Digitaler Wandel: Warum der Transportsektor jetzt fundamental umdenken muss

Der Transportsektor bildet das Rückgrat der heutigen Wirtschaft. Allerdings hinkt der Transportsektor im Vergleich zu vielen anderen Branchen in Sachen Digitalisierung deutlich hinterher – und dass schon eine ganze Weile. Die gute Nachricht ist, dass man diesen Trend auch umkehren kann. Indem wir digitale Lösungen einsetzen, können wir Effizienzsteigerungen erzielen, die sich nicht nur positiv auf die Wirtschaft, sondern auch auf die Unternehmen und die Umwelt auswirken.

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24. September 2022

Der Transportsektor verbindet Unternehmen miteinander, strafft Lieferketten, unterstützt das Wachstum von Unternehmen und kann umweltfreundliche Initiativen fördern. Allerdings können Transportvorgänge solche positiven Entwicklungen auch hemmen. Das kann passieren, wenn Unternehmen ihrer Transportstrategie nicht die nötige Aufmerksamkeit und Sorgfalt schenken.

Im Vergleich zu vielen anderen Branchen hinkt der Transportsektor in Sachen Digitalisierung deutlich hinterher – und dass schon eine ganze Weile. Bereits vor der Pandemie, vor dem Krieg in der Ukraine, vor der Energiekrise und vor der zunehmenden Inflation und den damit verbundenen steigenden Lebenshaltungskosten. Oder anders ausgedrückt: lange bevor vielen von uns überhaupt erst bewusst geworden ist, welche entscheidende Rolle das Transportwesen bei der globalen Versorgung mit lebenswichtigen Gütern spielt.

Auf dem heutigen Transportmarkt ist vieles noch lange nicht so ausgereift, wie es sein könnte oder sollte. Ungenutzte Kapazitäten , Leerfahrten, fehlende Flexibilität, unnötige Wartezeiten und Silodenken im Unternehmen verursachen erhebliche wirtschaftliche Schäden. Zudem haben unzureichende Investitionen im Bereich digitaler Wandel und Digitalisierung zu einem hohen Verwaltungsaufwand, einem Übermaß an manuellen Aufgaben, Entscheidungen „aus dem Bauch heraus“ statt auf Grundlage von Daten und einem Mangel an verwertbaren Erkenntnissen geführt. Und als ob das noch nicht genug wäre, entstehen durch nicht gemessene und unkontrollierte CO2-Emissionen auch noch erhebliche ökologische Schäden. Mit anderen Worten: Das Transportwesen scheint den Anforderungen unserer Realität sowohl auf mikro- als auch auf makroökonomischer Ebene nur sehr langsam gerecht zu werden.

Die gute Nachricht ist, dass man diesen Trend auch umkehren kann. Indem wir digitale Lösungen einsetzen, können wir Effizienzsteigerungen erzielen, die sich nicht nur positiv auf die Wirtschaft, sondern auch auf die Unternehmen und die Umwelt auswirken. Auf diese Weise können wir das Transportwesen in Einklang mit der Welt bringen. Alles was wir dafür benötigen, ist ein fundamentales Umdenken in drei Kernbereichen.

KOLLABORATION

Zusammenarbeit ist für Unternehmen im Transportsektor das A und O. Denn der dadurch entstehende Nutzen kann einen entscheidenden Unterschied machen: Es ist zum Beispiel nicht notwendig, dass LKW hunderte von Leerkilometern fahren, um ihre nächste Ladung abzuholen, wenn ein LKW desselben Typs wahrscheinlich gerade in der Nähe entladen wird. Es ist an der Zeit, dass Verlader und Spediteure sich miteinander verbinden, sich auf gemeinsame Geschäftsstandards einigen, zusammenarbeiten und eine zentrale Plattform nutzen, die netzwerkweite Interoperabilität ermöglicht.

Die Vernetzung von Verladern, Ladungsempfängern, Dienstleistern, Maklern, Spediteuren und Frachtführern ist unerlässlich, wenn eine kooperativen Transport-Community geschaffen werden soll. Gemeinsame Standards und die Ermöglichung von Interoperabilität eröffnen allen Akteuren neue Geschäftsmöglichkeiten und führen so zu Einsparungen im Betrieb. Nur durch Zusammenarbeit gewinnt der Transportmarkt die Widerstandsfähigkeit und Agilität – laut dem 33. Jahresbericht State of Logistics (SoL) die Schlüsselkomponenten einer jeden robusten Transportstrategie – , die benötigt werden, um sich auf eine verändernde Marktdynamik einzustellen und auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren.

AUTOMATISIERUNG

Excel-Tabellen, manuelle Suche und das endlose Ausfindigmachen von Routen, Kapazitäten und Tarifen sorgen für einen ineffizienten Verwaltungsaufwand. Dieser verschlingt wertvolle Ressourcen und sorgt nicht für optimale Ergebnisse – ganz im Gegenteil.

Um diese zu erzielen, ist es an der Zeit, nicht mehr nur Daten aus den durchgeführten Transaktionen zu sammeln, sondern auch Transaktionen aus den verfügbaren Daten zu generieren. Insgesamt wird die automatisierte datengestützte Entscheidungsfindung in einem kollaborativen, zusammenhängenden Netzwerk unter Verwendung von Optionen, Mustern aus der Vergangenheit, aktuellen Daten und Prognosen die Transportprozesse nachweislich verbessern. Dabei wird auch ihren wirtschaftlichen und ökonomischen Auswirkungen Rechnung getragen.

EINBLICKE IN ECHTZEIT

Kontrolle ist das Herzstück einer optimierten und rechtzeitigen Entscheidungsfindung. Dabei geht es vor allem darum, die notwendigen Einblicke zur Hand zu haben – sei es die Sichtbarkeit von CO2-Emissionen, der Zugang zu Spotraten, ein Überblick über die Kapazität oder die ETAs für den Transport. Der Zugang zu diesen Echtzeit-Informationen in Kombination mit Ausführungsfunktionen ermöglicht es Logistikunternehmen, den künftigen Status einer Ladung vorherzusehen, schnell einzugreifen, wenn etwas schiefläuft, und die Effizienz der Abläufe zu kontrollieren.

Wie in einer kürzlich erschienenen Ausgabe von Logistics Management hervorgehoben wurde, schien in den letzten zwei Jahren „die Priorität darin zu liegen, jedes Ergebnis zu fast jedem Preis zu erzielen, anstatt die Logistik zu überdenken, um bessere Ergebnisse zu erzielen“. Auch wenn dies wahrscheinlich in erster Linie aus der Not heraus geschah, gilt es für Unternehmen mit diesem Modus Operandi zu brechen. Denn sonst wird er auch weiterhin die gesamte Branche untergraben.

Um das Transportwesen mit der Welt in Einklang zu bringen, bedarf es also einem grundlegenden Umdenken – sowohl im Ansatz als auch in der Einstellung der Branche. Denn die Herausforderung liegt nicht in einer einzelnen Organisation, sondern im gesamten Transportsektor. Die Herausforderungen im Frachtbereich treten zwischen Unternehmen auf. Genau hier muss angesetzt werden, um das Problem zu lösen. Dafür ist es unerlässlich, digitale Tools einzuführen, eine Kultur der Zusammenarbeit zu fördern, die Entscheidungsprozesse zu automatisieren und Real-Time-Daten zu nutzen.

Stephan Sieber ist CEO von Transporeon. Sein beruflicher Fokus lag schon immer darauf, das Wachstum von Organisationen zu unterstützen – und dieses Ziel verfolgt er auch bei Transporeon. Stephan blickt auf 13 Jahre bei SAP zurück, unter anderem als Managing Director der SAP in der Schweiz und als Chief Operating Officer für die Region DACH in Walldorf. Nach seiner Zeit bei SAP gestaltete Stephan fünf Jahre lang die erfolgreiche Entwicklung des ERP-Anbieters Unit4, davon drei Jahre als CEO mit einer Gesamtverantwortung für mehr als mehr als 4.000 Mitarbeiter.

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