Mehr Frauen in die IT! – Ein Plädoyer für mehr Diversität und Gleichberechtigung

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 / 10. May. 2021

„Mehr Frauen in die IT“ – wenn man die Zahlen der IT-Branche kennt, wird einem schmerzlich bewusst, dass es so eines Aufrufs bedarf: Gerade einmal 16 Prozent beträgt der Frauenanteil in Deutschlands IT, so eine Studie von eco – Verband der Internetwirtschaft [1]. Der Frauenmangel in der Informationstechnologie und anderen MINT-Disziplinen ist dabei kein rein deutsches Problem, sondern ein weltweites. Zudem herrscht ein grundsätzlicher Mangel an IT-Fachkräften – beklagt wurde er 2019 laut Statista [2] von mehr als 80 Prozent aller deutschen Wirtschaftsunternehmen. Es besteht also erhöhter Handlungsbedarf! 

In Anbetracht des geringen Frauenanteils fällt es beinahe schwer zu glauben, dass die Anfänge der IT noch ganz anders aussahen – sie war überwiegend ein Frauenberuf. Noch in den 1940er-Jahren war es Aufgabe von Programmiererinnen, das umzusetzen, was die männlichen Ingenieure vorgaben. Dass die Programmierarbeit der erheblich schwerere Teil der Arbeit war, wurde erst später deutlich.

Eine der Pionierinnen der Informatik, Grace Hopper [3], schuf nicht nur den ersten Compiler überhaupt, sie war auch davon überzeugt, dass Frauen ganz natürlich in die IT gehören. So sagte sie einmal: „Man muss vorausplanen und alles so terminieren, dass es fertig ist, wenn man es braucht. Das geht nur mit Geduld und dem Blick für Details. Frauen sind Naturtalente im Programmieren.“ Selbst der Begriff Bug für einen Fehler im System ist auf Grace Hopper zurückzuführen – und auf eine verirrte Motte, die sich in der Hardware ihres Computers wiederfand.

Eine weitere erfolgreiche, aber lange verkannte Frau in der Geschichte der IT war Margaret Hamilton [4]. Sie war in den 1960er-Jahren Ingenieurin der NASA und entwickelte die Software des Flugsteuerungssystems der Mondmission Apollo. Neben vielen interessanten Anekdoten rund um diesen Teil des frühen US-Raumfahrtprogramms sticht eine über Hamiltons Rolle als Mutter besonders heraus, die verdeutlicht, wie diverse Perspektiven die IT nach vorne bringen können.

Aber der Reihe nach: Margaret Hamilton war berufstätige Mutter und brachte ihre kleine Tochter daher häufig mit zur Arbeit, wenn sie abends länger bleiben musste. Als die Kleine eines Tages am Steuermodul von Apollo herumspielte, brachte sie mit wenigen Knopfdrücken das Simulationsprogramm zum Absturz. Während einer tatsächlichen Mission wäre ein solcher Ausfall fatal gewesen. Im Ernstfall hätten die Astronauten der Mondmission keine Möglichkeit gehabt, die Navigationsdaten wiederherzustellen und wären im All sich selbst überlassen gewesen. Nach anfänglichem Widerstand durfte Hamilton die Software durch einen entsprechenden Warnhinweis ergänzen, nachdem während der Apollo 8 Mission exakt dieser Fall eingetreten war.

Weibliche Perspektiven erlauben es Teams, anders auf Probleme zu schauen und Herausforderungen durch eine größere Ideenvielfalt besser zu meistern. Auch wenn Gleichberechtigung als gesellschaftlicher Anspruch (knapp!) im Grundgesetz verankert wurde, brauchen wir auch und gerade in der IT alternative Blickwinkel, die Technologien inklusiver und somit besser für alle Nutzer*innen machen. Das gilt nicht nur für Berufsbilder wie etwa Software-Entwickler*innen oder

Informatiker*innen, sondern für das gesamte Feld der IT. Und wir müssen versuchen, künstliche Hemmschwellen für die Auseinandersetzung und Nutzung von Technologie durch Frauen abzubauen. Insgesamt gilt es, mehr Frauen für Technologie zu begeistern.

Seien es die frühen Generationen von Airbags, die speziell auf maskuline Körper zugeschnitten waren oder Spracherkennungssoftware, die grundsätzlich männliche Stimmen besser erkennt [5]: Solange männliche Perspektiven dominieren, leben wir in einer Welt, die für Männer gemacht ist – das gilt nicht zuletzt für die IT-Branche. Es ist an der Zeit, sich daran zu erinnern, was die IT-Welt Powerfrauen wie Grace Hopper, Margaret Hamilton und vielen weiteren ihrer Art zu verdanken hat. Ich lade alle Frauen und Mädchen ein, es diesen großen historischen Vorbildern nachzutun!

 

Quellen und Referenzen:

[1] https://www.eco.de/rahmen-und-arbeitsbedingungen-fuer-frauen-in-der-internetwirtschaft-ist-situation-und-handlungsempfehlungen/

[2] https://de.statista.com/infografik/16584/zu-besetzende-it-stellen-in-der-deutschen-gesamtwirtschaft/

[3] https://www.britannica.com/biography/Grace-Hopper

[4] https://www.theguardian.com/technology/2019/jul/13/margaret-hamilton-computer-scientist-interview-software-apollo-missions-1969-moon-landing-nasa-women

[5] http://www.ethicsinnlp.org/workshop/pdf/EthNLP06.pdf

 

 

Über den Autor / die Autorin:


Enya Neumann , Teil der Leitung der ADN Akademie, ist seit mehr als 10 Jahren in der IT-Branche zuhause. Für die Akademie entwickelt sie Ausbildungsmaßnahmen und unterstützt so den ITK-Channel und IT-Hersteller bei der Markteinführung ihrer Lösungen