Finanzabteilungen im Visier der Hacker:
Warum Cybersicherheit zur Kernaufgabe im F&A wird
Finanz- und Buchhaltungsteams sind beliebte Ziele von Cyberkriminellen ihre Unternehmen wirksam gegen Cyberangriffe schützen können
Cyberkriminelle haben es längst nicht mehr nur auf IT-Abteilungen abgesehen. Immer häufiger geraten auch Fachkräfte aus dem Finanz- und Rechnungswesen ins Visier. Laut dem Nasdaq-Verafin-Report 2024 belaufen sich die weltweiten Verluste durch Finanzbetrug jährlich auf rund 430 Milliarden Euro. Gemäß dem Trustpair CFO Fraud Report waren 83 Prozent der Finanzverantwortlichen bereits im Jahr 2023 mit Cyberbetrug konfrontiert. Auch die Einschätzungen der Bitkom unterstreichen die Gefahr durch Cyberkriminalität: Der Diebstahl von Finanzdaten lag in 2023 bei rund 20 Prozent. Im Jahr 2025 beläuft sich der Gesamtschaden, den Unternehmen in Deutschland durch Diebstahl, Sabotage oder Industriespionage erlitten haben, laut Bitkom Wirtschaftsschutzbericht 2025 auf rund 289,2 Milliarden Euro. 70 Prozent dieses Schadens gehen direkt auf Cyberattacken zurück. Das zeigt deutlich, wie stark die Bedrohung der Finanzprozesse wächst.
Dennoch betrachten viele Finanzverantwortliche Cybersicherheit noch immer als reine IT-Angelegenheit. Diese Sichtweise ist gefährlich, denn Finanz- und Buchhaltungsteams spielen eine zentrale Rolle im Unternehmen und sollten daher einen hohe Sensibilität beim Cyberschutz haben. Sie verwalten sensible Finanzdaten, wickeln Zahlungen ab und stellen die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften sicher.
Verborgene Schwachstellen im Finanzbereich
Eine der größten Herausforderungen liegt in der Annahme, dass Cyberrisiken außerhalb der Finanzverantwortung liegen. Viele verlassen sich auf die IT, ohne zu erkennen, dass Finanzbetrug, Datenlecks oder sogenannte Business-Email-Compromise-Angriffe häufig genau dort beginnen, wo Geldmittel verwaltet werden.
Besonders anfällig sind Unternehmen und damit auch die Finanzabteilung für Social-Engineering- und Phishing-Angriffe, bei denen Cyberkriminelle Mitarbeitende durch täuschend echte E-Mails oder Nachrichten zur Preisgabe sensibler Daten oder zur Freigabe betrügerischer Zahlungen verleiten. Schwachstellen bestehen auch bei unzureichenden internen Kontrollen. Fehlt beispielsweise die Mehrpersonenfreigabe für Zahlungen oder eine Finanzplattform, die mit strikter Kontrolle, Automation und künstlicher Intelligenz Buchungen und Zahlungen prüft und verifiziert, steigt das Risiko unautorisierter Transaktionen erheblich.
Zusätzlich bergen externe Partner wie Banken, Lieferanten und Zahlungsdienstleister Risiken, wenn deren Sicherheitsmaßnahmen nicht sorgfältig geprüft werden. Hinzu kommt, dass in vielen Finanzabteilungen grundlegende Sicherheitskompetenz fehlt. Mitarbeitende erkennen Bedrohungen oft zu spät oder wissen nicht, wie sie im Ernstfall reagieren sollen.
Sicherheitskultur statt IT-Abhängigkeit
Um diese Schwachstellen zu schließen, braucht es ein Umdenken. Finanzfachleute sollten Cybersicherheit als Teil ihrer Kernverantwortung begreifen. Die Einführung robuster interner Kontrollen, etwa durch Multi-Faktor-Authentifizierung bei Finanztransaktionen, doppelte Genehmigungsprozesse oder intelligente Finanzplattformen für Zahlungen, ist essenziell.
Ebenso wichtig ist eine konsequente Zugriffskontrolle. Nur befugte Personen dürfen auf Finanzsysteme zugreifen. Darüber hinaus sensibilisieren regelmäßige Schulungen Mitarbeitende für Cybergefahren. Phishing-Tests fördern die Aufmerksamkeit und klar definierte Meldewege für Sicherheitsvorfälle sorgen dafür, dass im Ernstfall schnell und gezielt reagiert wird. Auch für Drittanbieter sollten Finanzabteilungen strengere Richtlinien vorsehen. Sicherheitszertifizierungen wie SOC 2, kontinuierliche Risikoanalysen und die Überwachung von Transaktionen hinsichtlich Auffälligkeiten stärken die Resilienz. Zudem bietet der Einsatz moderner Technologien wie KI-gestützter Betrugserkennung oder Verschlüsselungslösungen zusätzlichen Schutz.
Systemresilienz als strategischer Faktor
Neben der Prävention gewinnt die Systemstabilität an Bedeutung. Zentralisierte Finanz- und Sicherheitskontrollen schaffen zwar Effizienz, bergen aber das Risiko eines einzigen Ausfallpunkts. Fällt eine Schlüsselplattform oder ein externer Sicherheitsdienst aus, kann der gesamte Zahlungsverkehr betroffen sein.
Ein resilientes Sicherheitskonzept setzt auf Diversifizierung. Redundante Authentifizierungssysteme, geografisch verteilte Datensicherungen und alternative Genehmigungsprozesse sorgen dafür, dass Unternehmen auch dann handlungsfähig bleiben, falls ein zentrales System kompromittiert wird.
Forensische Buchhalter als strategische Partner
Experten im F&A, welche die forensische Ansätze verfolgen, spielen im Kampf gegen Cyberkriminalität eine zunehmend wichtige Rolle. Ihre Fähigkeit, Finanzströme zu analysieren und Unregelmäßigkeiten frühzeitig zu erkennen, macht sie zu unverzichtbaren Partnern in der Prävention und Aufklärung. Neben der klassischen Ermittlungsarbeit tragen sie dazu bei, interne Kontrollen zu verbessern und Betrugsrisiken systematisch zu reduzieren. In enger Zusammenarbeit mit IT- und Sicherheitsteams stellen sie sicher, dass finanzielle Prozesse sowohl regelkonform als auch technisch abgesichert sind.
Balance von Sicherheit und Effizienz
Eine der größten Herausforderungen für Finanzteams besteht darin, Cybersicherheit mit Geschäftseffizienz zu verbinden. Strikte Kontrollen und zusätzliche Freigabeprozesse können Arbeitsabläufe verlangsamen, was in vielen Finanzabteilungen auf Widerstand stößt.
Sicherheit und Produktivität müssen sich jedoch nicht ausschließen. Ein risikobasierter Ansatz ermöglicht es, besonders kritische Prozesse engmaschig zu schützen, ohne den gesamten Betrieb zu hemmen. Automatisierte Sicherheitsprüfungen in Finanz-Workflows reduzieren Reibungsverluste, während sichere Cloud-Plattformen sowohl die Verfügbarkeit als auch den Schutz sensibler Daten erhöhen. Nicht jede Sicherheitsmaßnahme sollte überall gleich stark greifen. Systeme mit hohem Transaktionsvolumen oder sensiblen Kundendaten benötigen Echtzeitüberwachung, während interne Berichtssysteme mit einem abgestuften Update-Zyklus effizienter betrieben werden können. Eine klare Klassifizierung nach Risikopotenzial ermöglicht gezielte Schutzmaßnahmen ohne operative Einbußen.
Fazit: Finanzteams als Cyber-Verteidiger der Zukunft
Mit der Zunahme digitaler Finanzkriminalität kommt Finanz- und Buchhaltungsteams eine Schlüsselrolle zu. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht den Anschein macht – sie sind die erste Verteidigungslinie gegen Cyberangriffe und tragen maßgeblich dazu bei, das Vertrauen in die Stabilität ihrer Unternehmen zu sichern. Wer Sicherheitslücken erkennt, Kontrollen stärkt, Mitarbeitende sensibilisiert und moderne Technologien nutzt, schafft die Grundlage für nachhaltige digitale Resilienz. Cyberkriminelle werden ihre Taktiken weiterentwickeln und noch gefährlicher für Unternehmen werden. Konsequente Aufklärung ist nötig, denn nur wer Cybersicherheit als festen Bestandteil der Finanzstrategie versteht, bleibt ihnen einen Schritt voraus.



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