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Können NFTs im Einzelhandel punkten?

Das Interesse an NFTs hat sich nach einer erneuten Hype-Phase im Jahr 2021wieder etwas normalisiert, dennoch sind Non Fungible Tokens - also die Repräsentation von Wertgegenständen auf einer Blockchain – in Medien und bei Unternehmen als zukunftsträchtiges Thema nach wie vor präsent.
24. Mai 2022

Mit NFTs und den dahinterstehenden Smart Contracts auf geeigneten Blockchains wurde erreicht, dass Wertgegenstände durch kryptografische Mittel eindeutig, unteilbar und überprüfbar abgebildet und in digitalen Geschäftsprozessen verwendet werden können. Dabei haben NFTs vielfältige Nutzungsmöglichkeiten, die Spanne reicht von Onlinespielen über digitale Kunst bis hin zu digitalen Zwillingen.
In diesem Artikel wollen wir grundlegende technische Aspekte von NFTs erläutern und sowohl aktuelle wie auch zukünftige Anwendungsfälle beleuchten. Denn der Marktumfang von NFT wurde für 2021 mit 25 Milliarden US-$ angegeben, bei weiterem erwartetem Wachstum für die kommenden Jahre.

Was sind NFTs?

Die Abkürzung „NFT“ hat sich etabliert als eine Art Umkehrung, denn es wird von „Non Fungible Tokens“ gesprochen. Also muss es auch Fungible Tokens geben, und in der Tat sind diese Tokens auf Blockchains solche, die einer tokenisierten Währung entsprechen. Vermögenswerte in Form einer Währung sind teilbar, und zu gleichen Werten austauschbar, Ein Zehn-Euro Schein entspricht dem anderen Zehn-Euro Schein, solange sie original sind, und der Wert lässt sich auch durch zwei Fünf-Euro Scheine darstellen.

Non-Fungible Tokens dagegen stellen einen eindeutigen und einmaligen Gegenstand auf Basis eines Smart Contracts einer Blockchain dar. Die Einmaligkeit bezieht sich darauf, dass dieses Token nicht teilbar ist und nicht gegen ein anderes Token des gleichen Typs getauscht werden kann. Damit kann der Besitzer eines NFT eindeutig und automatisch nachweisen, dass er im Besitz genau dieses einen Tokens ist, was wiederum zahlreiche neue Anwendungsfälle ermöglicht.

Technische Grundlage von NFTs sind Blockchains mit standardisierten Smart Contracts. Im Beispiel der Ethereum-Blockchain sind es häufig die beiden Contracts ERC-721 und ERC-1155. Sie beinhalten als Schnittstelle eine Anzahl von Funktionen, um Tokens zu transferieren, Besitzern zuzuweisen, und Metadaten zu speichern.

Beispielhafter Anwendungsfall

Der Blockchain-Hintergrund bringt eine Kostenhürde mit sich, da die Ausführung von Smart Contracts Transaktionskosten nach sich zieht. Das wiederum spricht dafür, dass NFTs einen gewissen Gegenwert darstellen müssen, um in Bezug zu den Transaktionskosten sinnvolle Anwendungsfälle zu ermöglichen. Das trifft zumindest auf Ethereum-basierte NFTs zu, da bei dieser Blockchain die Transaktionskosten hoch sind. Andere Blockchains weisen weitaus niedrigere Transaktionskosten auf.

Passend zum Sommer kann als Beispiel ein „Premium Gasgrill“ dienen. Dieser fiktive Gasgrill einer imaginären NFT-Zukunft ist ein Luxusartikel, der durch digitale Sensorik zusätzliche Fähigkeiten erhält. Doch zunächst zum Kaufvorgang: Der Premium Gasgrill kann nur auf der Website des Herstellers gekauft werden. Eine Kreditkarte ist nicht notwendig, denn die Bezahlung erfolgt über eine Cryptowährung. Der Kunde „kauft“ dabei einen NFT – d.h. der Hersteller hat einen eigenen Smart Contract für die besagte Grillserie. Kunden erwerben ein Token dieses NFTs, was wiederum mit der Lieferverpflichtung seitens des Herstellers verbunden ist. Kunden beauftragen damit die Lieferung des Produkts an eine Adresse.

Das Produkt ist als solches in der realen, analogen Welt uneingeschränkt nutzbar. Jedoch hat der Kunde über den Besitz des NFTs eine zusätzliche Verbindung zum Hersteller und umgekehrt. So können sie sich jederzeit bei der Website einloggen, ohne sich vorher registrieren zu müssen. Dies geschieht mit Hilfe einer Crypto Wallet, die auch zum Kauf des NFTs verwendet wurde. Die Wallet speichert das kryptografische Schlüsselpaar und kann aus der (öffentlichen) Blockchain ersehen, ob mit dem Schlüssel eine Transaktion für das Grill-NFT signiert wurde. Der Hersteller kann also Käufer nachträglich identifizieren und ihnen verschiedene Leistungen anbieten. Vor allem lassen sich diese Leistungen wiederum zum NFT bzw. zum Kunden korrelieren und so über die Zeit nachvollziehbar machen.

Das obige Beispiel zeigt die direkte Verbindung von Kunden und Hersteller. Aber auch Groß- und Einzelhandel können von den Möglichkeiten der technischen Weiterentwicklung profitieren. Als „Digitalisierungselement“ können NFTs die standardisierte Grundlage bilden, um Mehrwertleistungen in der digitalen, aber auch analogen Sphäre zu erbringen. Dies kann z.B. im Bereich des Service im Großhandel liegen oder der vertieften Kundenbindung im Einzelhandel. So lassen sich heute schon in modernen PKW Funktionen digital freischalten. Ein Kunde im Besitz eines NFTs könnte damit Premiumfunktionen freischalten – nicht nur bei seinem eigenen Fahrzeug, sondern auch bei Leihwagen.

Ausblick

Auch wenn die Beispiele noch stark nach Zukunftsmusik klingen – die technischen Grundlagen dafür sind mit NFTs gelegt, und werden in NFT-Communities bereits genutzt, z.B. wenn nur Besitzer bestimmter NFTs sich zu Konferenzen oder Meetups einloggen können.

Bezogen auf Handel und Verkauf decken die obigen Beispiele natürlich nur einen Teil von möglichen Interaktionen zwischen Herstellern, Händler und Kunden ab. Neben dem „Alles-Gut-Fall“ müssen bei Käufen auch Dinge wie Reklamationen oder Lieferausfälle berücksichtigt werden.

Tatsächlich arbeiten verschiedene Gruppen schon an diesen Themen. So hat z.B. das Boson Protocol  einen tokenisierten Ablauf des Kaufvorgangs in Arbeit, der auch Reklamationen, Erstattung und Auflösung von Streitigkeiten beinhaltet. Dabei streben sie den Aufbau einer dezentralen E-Commerce Infrastruktur an, die auch Mehrwerte aus den (Meta-)Daten der Käufe ziehen möchte.

Weiterhin arbeiten Gruppen an der Nutzung der Daten, die durch Transaktionen geschehen. Während in der heutigen Zeit Daten vor allem auf den großen Plattformen gesammelt und verwertet werden sollen in einer „Data Economy“-Zukunft Kunden die Möglichkeit haben, selber zu entscheiden, ob und welche Daten sie freigeben und wie sie dafür incentiviert werden. Ein Beispiel hierfür ist das Ocean Protocol.

Fazit

Ob NFTs im Bereich Retail punkten können hängt auch davon ab, ob Hersteller und Handel physische Produkte mit digitalen Mehrwerten aufladen können. Diese digitalen Mehrwerte lassen sich dann abrufen, wenn Käufer der Produkte ihren Besitz durch den NFT und eine Identität auf einer Blockchain nachweisen können. Sobald diese Hürde genommen ist, stehen neue Möglichkeiten zur Kundenbindung zur Verfügung.

Dr. Franke arbeitete viele Jahre in führenden Positionen bei Industrie- und Logistikunternehmen im In- und Ausland, seit 2019 ist Herr Dr. Franke bei der Cassini Consulting GmbH tätig. Sein Team und er bieten Seminare, Schulungen und Beratung zum Thema „Digitalisierung und Automatisierung von Supply Chains“ an. 

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