Strategie statt Trends: Worauf es 2026 wirklich ankommt

Zu Jahresbeginn teilen viele Unternehmen Trends und Prognosen für die kommenden zwölf Monate. Doch wichtig sind vor allem langfristige Weichenstellungen, betont Andreas Dangl, Geschäftsführer von Fabasoft Approve.
Von   Andreas Dangl   |  Geschäftsführer   |  Fabasoft Approve GmbH
25. Mai 2026

Strategie statt Trends:

Worauf es 2026 wirklich ankommt

 

 

Zu Jahresbeginn teilen viele Unternehmen Trends und Prognosen für die kommenden zwölf Monate. Doch oft ist dieser „Blick in die Kristallkugel“ am Ende des Jahres überholt. Wichtig sind daher vor allem langfristige Weichenstellungen, betont Andreas Dangl, Geschäftsführer eines Unternehmens für Cloud-basierte Softwarelösungen.

 

Viele Jahresprognosen klingen im Januar überzeugend und sind im Dezember wieder vergessen. Wer Digitalisierung jedoch als strategische Aufgabe versteht, denkt nicht in Quartalen oder Hype-Zyklen, sondern in belastbaren Strukturen. Auch im Jahr 2026 stehen Unternehmen vor Aufgaben, die sie bereits seit Jahren prägen und weiterhin beschäftigen werden: Wie setzen sie KI konkret und gewinnbringend ein? Wie behalten sie die Hoheit über ihre Daten und stellen zugleich deren Verfügbarkeit sicher? Wie verbessern sie die Datenqualität systematisch und nachhaltig? Und wie rücken sie das Thema Nachhaltigkeit vom Nebenschauplatz wieder ins Zentrum ihrer IT-Strategie?

 

Use Cases für generative KI

Generative KI bleibt ein dominierendes Thema – derzeit insbesondere in Form sogenannter KI-Agenten, die eigenständig agieren, Entscheidungen vorbereiten und Prozesse automatisieren. Laut einer vielzitierten MIT-Studie verfehlen 95 Prozent aller KI-Pilotprojekte ihr Ziel, weil sie keine belastbaren Geschäftsergebnisse liefern. Strategiepapiere und Absichtserklärungen existieren meist in ausreichender Zahl. Was jedoch häufig fehlt, sind klar definierte Anwendungsfälle, strukturierte Prozesse und die konsequente Verankerung im operativen Geschäft.

Unternehmen, die KI nachhaltig in ihre betrieblichen Abläufe integrieren, setzen nicht auf Experimente oder isolierte Eigenentwicklungen. Erfolgreiche Organisationen bauen auf stabile Plattformen, definieren eindeutige Verantwortlichkeiten und arbeiten mit Partnern, die Technologie langfristig betreiben und kontinuierlich weiterentwickeln. Die MIT-Daten sprechen eine klare Sprache: Extern entwickelte Lösungen erreichen eine Erfolgsquote von rund 67 Prozent und liegen damit deutlich vor individuellen Ansätzen. Das kommt nicht von ungefähr, denn in der Regel können spezialisierte Entwickler:innen auf Fachpersonal zurückgreifen und verfügen über Erfahrung auf ihrem jeweiligen Gebiet.

 

Datenqualität statt Datenchaos

Auch die beste Strategie entfaltet nur dann Wirkung, wenn Organisationen auf einer verlässlichen Datengrundlage aufbauen. In der Praxis scheitern KI-Initiativen selten an Modellen oder Rechenleistung, sondern an der strukturellen Realität gewachsener IT-Landschaften. Laut einer Studie von Fivetran brechen fast die Hälfte der Unternehmen ihre KI-Projekte aufgrund unzureichender Daten ab. Zwar verfügen Organisationen über große Mengen an Informationen, doch sie speichern diese häufig fragmentiert, inkonsistent oder in veralteten Systemen. Unter solchen Bedingungen kann KI keinen produktiven Mehrwert schaffen.

Entscheidend ist deshalb, Daten systematisch zu strukturieren, eindeutig zu klassifizieren und dauerhaft verfügbar zu halten. Gleichzeitig bietet KI selbst enormes Potenzial zur Verbesserung der Informationsbasis: Sie extrahiert Metadaten automatisiert, verschlagwortet Inhalte intelligent und identifiziert Inkonsistenzen. Richtig eingesetzt, entwickelt sich KI vom reinen Datenkonsumenten zum Motor für Qualität. Wer konkrete Use Cases sucht, findet sie genau hier.

 

Digitale Souveränität

Neben Qualität gewinnt ein weiterer Faktor strategische Bedeutung: Kontrolle. Organisationen müssen jederzeit wissen, wo ihre Daten liegen, wer darauf zugreift und wie Systeme sie verarbeiten. Laut aktuellem Bitkom Cloud Report halten 78 Prozent der Unternehmen Deutschland für zu abhängig von US-Anbietern. Was lange als Effizienzvorteil galt, bewerten zahlreiche Organisationen heute vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen, regulatorischer Anforderungen und steigender Compliance-Vorgaben neu.

Viele Betriebe beginnen deshalb ihre Informationsbestände aktiv zu konsolidieren, kritisch zu prüfen und schrittweise in kontrollierbare, verlässliche Umgebungen zu überführen. Es geht nicht um Abschottung, sondern um Handlungsfähigkeit. Wer digitale Souveränität sicherstellt, schützt sensible Informationen und sorgt gleichzeitig für ihre Verfügbarkeit. Vor diesem Hintergrund gewinnen Produkte europäischer IT-Unternehmen und in der EU gehostete Cloud-Umgebungen zunehmend an Bedeutung.

 

Tiefe Kundenintegration

Statt auf die reine Optimierung der Lieferkette setzen Industrieunternehmen verstärkt auf eine enge digitale Verzahnung mit ihren Kunden. Dabei geht es nicht nur um Produktqualität, sondern die Beziehung insgesamt – vom ersten Kontakt über die Abwicklung von Reklamationen bis hin zu langfristigen Service- und Wartungsprozessen. Der Bedarf wächst: Hersteller liefern heute nicht nur Maschinen, sondern immer häufiger auch digitale Dokumentation, begleitende Services und integrierte Prozessketten. Unternehmen profitieren hier von einer zentralen Plattform, die als Drehscheibe zwischen CRM- und ERP-Systemen fungiert und alle relevanten Informationen zum Produkt, zur Nutzung und zu bestehenden Problemen zusammenführt. Mehrwert erhalten Kunden durch KI-gestützte Klassifizierung, automatisierte Prozesszuordnungen oder vorausschauende Qualitätsanalysen (Predictive Quality).

 

Nachhaltig wirtschaften

Kein Unternehmen kommt beim Thema Nachhaltigkeit um die Energiebilanz der Digitalisierung herum. Die Datenbestände in Unternehmen sind in den vergangenen Jahren unablässig gewachsen – getrieben durch günstigen Speicher und eine „Aufheben statt Aufräumen“-Mentalität. Doch jeder abgelegte Datensatz benötigt Energie und belastet langfristig die CO₂-Bilanz. Zeit, die Datenhaltung nicht nur unter Effizienz- und Compliance-Aspekten, sondern auch unter ökologischen Kriterien zu hinterfragen. Datenkonsolidierung, -bereinigung und -strukturierung helfen, ungenutzte oder redundante Informationen zu eliminieren. Dies reduziert Speicherbedarf, senkt den Energieverbrauch und schafft Transparenz.

Doch angesichts der allgemein schwierigen Wirtschaftslage rückt Nachhaltigkeit derzeit in vielen Unternehmen in den Hintergrund. Auch dieser Beitrag behandelt das Thema bewusst zuletzt – nicht aus mangelnder Relevanz, sondern weil zahlreiche Organisationen es aktuell ähnlich priorisieren. Das Horváth-Vorstandspanel bestätigt diesen Trend: Die „Grüne Transformation“ ist aus den Top-5-Managementprioritäten verschwunden. Stattdessen dominieren kurzfristige Themen wie Kostenkontrolle, Sicherheit und Liquidität.

Gerade darin liegt jedoch die strategische Herausforderung. Kurzfristige Zwänge bestimmen das Tagesgeschäft, doch langfristige Entscheidungen sichern die Wettbewerbsfähigkeit. Auch 2026 geht es weniger um neue Hypes als um tragfähige Strukturen: saubere Prozesse, belastbare Daten, souveräne Plattformen. Organisationen, die konsequent in diese Grundlagen investieren, schaffen Stabilität und legen damit das Fundament für nachhaltigen Erfolg.

Andreas Dangl ist Entrepreneur und Geschäftsführer der Fabasoft Approve GmbH. In seiner Funktion unterstützt er Unternehmen aus der Industrie bei der Einführung von KI-gestütztem Dokumenten- und Qualitätsmanagement. www.fabasoft.com/approve

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