Vom Schlagwort zum Geschäftserfolg: Vier Wege, wie KI sich auszahlt

Der globale KI-Wettlauf ist in vollem Gange und es mehren sich die Zweifel, dass sich die hohen Investitionskosten durch signifikante Produktivitätsgewinne amortisieren lassen. Zwischen Hype und tatsächlicher Wertschöpfung klafft offensichtlich eine Lücke: Unternehmen nehmen für KI-Projekte viel Geld in die Hand, ohne je eine messbare Rendite zu erzielen. Laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage hielten 60 % der deutschen Unternehmen, die bereits in KI investieren, ihre Investitionen auf gleichem Niveau. 29 % gaben, mehr oder deutlich mehr in die Technologie zu investieren.
Von   Phil Lewis   |  Senior Vice President, Solution Consulting International (EMEA & APJ)   |  Infor
28. Januar 2026

Vom Schlagwort zum Geschäftserfolg: Vier Wege, wie KI sich auszahlt

 

 

Die Ergebnisse bleiben jedoch überschaubar, denn die Unternehmen kämpfen laut Statischem Bundesamt mit grundlegenden Herausforderungen: 71 % geben an, ihnen fehle das Wissen für den sinnvollen KI-Einsatz und 58 % sind sich über die rechtlichen Folgen unklar. Die Ergebnisse der oben genannten Bitkom-Umfrage zeigen, dass nur jedes fünfte Unternehmen den Großteil seiner Mitarbeitenden umfassend schult. 48 % der Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden gar keine Weiterbildung zu KI. Die Folge: Millionenschwere KI-Investitionen verpuffen ohne messbare Wirkung.

Dabei können es sich Unternehmen im heutigen Wettbewerbsumfeld gar nicht leisten, auch nur einen einzigen Vorteil ungenutzt zu lassen oder gar Geld in etwas zu investieren, dessen Potenzial nicht voll ausgeschöpft wird. Der Weg zu mehr Profitabilität führt über die Beseitigung von kritischen Qualifikationslücken bei der Belegschaft, indem die Mitarbeiter mit den richtigen Kompetenzen ausgestattet werden und sich zudem anpassen und weiterentwickeln können. Nur so lässt sich ein größtmöglicher Nutzen aus den KI-Initiativen ziehen und das gesamte Unternehmen zukunftsfähig aufstellen. Dazu werden im Folgenden vier Ansätze vorgestellt, wie Unternehmen auf allen Ebenen einen echten Return on Investment (ROI) aus KI erzielen können.

 

Den KI-Hype hinterfragen

Obwohl KI längst keine Neuheit mehr ist, bleibt sie ein Schlagwort, das Unternehmen branchenübergreifend fasziniert. Der wahre Wert dieser Technologie wird jedoch oft übersehen, da viele Unternehmen KI überstürzt und ohne klare Ziele hinsichtlich des ROI einführen. Echte Transformation entsteht erst dann, wenn Unternehmen gezielt identifizieren, wo KI die größte Wirkung erzielen kann.

Ein guter Ausgangspunkt ist eine ganzheitliche Betrachtung des Unternehmens. In einem ersten Schritt sollte zunächst ermittelt werden, welche Funktionsbereiche durch sich wiederholende Aufgaben mit geringem Mehrwert, kostenintensive Prozesse oder langsame Entscheidungsfindung belastet sind. Da sich viele Unternehmen noch in einer frühen Phase ihrer KI-Einführung befinden, ist es oft unrealistisch, von Anfang an eine durchgängige Strategie für die Umsetzung zu erwarten. Deshalb empfiehlt sich eine pragmatische Herangehensweise, um das Potenzial der KI optimal zu nutzen: Unternehmen sollten Schwachstellen identifizieren, prüfen, ob KI zur Lösung beitragen kann, Lösungen in kleinem Maßstab testen und erfolgreiche Pilotprojekte anschließend skalieren. Durch diese sorgfältige Bewertung und schrittweise Einführung wird sichergestellt, dass KI-Initiativen echte und nachhaltige Verbesserungen liefern – und nicht nur marginale Effizienzsteigerungen.

 

KI nicht nur einführen, sondern adaptieren

Die Einführung von KI garantiert keinen Erfolg über Nacht. Doch Unternehmen, die mit einem klaren Fahrplan starten, erzielen mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit messbare Ergebnisse. Der Schlüssel liegt darin, KI-Initiativen direkt an den strategischen Unternehmenszielen der nächsten drei bis fünf Jahre auszurichten – sei es die Senkung operativer Kosten, die Verbesserung der Customer Experience oder die Beschleunigung der Produktentwicklung.

Produzierende Unternehmen, die Maschinen mit intelligenten Algorithmen einsetzen, können beispielsweise Störungen antizipieren und so frühzeitig gegensteuern, ihre Abläufe optimieren und ihre Prozesse insgesamt strategisch verbessern. Ähnlich verfahren Unternehmen der Lebensmittel- und Getränkebranche, die KI entlang der gesamten Lieferkette einsetzen, um auf Basis umfangreicher historischer Trenddaten zu prognostizieren, welche Waren sie verstärkt produzieren, ersetzen oder neu definieren sollten.

Dieser langfristig ausgerichtete Ansatz legt den Schwerpunkt auf nachhaltige und substanzielle Ergebnisse statt auf kurzfristige Lösungen. Sobald die KI verlässlich in die Prozesse integriert ist, können Mitarbeiter mehr Aufgaben übernehmen, die menschliche Arbeit erfordern. Der Ansatz hilft Unternehmen dabei, KI-Systeme zu entwickeln, die sie hinsichtlich ihrer strategischen Ziele wirklich voranbringen. Dies erfordert Engagement und kontinuierliches Lernen – etwa durch die Schulung der Teams oder die Anpassung von Modellen an veränderte Daten und Marktbedingungen. Ohne einen klaren Plan, der KI-Initiativen mit geschäftlichen Prioritäten verknüpft, riskieren Unternehmen höhere Kosten, längere Lieferzeiten und weniger Kundenorientierung. Unternehmen, die KI mit einer fokussierten, schrittweisen Strategie integrieren, schaffen dagegen eine starke Grundlage für ihre zukünftige Führungsrolle in ihrer Branche.

 

Der Faktor Mensch entscheidet über den Erfolg von KI

KI-Technologie ist nur so gut wie die Mitarbeitenden, die sie steuern. Zwar schürt Automatisierung häufig Ängste vor einem Jobverlust, doch in der Realität bleiben Menschen unverzichtbar – für den Betrieb, die Analyse und die Interpretation von KI-generierten Daten sowie für kritische Entscheidungen. Der tatsächliche Mehrwert entsteht, wenn Menschen in der Lage sind, KI selbstbewusst und strategisch einzusetzen. Das bedeutet, dass Kompetenzen in Bereichen wie maschinelles Lernen, prädiktive Analytik und Datenkompetenz aufgebaut werden müssen. Zudem sollte sichergestellt werden, dass die Teams wissen, wie sie diese Tools auf ihre Aufgaben anwenden können.

Zukunftsorientierte Unternehmen, die auf KI-gestützte Entscheidungstools setzen, verzeichnen bereits Verbesserungen in Bezug auf die Effizienz und Flexibilität ihrer Belegschaft. Die produktivsten Unternehmen investieren 26 % mehr in die Personalentwicklung. Zu den praktischen Maßnahmen zählen Kooperationen mit regionalen Bildungseinrichtungen, der Aufbau interner Akademien zur Schulung der aktuellen Belegschaft oder der abteilungsübergreifende Einsatz von Mitarbeitenden, um ihnen ein tieferes Verständnis der Systeme zu ermöglichen.

Nationale Initiativen wie regionale Fachkräfteallianzen und branchenweite Taskforces unterstützen bei der Feinjustierung zwischen technischem Bedarf und zukünftigen Einstellungsstrategien. Diese Netzwerke aus deutschen Unternehmen, Industriekammern, Gewerkschaften und Arbeitsagenturen koordinieren Bedarfe, fördern Weiterbildung und sichern gezielt Fachkräfte für die Industrie. Ein Beispiel ist die Fachkräfteallianz Region Stuttgart (FKARS), die Akteure vernetzt, Projekte initiiert und die Fachkräftesicherung strategisch vorantreibt. Künstliche Intelligenz wird in jedem Unternehmen zum Einsatz kommen, doch der Erfolg hängt maßgeblich davon ab, wie gut die Mitarbeitenden auf den Wandel vorbereitet sind. Firmen, die ihre Belegschaft schulen und unterstützen, profitieren von schnellerer Akzeptanz, einer höheren Investitionsrendite und nachhaltiger Wettbewerbsfähigkeit.

 

Branchenspezifische KI, die einen echten ROI liefert

Für den Erfolg gibt es keine Universallösung. Genauso wie Personalstrategien individuell angepasst werden müssen, sollten auch KI-Anwendungen maßgeschneidert zum Einsatz kommen. Jede Branche steht vor spezifischen Herausforderungen, weshalb generische Lösungen nur selten das volle Potenzial ausschöpfen. Im Einzelhandel und in der Modebranche kann KI z.B. die Freigabeprozesse für Designs beschleunigen und Unternehmen dabei unterstützen, Produkte an sich verändernde Kundentrends anzupassen. Im Lebensmittel- und Getränkesektor wird KI bereits für die automatisierte Übersetzung von Etiketten und für Prognose bezüglich der Verbrauchernachfrage eingesetzt. Branchenspezifische KI muss zudem Herausforderungen auf der Ebene der Mikrosegmente adressieren, denn die Bedürfnisse eines fleischbearbeitenden Betriebs unterscheiden sich erheblich von denen einer Molkereiunternehmens.

 

Fazit

Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten, die manche Unternehmen zögern lassen, setzen die zukunftsorientiertesten Unternehmen KI gezielt und strategisch ein. Sie denken langfristig, schulen ihre Mitarbeitenden und beziehen sie in den Wandel ein. Sie konzentrieren sich auf Bereiche mit hoher Wirkung und deutlichen Effekten, wie die Optimierung der Lieferkette und vorausschauende Prognosen. So erreichen sie mehr Effizienz, Agilität und eine strategisch optimierte Ausrichtung. Ihre Fähigkeit, KI effektiv zu nutzen, wird zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Unternehmen, die verstehen, dass Investitionen in Talente und Technologie und der profitable Einsatz von KI die zwei Seiten der derselben Medaille sind, legen den Grundstein für ihren langfristigen Erfolg.

Phil Lewis ist seit 20 Jahren bei Infor tätig. In seiner Funktion leitet er das internationale Team Solution Consulting, das sich aus Solution Architects, Solutions Consultants und Technical Consultants zusammensetzt.

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