Wärmebildkameras können zum Beispiel Überhitzungen frühzeitig erkennen, und KI-Algorithmen optimieren Wartungspläne, um plötzliche Geräteausfälle zu verhindern.

Ein zuverlässiger Betrieb erfordert die Verarbeitung riesiger Datenmengen in Echtzeit. Ultrahochauflösende Bilder, Multi-Kamera-Setups und Analysealgorithmen erfordern eine Übertragungsbandbreite, die über die Möglichkeiten von Kupferkabeln hinausgeht. Glasfaserkabel gewährleisten den erforderlichen Datendurchsatz und eine geringe Latenz, selbst über die in großen Produktionsstätten üblichen Entfernungen hinweg.

 

Anwendungsfälle von VI in der Fertigung

In hochautomatisierten Autolackierereien überwachen beispielsweise VI-Systeme die Oberflächenqualität jedes Karosserieteils. Fehler wie Tropfen oder Staubeinschlüsse werden in Echtzeit erkannt und beseitigt, bevor kostspielige Nacharbeiten oder Ausschuss entstehen. In der chemischen Industrie erkennen Wärmebildkameras an Reaktoren Temperaturspitzen, die auf potenzielle Gefahren hinweisen. Sie verbessern damit sowohl den Produktionsprozess als auch die Sicherheit am Arbeitsplatz.

Im Lebensmittelbereich identifizieren VI-Systeme Fremdkörper oder Verpackungsfehler und reduzieren so Gesundheitsrisiken und kostspielige Produktrückrufe. In der Pharmaproduktion überwacht VI Abfüll- und Verpackungslinien mit höchster Präzision und erkennt Mikrorisse in Glasfläschchen, Etikettierungsfehler oder Dosierungsabweichungen. Solche Anomalien können sofort beseitigt werden, bevor ganze Produktionschargen beeinträchtigt werden. Da Validierung und Rückverfolgbarkeit zentrale Anforderungen der EU-GMP-Richtlinien sind, leistet VI einen wesentlichen Beitrag zur Qualitätssicherung und Compliance in der Pharmaindustrie.

 

Von reaktiver zu proaktiver Sicherheitsüberwachung

Ein weiterer zentraler Anwendungsbereich von Visueller Intelligenz in der Industrie ist die Sicherheitsüberwachung. Sie treibt hier einen Wandel von reaktiven hin zu proaktiven Ansätzen voran. An die Stelle klassischer Abläufe, bei denen nach einem Alarm Videomaterial manuell gesichtet wird, treten zunehmend automatisierte, intelligente Lösungen.

VI erweitert bestehende Sicherheitsinfrastrukturen, indem sie das Erkennen und Bewerten potenzieller Bedrohungen in Echtzeit ermöglicht – weitgehend ohne direkte menschliche Intervention. Während herkömmliche Kameras lediglich aufzeichnen, agieren VI-basierte Systeme als aktive Sensoren. Sie analysieren ihre Umgebung kontinuierlich und erkennen Auffälligkeiten frühzeitig. So kann das System beispielsweise sofort reagieren, wenn eine Tür offenbleibt oder eine Person einen gesperrten Bereich betritt, und automatisch Alarm auslösen. Dadurch werden Reaktionszeiten deutlich verkürzt und Sicherheitsprozesse insgesamt effizienter gestaltet.

 

Glasfaser als Rückgrat der Smart Factory

Damit die VI-Systeme ihr Potenzial voll ausschöpfen können, muss die zugrunde liegende Netzwerkinfrastruktur in jedem Fall große Datenmengen zuverlässig übertragen können. Die Industriestrategie der EU fordert widerstandsfähigere Produktionsketten und eine effizientere Ressourcennutzung. Dies kann VI nur dann unterstützen, wenn das Netzwerk mithält.

Glasfaserinfrastrukturen ermöglichen eine umfassende Konnektivität in großen Anlagen. Während Kupfer nach etwa 100 Metern an seine Leistungsgrenzen stößt, liefert Glasfaser über mehrere Kilometer hinweg eine stabile Übertragungsqualität. Dadurch können nicht nur Kameras, sondern auch zusätzliche IoT-Sensoren und Steuerungssysteme integriert werden, was herkömmliche Fabriken zu echten Smart Factories macht.

 

Campus-Netzwerke: Industrie 4.0 vernetzen

Zwar treibt die neue Bundesregierung mit der am 30. Juli 2025 in Kraft getretenen Änderung des Telekommunikationsgesetzes den Ausbau von Glasfaser- und 5G-Netzen voran, doch um digitale Fertigungskonzepte umzusetzen müssen Industriebetriebe häufig eigene Campus-Netzwerke aufbauen. Durch frühzeitige Abstimmung mit den Behörden, standardisierte Dokumentation, modulare Bauweise, Technologiepartnerschaften und eine für zukünftige Sensoren, 5G oder IoT-Geräte ausgelegte Infrastruktur lassen sich Finanzierung und Genehmigungen deutlich beschleunigen.

Für eine zügige Implementierung bieten modulare, vorkonfektionierte Glasfaserlösungen eine schnelle, fehlerfreie Installation und hohe Dichte. Diese Lösungen reduzieren die Installationszeit und eignen sich gut für industrielle Umgebungen, was Unternehmen eine effiziente Integration von VI-Systemen ermöglicht.

 

Gerüstet für die Fertigung von morgen

Ein weiterer Vorteil: Glasfaserinfrastrukturen sind hochgradig skalierbar und bieten somit langfristige Zukunftssicherheit. Dies ist von entscheidender Bedeutung, da sich VI-Anwendungen rasant weiterentwickeln. Das reicht von visuellen Inspektionen über autonome Transportfahrzeuge bis hin zu digitalen Zwillingen, die Produktionsprozesse in Echtzeit simulieren. Um diese Innovationen nachhaltig zu integrieren, muss die Infrastruktur ausbaubar sein.

Glasfaser gewährleistet diese Zukunftsfähigkeit, weil sie nahezu unbegrenzte Bandbreiten bietet. Neue Anwendungen können auch ohne kostspielige Kabelumbauten implementiert werden. Wer heute in Glasfaser investiert, legt den Grundstein für Technologien, die erst morgen marktreif werden – von Augmented Reality in der Wartung bis hin zu vollständig vernetzten Produktionsökosystemen.

 

Rechtliche und Nachhaltigkeitsüberlegungen: EU-KI-Gesetz und Energieeffizienz

Das EU-Gesetz zur künstlichen Intelligenz stellt klare Regeln für den Einsatz von KI auf, insbesondere in sicherheitskritischen Bereichen wie Fertigung, Energie und Transport. Unternehmen, die KI einsetzen, müssen sicherstellen, dass die Systeme rückverfolgbar, transparent und kontrollierbar sind. Eine robuste Infrastruktur ist daher nicht nur für die vernetzte Produktion, sondern auch für das Einhalten gesetzlicher Vorschriften unerlässlich.

Glasfaserinfrastrukturen sind außerdem energieeffizient und verbrauchen weniger Strom für jedes übertragene Datenpaket als Kupferkabel. Aufgrund steigender Energiekosten und ehrgeiziger Klimaziele trägt Glasfaser somit sowohl zur betrieblichen Effizienz als auch zur Umweltverantwortung bei. Eine umweltfreundliche Fertigung erfordert in digitalisierten Produktionsprozessen auch einen effizienten Betrieb auf Netzwerkebene.

 

Fazit

Visuelle Intelligenz reduziert Ausfallzeiten und Ausschuss, indem sie Produktionsfehler und Anomalien in Echtzeit erkennt und damit gleichzeitig die Sicherheit in den Produktionsprozessen erhöht. Glasfaserinfrastrukturen ermöglichen die gleichzeitige Übertragung von hochauflösenden Video- und Sensordaten über große Entfernungen mit geringer Latenz. Dies ermöglicht eine sofortige Qualitäts- und Prozesskontrolle sowie Wartungsmaßnahmen: Fehlausgerichtete Teile, Überhitzung oder Verpackungsfehler werden sofort erkannt und behoben. Der Parallelbetrieb mehrerer Analyse- und Überwachungssysteme minimiert Ausfallzeiten und maximiert somit die Fertigungskapazität. Unternehmen profitieren von weniger Betriebsunterbrechungen, geringeren Ausschussraten und zuverlässigen Daten für operative Entscheidungen.

 

Piers Benjamin stieg 2018 als EMEA Marketing Manager für In-Building Networks bei Corning Optical Communications ein. Er verfügt über mehr als 14 Jahre Branchenerfahrung. Bei Corning verantwortet Piers die Marketingaktivitäten für klassische LAN- und Fibre-to-the-Edge-Technologien.

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