Strategie zur Digitalisierung von Druckerei-Shops

Während der Covid-19-Pandemie wanderten viele Händler ins Internet. In den meisten Fällen verlief die Digitalisierung jedoch eher unüberlegt. Dabei ist eine gute Planung unabdingbar.

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15. Oktober 2022

An unauffälligen kleinen Geschäften, wie Druckereien, laufen Passanten zumeist einfach vorbei. Nur bei bestimmten Anlässen suchen Kunden die Läden auf. Ob Einladungen für Hochzeit, Geburtstag und andere Festlichkeiten, Flyer zum Anlocken von Partygästen oder Visitenkarten für geschäftliche Treffen – viele Druckerzeugnisse sind eng verknüpft mit Veranstaltungen. Genau diese fielen in den letzten beiden Jahren jedoch häufig aus. Während über Sorgen von Gastronomie und Event-Branche einiges geschrieben stand, blieben Schicksale dahinter stehender Dienstleister oft im Verborgenen. Dort kämpften Print-Shops um ihre Existenz. Das Beispiel einer kleinen Brandenburger Druckerei zeigt auf, wie der Schritt in den Online-Handel vor Krisen und Insolvenz schützen kann.

Problem erkannt…

Im Frühling 2020 bedeuteten Kontaktbeschränkung, Ausgangssperre und Lock-Down jähe Auftragsstopps für Läden mit Kundenstamm aus dem Veranstaltungsgewerbe. So traf es auch den kleinen Druckladen: Beinah alle Bestellungen blieben aus. Maßnahmen gegen das Virus bedingten den Einbruch der Nachfrage an Fotoshootings, kleine Bummel mit spontanen Stopp zum Rahmenkauf gehörten der Vergangenheit an und die Innenstädte waren leergefegt. So versiegten die Einkünfte durch Laufkundschaft ebenfalls. Wochen wurden zu Monaten und keine Besserung war in Sicht. Um eine Schließung zu vermeiden, musste also ein cleverer Plan her. Wie viele andere zog es den Besitzer ins Internet. Eine Marktanalyse machte klar, das stationäre Angebot einfach in einen Online-Shop zu übertragen, funktioniert nur bedingt und reicht nicht aus. Etliche andere Anbieter verkauften ihre Ware bereits zu, für Kleinunternehmer, unerreichbar niedrigen Preisen. Zudem blieb das Problem der brach liegenden Eventszene. Veranstalter, die auf digitale Wege wechselten, brauchten keine haptischen Werbematerialien. Also musste ein Produkt her, das Endverbraucher anspricht und auf engere Kontakte verzichtet. Hier kamen die Beschränkungen positiv zum Tragen, denn durch Home-Office und eingeschränkte Ausgehmöglichkeiten verweilten die meisten Menschen in ihren eigenen vier Wänden. Jeden Tag auf weiße Wände zu starren, erwies sich schnell als öde und so gewannen Renovierungsprojekte an großer Beliebtheit. Genau an diesem Punkt setzte der Brandenburger Laden an.

Problem gebannt

Die Challenge: neue Artikel für eine neue Kundengruppe ergründen. Dabei sollten die Vorteile des World Wide Web ebenso genutzt werden, wie das bereits vorhandene Inventar im Druckladen. Mit dem bestehenden Markt im Hinterkopf erschloss sich bald die Nische der individualisierbaren Dekorationsartikel. Rückwände für Küche und Bad, Türfolien und Vließtapeten gesellten sich ins Sortiment. Die Brandenburger entschieden, dass ein Online-Shop zur Präsentation der neuen Artikel dienen soll. Klarer Vorteil einer eigenen Auslage im Netz: Kunden mit positivem Einkaufserlebnis finden leicht zurück. Unterstützung bei der Akquise leisten soziale Medien. Produkte sowie bisherige und künftige Zielgruppe im Blick, widmeten sich die Unternehmer der Digitalstrategie. Sie erörterten alle nötigen Parameter für die eigene Seite. Eine Mischung der richtigen Features löst ein angenehmes Kauferlebnis aus, doch variiert die Konstellation der Elemente je nachdem was wem angeboten werden soll. Haben Käufer bereits Erfahrung im Onlineshopping, reicht ein gut strukturiertes Design der Homepage. Richtet sich der Verkäufer an Internet-Neulinge bedarf es deutlicher Navigation durch Menü und Warenkorb. Für die Druckerei hieß es umdenken, denn wo zuvor gleiche Motive in rauen Mengen produziert wurden, trudelten schon bald zahlreiche Anfragen nach Unikaten ein. Zum Konfigurieren der bedruckbaren Platten webten die Webseitenbetreiber Maßangaben und Upload-Möglichkeiten für eigene Fotos ein. Um Interessenten eine größere Auswahl zu bieten, durfte eine Schnittstelle zu bekannten Stockfoto-Seiten nicht fehlen.

Ordnung ist das A und O

Im Folgenden stand organisatorisches Geschick im Fokus. So bedachten die angehenden Shop-Owner, dass Online- und Offline-Bezahlmethoden gravierende Unterschiede aufweisen. Erfolgt die Zahlung im Geschäft immer in Bar oder mit Karte, bieten im Web mehrere Anbieter unterschiedliche Payment-Methoden an. Unter diesen haben Käufer meist Favoriten, daher ist die Darstellung einer gewissen Auswahl immer ratsam. Ebenso wurde im Laden aufgerüstet. Die Bestandsaufnahme zeigte, dass die vor Ort stehende Druckerpresse nur Papier verzierte. Also benötigte sie eine Erweiterung, um die neuen Materialien ebenfalls zu bedrucken. Auch auf logistischer Ebene standen einige Nachrüstungen an, denn bisherige Anfertigungen holten die Besteller einfach selber ab. Nun erweitert die Nutzung des Online-Stores das Einzugsgebiet über regionale Grenzen hinaus, sodass der kleine Laden nicht mehr als alleinige Anlaufstelle dient. Es begann die Suche nach einer Spedition, die den Anforderungen entsprach. Wer im Internet shoppt, möchte genau nachverfolgen können, wo das Paket aktuell steckt. Zudem mussten die Besitzer über mögliche Rücksendungen nachdenken. Ein gutes Retourenmanagement steigert die Zufriedenheit der Kunden sowie den Ruf des Unternehmens.

Krisenfest

Nach Abschluss der Organisation ging der Online-Shop an den Start. Mit Erfolg, denn die Akquise über Facebook, E-Mails und auf postalischen Weg lockte Alt- wie Neukunden in den digitalen Store. Dank Web-Akquisen und geschickter SEO-Strategie wuchs die Kundenbasis innerhalb des ersten Jahres auf die dreifache Größe an. Gleichzeitig stieg der Umsatz um 250 Prozent. Größere Bestellmengen gewährten der Firma zusätzlich Rabatte bei Lieferanten. Der Schritt ins E-Commerce und die Fokussierung auf besondere Printprodukte aus Metall haben sich gelohnt. Das neue Standbein bringt ein großes Stück Krisensicherheit mit sich. Das aktuelle Weltgeschehen treibt den Preis für Papier enorm in die Höhe. Auf ein stationäres Geschäft mit Papier-Mittelpunkt kämen unlösbare Probleme zu: Die Übertragung der steigenden Kosten auf die Kundschaft würde diese extrem abschrecken. Denn die Hauptkäufer der Vorjahre stammen aus der immer noch fragilen Event- und Veranstaltungsbranche. Der Preis für Aluminium dagegen bleibt stabil. Überdies gelingt das Einfügen und Kommunizieren neuer Artikel in einem digitalen Geschäft deutlich einfacher als am POS. Ein Laden mit leeren Regalen regt niemanden zum Einkauf an. Für die Online Auslage reicht im ersten Schritt schon Bildmaterial, das Neuankömmlinge ankündigt. So wissen Kunden bereits über den nächsten Hit Bescheid, ohne dass dieser haptisch auf Lager ist. Erste Bestellungen geben Hinweis auf die Höhe der Nachfrage. Mit einer Investition zum richtigen Zeitpunkt hat der kleine brandenburgische Shop es geschafft, die Insolvenz zu vermeiden. Neugewonnene, überregionale Kunden, flexiblere Angebotsmöglichkeiten rund um die Uhr und höhere Sichtbarkeit sorgen für einen optimistischen Blick in die Zukunft.

Strategisches Denken und E-Commerce-Erfahrung zeichnen Christoph Hofer aus. Der Gründer und Geschäftsführer der ZweiPunkt GmbH berät seit 2008 mittelständische Unternehmen in puncto Omnichannel. Seine Full-Service-Shopware-Agentur transformiert die erarbeiteten Konzepte in erfolgreiches E-Commerce.www.zwei.gmbh

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