Wettlauf zwischen Kartenzahlungen und A2A-Payments

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 / 18. October. 2021

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Payments & Open Banking

Während die Pandemie den Online-Einkauf stark angekurbelt hat, belasten eine Reihe von Problemen die Online-Geschäfte im Bereich der Zahlungsabwicklung. An erster Stelle stehen hohe Gebühren, zum Beispiel für Kreditkartentransaktionen, aber auch fehlgeschlagene Zahlungen und zunehmender Betrug. Konto-zu-Konto-Zahlungen (Account-to-Account-Payments, A2A-Payments), die von Open Banking unterstützt werden, verbessern künftig die Zahlungsabwicklung und fordern so die Kreditkarten-Netzwerke heraus. Wie, erfahren Sie im Gastbeitrag von Sascha Nagel, Sales Director beim Fintech GoCardless

Für viele Unternehmen läuft das digitale Geschäft, insbesondere der Einzug von Zahlungen, noch lange nicht rund. Europäische Online-Händler beklagen immens hohe Kreditkarten-Gebühren [1]. Zudem schlagen oftmals Zahlungen durch einmal hinterlegte Kreditkarten aufgrund der auslaufenden Gültigkeit fehl. 7,9 % der Kreditkartenzahlungen sind das im Durchschnitt [2].

Die Annahme von Kartenzahlungen im Internet wird aufgrund von Vorschriften wie der starken Kundenauthentifizierung (SCA) noch schwieriger werden. Ende 2020 befragte GoCardless 1.900 Entscheidungsträger auf C-Level und stellte fest, dass 75 % der Unternehmen weltweit bereits SCA implementiert hatten. 56 % von ihnen berichteten von einem Rückgang der Konversionsrate als Folge. Im Mai 2021 stellte CMSP fest, dass 26 % der Einkäufe in Europa aufgrund von SCA abgebrochen wurden [3].

Abgesehen davon ist Online-Betrug, sei es bei Kreditkartenzahlungen oder gestohlenen Identitäten im Allgemeinen, zu einem massiven Problem geworden, das ein noch größeres Loch in die Kassen der Unternehmen reißt [4]. Laut einer Studie der Kreditauskunftei CRIF Bürgel berichten neun von zehn Online-Händlern, dass sie in den letzten zwölf Monaten Opfer von Betrug oder Betrugsversuchen geworden sind [5].

Mit Open Banking werden diese Probleme gelöst oder zumindest werden ihre Auswirkungen deutlich verringert. Wir werden in den kommenden Monaten und Jahren einen Umbruch auf dem dynamischen Zahlungsmarkt erleben. Vor allem Fintechs, die den Zugang zu Open Banking schaffen und es verstehen, diesen für die Entwicklung besserer Dienstleistungen oder Lösungen zu nutzen, werden Kreditkarten herausfordern. Die Kartennetzwerke selbst sind nicht untätig und haben bereits erkannt, dass andere Zahlungsmethoden, wie Konto-zu-Konto-Zahlungen, das nächste große Ding sein könnten. Wir sehen das deutlich bei den etablierten Anbietern, wie zum Beispiel Visa mit der Übernahme von Tink [6]. Es bleibt spannend zu sehen wie tief und schnell die Integration gelingt.

Sofortige Zahlungsgenehmigung mit A2A-Zahlungen auf der Grundlage von Open Banking

Ein Grund für die Abhängigkeit der Unternehmen von Kreditkarten ist die Notwendigkeit, die Zahlungsautorisierung für den Händler sofort sichtbar zu machen. Dies ist für Unternehmen wichtig, damit sie wissen, wann sie Zugang zu digitalen Diensten und Produkten gewähren oder bestellte Waren mit der Post verschicken müssen. Kreditkarten machen dies möglich, aber die Händler müssen auch die Nachteile dieser Methode in Kauf nehmen: hohe Gebühren und fehlgeschlagene Zahlungen oder auslaufende Kreditkarten, die zu unbeabsichtigter Kundenabwanderung führen.

Bei Account-to-Account-Payments wie wir sie bisher kennen, ist die Geschwindigkeit der Zahlungsautorisierung ein Nachteil. Deswegen sind viele Händler bei Einmal- und Sofortzahlungen gezwungen, auf Kartenzahlungen auszuweichen, um das Produkt oder die Leistung sofort freigeben oder liefern zu können. Solche Bankkarten-Transaktionen sind mit hohen Kosten verbunden, da viele Parteien beteiligt sind. Und diese wollen Gewinn erzielen oder zumindest ihre Kosten decken: Inkassokosten, Netzwerkgebühren sowie von der Bank erhobene Gebühren. Hinzu kommt, dass Kunden ohne Kreditkarte bei Erst- oder Zusatzzahlungen zeitaufwändige, manuelle Überweisungen vornehmen und somit den umständlichen Weg über eine zweite Zahlungsmethode gehen müssen. Der Bruch im Kaufprozess ist vorprogrammiert.

Dies wird sich mit Open Banking ändern, weil es eine sofortige Zahlungsautorisierung ohne die mit Karten verbundenen Nachteile ermöglicht. Bei einer Zahlung von einem Konto zu einem anderen sind die Kosten von vornherein niedriger als bei anderen Zahlungsmethoden. Es gibt weniger Vermittler bei jeder Transaktion – und die Kundenbindung ist besser, da die Bankverbindung seltener geändert wird.

Händler können einfach eine Zahlungsanforderung mit einem Pay-Link (Request to Pay) senden oder die Zahlungsoption direkt in ihren Checkout-Flow einbauen. Die Kunden werden dann automatisch mit ihrer Online-Banking-Plattform verbunden, um ihre Zahlung zu autorisieren. Wie bei einer digitalen Brieftasche ist die Zahlung mit wenigen Klicks erledigt.

Dies erhöht das Sicherheitsniveau jeder Transaktion ­– Zahlungen können nur verarbeitet werden, wenn sich die Kontoinhaber authentifizieren. Noch besser: Im Falle der nicht ausreichenden Deckung des Kontos wird erst gar kein Zahlungseinzug versucht. Dies erschwert nicht nur die Verwendung gestohlener Kontodaten, sondern ist auch für den Händler von Vorteil, da Rückbuchungen wegen Betrug oder mangelnder Deckung reduziert werden.

Eine intelligente Kombination aus dem in Deutschland beliebten Lastschriftverfahren* und Sofortzahlungen mit Open-Banking-Technologie in einer einzigen Plattform ermöglicht es, jedes Zahlungsszenario abzuwickeln – ob wiederkehrende, einmalige oder sofortige Zahlungen von neuen oder bestehenden Kunden. Dies kommt sowohl Unternehmen in der ständig wachsenden Abonnement-Wirtschaft als auch solchen mit regelmäßigen Rechnungs- und Ratenzahlungen zugute. Laut einer Befragung von GoCardless wickeln 85 Prozent der Unternehmen, die wiederkehrende Zahlungen vornehmen, auch Einmalzahlungen ab.

Open Banking löst die Abhängigkeit von Kreditkarten

Unternehmen brauchen bessere Lösungen für ihre Online-Geschäfte, die über die vor Jahrzehnten eingeführten Zahlungsverfahren hinausgehen. Zahlungsmethoden, die in einer Offline-Welt entwickelt wurden, sind nicht für eine digitale Welt geeignet. Diese Methoden müssen für die heutigen Anforderungen optimiert werden. Kunden und Unternehmen erwarten viel mehr als die bloßen Transaktionen selbst: Automatisierung in der Abwicklung und Komfort – sowohl für Unternehmen als auch für Verbraucher. Dazu gehören auch sichere Transaktionen.

Die Technologien, die hinter Open-Banking-Zahlungen stehen, sind inzwischen so weit fortgeschritten, dass sie für eine Vielzahl von Anwendungsfällen und Dienstleistungsniveaus geeignet sind. Diese große Herausforderung für Karten wird das Ende ihrer Dominanz mit sich bringen. Open Banking wird die Zahlungsabwicklung verbessern und Händler in die Lage versetzen, jede Art von Zahlungen – mit oder ohne Kreditkarte – abzuwickeln.

* 29 Prozent der Verbraucher bevorzugen den Bankeinzug für die Bezahlung digitaler Abonnements, wie ein Report zu Zahlungspräferenzen der Verbraucher im Jahr 2021 [7] von GoCardless zeigt.

Quellen und Referenzen

[1] https://www.eurocommerce.eu/resource-centre
[2] https://gocardless.com/de/handbuch/artikel/vier-wesentliche-dinge-auswahl-der-zahlungsmethoden/
[3] https://cmspi.com/eur/resources/sca-impact-assessment-may-2021/
[4] https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/onlinehandel-die-dunkle-seite-des-e-commerce-betrug-sorgt-fuer-milliarden-schaeden/23981674.html?ticket=ST-1542761-jcMyjNX0Zxbxkx3XcLPR-ap2
[5] https://www.crifbuergel.de/pr-events/pressemitteilungen/2021/july/01/crifbuergel-studie-9-von-10-online-shops-im-dach-raum-von-betrug-betroffen/
[6] https://thefintechtimes.com/visa-to-acquire-open-banking-platform-tink/
[7] https://gocardless.com/de/handbuch/artikel/consumer-payment-preferences-2021/

Über den Autor / die Autorin:


Sascha Nagel treibt seit 2019 als Sales Director den Auf- und Ausbau von GoCardless in der DACH-Region voran. GoCardless ist ein führendes Fintech-Unternehmen im Bereich Account-to-Account-Payments (A2A-Payments) und ein globales Zahlungsnetzwerk für Lastschriften. Vor seinem Einstieg bei GoCardless unterstütze Sascha Nagel global agierende SaaS Start- und Scale-ups dabei, Vertriebsstrukturen und -prozesse aufzubauen und Produkte in den DACH-Märkten zu etablieren.
Dank seiner Erfahrung aus dem Vertrieb und Business Development im Rahmen von digitalen Transformationsprojekten in DAX-Konzernen, ist er mit den Anforderungen an disruptive Wege in dynamisch veränderten Marktsituationen bestens vertraut.