Die Zukunft der Arbeitswelt ist Human+

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 / 13. October. 2021

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Stehlen uns die Roboter wirklich die Arbeitsplätze?

Die Wahrnehmung, dass Arbeiter durch Roboter ersetzt werden, spiegelt nicht die Realität der Automatisierung wider. Die Automatisierung von sich wiederholenden Aufgaben beschleunigt vielmehr die Produktivität und entlastet dabei die Mitarbeiter. Diese haben mehr Zeit, sich auf komplexe, wertschöpfende Aufgaben zu konzentrieren, für die nur Menschen befähigt sind. Für viele Tätigkeitsbereiche ist der Einsatz von Automatisierungsprozessen auch keine Entweder-Oder-Gleichung. Eine „hybride Workforce“, also die Kombination aus Fachleuten und digitalen Mitarbeitern, ist das Ziel. Denn Menschen, die Hand in Hand mit intelligenter Automatisierung arbeiten, können die Arbeit besser, schneller und mit weniger Aufwand erledigen.

Aber führt die Automatisierung nicht automatisch dazu, dass insgesamt weniger Mitarbeiter benötigt werden? Nein, denn bei diesem Vorurteil werden all die neuen Rollen nicht berücksichtigt, die für die Erstellung, Verwaltung und Skalierung von Automatisierungen für Unternehmen geschaffen werden. Der Bericht von McKinsey[i] aus dem letzten Jahr über die Zukunft der Arbeitsplätze in Europa zeichnet ein deutliches Bild: Während der Einsatz von Automatisierung in den nächsten zehn Jahren zunehmen wird, bedeutet eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung, dass es bis 2030 eine Herausforderung sein könnte, genügend Arbeitskräfte mit den erforderlichen Fähigkeiten zu finden, um die Arbeitsplätze in Europa zu besetzen.

Der wichtigste Vorteil der Automatisierung ist nicht die Kosteneinsparung durch die Verringerung der Mitarbeiterzahl, sondern die Möglichkeit, die Performance des Unternehmens auf ein neues Level zu heben. Das größte Herausforderung besteht darin, sicherzustellen, dass die richtigen Kompetenzen in der Belegschaft vorhanden sind, um die neuen technologiebezogenen Aufgaben auszuführen.

Höherqualifizierung, Umschulung und die Zukunft der Arbeit

Die Zukunft der Arbeitswelt ist kein neues Thema: Das Weltwirtschaftsforum (WEF) und viele andere Organisationen warnen schon seit vielen Jahren vor grundlegenden Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und, dass man sich darauf vorbereiten sollte. Vor allem die Ausbildung der Arbeitskräfte ist von entscheidender Bedeutung, um auf sich auf die neuen Umstände einzustellen, die der schnelle technologische Wandel mit sich bringt. Die Qualität und die Unterstützung bei der Umschulung, Höherqualifizierung und Fortbildung wird darüber entscheiden, wie Millionen von Menschen den laufenden Übergang bewältigen und die neuen Chancen auf dem Arbeitsmarkt nutzen werden.

Die Größe vieler Geschäftszweige und Branchen wird in naher Zukunft gleichbleiben. Allerdings wird sich die Struktur im Unternehmen, Spezialisierungen und Berufe aufgrund von Trends in der Automatisierung und KI radikal verändert. Die Einführung neuer Technologien zur Verbesserung des Kundenerlebnisses, des Risikomanagements, zur Erfüllung regulatorischer Anforderungen und vieler weitere Bereiche erfordert eine umfassende Aneignung von Fähigkeiten, Kenntnissen und Verhaltensweisen in der bestehenden Belegschaft.

Klar ist, dass über alle Branchen hinweg Berufe wie Datenanalysten und Wissenschaftler, KI- und Machine-Learning-Spezialisten, Robotik-Ingenieure und Prozessautomatisierungs-Spezialisten gefragt sind, die alle einen klar definierten Karrierepfad und ein nachhaltiges Weiterbildungsprogramm erfordern, um die Mitarbeiter in ihrer langfristigen Entwicklung zu unterstützen.

Nicht entlassen und einstellen – umschulen und weiterbilden

Die Aufgabe einer guten Unternehmensführung ist es, Innovation und Fortschritt zu fördern, aber mit sensiblem Change-Management die Belegschaft nicht allein zulassen, sondern auf dem Weg zur Digitalisierung mitzunehmen. Arbeitnehmern, die weniger qualifizierte Aufgaben ausführen, muss die Möglichkeit gegeben werden, sich für neue Aufgabengebiete umschulen zu lassen. Allerdings erfordert der Aufbau neuer Qualifikationen in der Belegschaft der Unternehmen den Einsatz von vielen Parteien.
So spielen etwa die Flexibilität und Unterstützung der Regierung eine große Rolle. Es liegt auch in ihrer Verantwortung, künftige Veränderungen vorherzusehen und sicherzustellen, dass die Arbeitskräfte darauf reagieren können, sowohl durch den Bildungssektor als auch Industrieprogramme und Förderungen bei der Finanzierung.

Essenziell sind Anreize für Arbeitgeber, sich aktiv an der Umschulung und Höherqualifizierung ihrer Arbeitskräfte zu beteiligen, anstatt sich darauf zu verlassen, dass der Markt dafür sorgt. Die Investition, die erforderlich ist, um eigene Mitarbeiter für neue Aufgaben zu schulen, macht sich mehr als bezahlt, wenn es darum geht, wettbewerbsfähig zu bleiben oder sich einen Vorteil zu verschaffen.

Die Einführung einer erfolgreichen Qualifikationsstrategie erfordert die Identifizierung der richtigen Fähigkeiten, Kompetenzen und Lehrpläne für die Belegschaft. Dies ist oft ein zeitaufwändiges Unterfangen für die Personal- sowie Forschungs- und Entwicklungs-Abteilungen, da es keine Branchenstandard gibt. Es ist jedoch entscheidend, zukunftsorientiert zu handeln und die zukünftigen Rollen im Unternehmen, die erforderlichen Fähigkeiten und die auszuführenden Aufgaben klar zu formulieren. Arbeitgeber sollten außerdem eine Analyse der Qualifikationslücke durchführen, um ihren Mitarbeitern einen Weg zur Auffrischung ihrer Fähigkeiten zu zeigen und ihnen kontinuierliche Lernmöglichkeiten zu bieten.

Die Kostenvorteile der Schulung eigener Mitarbeiter liegen auf der Hand: Umschulungen sind billiger als Neueinstellungen. Auf der einen Seite steht die Umschulung eines Mitarbeiters, auf der anderen Seite der Aufwand einer Neueinstellung mit dem Recruiting, Auswahlprozess und Onboarding-Training. Zudem ist bei neu eingestellten Mitarbeitern die Wahrscheinlichkeit, dass sie das Unternehmen schneller wieder verlassen zwei- bis dreimal so hoch.

Neben dem Faktor der Kostenersparnis, bietet der Erhalt der bestehenden Belegschaft auch einen weiteren, tiefschürfenden Vorteil für das Unternehmen: Die Unternehmenskultur bleibt bestehen und wird weitergetragen – ein Wert, der nicht unterschätzt werden sollte. Die Investition in die Ausbildung der Belegschaft für interessantere und erfüllendere Aufgaben zahlt sich in Form von Loyalität aus und kann dauerhaft starke Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer schaffen.

Fazit: Der Wettlauf zwischen Technologie und Bildung

Die technologische Beschleunigung bedeutet, dass Fähigkeiten und Kenntnisse in sehr kurzen Zeiträumen veralten. Daher ist es wichtig, Aus- und Weiterbildung als lebenslange Aufgabe zu betrachten und grundlegend im Unternehmen zu verankern.
Die Zukunft wird jetzt gestaltet. Denn wenn die Qualifikationen der Arbeitnehmer der Technologie hinterherhinkt, vergrößert sich die Ungleichheit, und die Weiterbildungen werden vergleichsweise teuer. Weitsichtige Arbeitgeber können sich jetzt einen Vorsprung verschaffen, indem sie in die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter investieren, um das Beste aus dem digitalen Wandel und den Möglichkeiten der Automatisierung zu machen.

Quellen und Referenzen:

[i]  https://www.mckinsey.com/featured-insights/future-of-work/the-future-of-work-in-europe

 

Über den Autor / die Autorin:


Mallika Govindan ist Expertin für „digitale Bildung“ und war 15 Jahre als Partnerin bei Deloitte in der strategischen Beratung von Führungskräften aus dem Finanz-, Bildungs- und Technologiesektor tätig. Zuvor war sie stellv. Direktorin der Abteilung „Executive Education“ an der London Business School.