Digital human: Die Korrelation von Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Compliance als Exzellenzfaktor für Unternehmen

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 / 26. September. 2018

Durch die Einführung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ist das Thema Compliance wieder in den Fokus einer verantwortungsvollen bzw. nachhaltigen Unternehmensführung gerückt. Was das bedeutet und wie die Digitalisierung bei der Umsetzung von Compliance und einer Nachhaltigkeitsstrategie in Unternehmen helfen kann, verraten Johannes Pföhler und Marco Englert. Beide möchten wieder etwas Menschlichkeit in die zuweilen sehr technische Digitalisierungsdebatte bringen und die mit den Begriffen „digital“ und „human“ verbundenen Synergien aufzeigen.

INTERVIEW

Herr Pföhler, die Datenschutzgrundverordnung ist einer der großen Aufreger in diesem Jahr. Was genau hat das mit den Themen Compliance und verantwortungsvoller Unternehmensführung zu tun?

Pföhler: Durch einige Skandale in der letzten Zeit, allem voran der Datenmissbrauch bei Facebook durch Cambridge Analytica, ist der Schutz von personenbezogenen Daten in Unternehmen immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Durch die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) besteht nun eine Pflicht, sich mit diesem Problem auseinander zu setzen. Unternehmen sollten die Verordnung aber nicht nur als Pflicht, sondern als Chance begreifen, grundsätzliche firmeninterne Missstände beseitigen zu können.

Sprechen wir von der DSGVO laden wir automatisch beim Thema Compliance, das allerdings natürlich wesentlich vielschichtiger ist. Compliance beschreibt gesetzeskonformes Verhalten von Unternehmen, beispielsweise den Umgang mit Mitarbeitern und Zulieferern, Anti-Korruptionsstrategien und interne und externe Verhaltenskodizes. Eine reine Strategie zur Gewinnmaximierung ist in der heutigen Zeit nicht mehr ausreichend. Unternehmen müssen ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen und diese Themen in Ihre Strategie implementieren.

Werden wir etwas konkreter: Was verlangt das Thema Compliance von Unternehmen?

Pföhler: Aus rein rechtlicher Sicht muss ein Unternehmen bzw. dessen Entscheidungsträger gesetzliche Vorgaben einhalten. Geschieht dies nicht können diese nach den Paragraphen §§ 9, 30 und 130 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten (OWiG) belangt werden. Ein aktuelles Beispiel dafür ist sicherlich das Strafverfahren von Ex-VW-Chef Martin Winterkorn im Zuge des VW-Abgasskandals. Somit zeigt sich, dass Entscheidungsträger entsprechende Organisations- und Aufsichtsmaßnahmen in die Wege leiten müssen. Zusätzlich empfiehlt es sich, stark an einer entsprechenden Unternehmenskultur zu arbeiten, damit es gar nicht erst zu Gesetzesverstößen kommt.  Eine Kultur, die die gesellschaftliche Verantwortung des eigenen Unternehmens beachtet und somit einen fairen Umgang miteinander fördert. Dies führt langfristig zu mehr Resilienz und das schlussendlich zu mehr Erfolg.

Im Grunde ist es nämlich ganz einfach: Wenn ich als Unternehmen Verpflichtungen einhalte, werde ich langfristig erfolgreicher sein als wenn ich das nicht tue. Das gilt für Umwelt- und soziale Belange genauso wie für alle anderen Belange der Unternehmensführung. Insofern gehen Compliance und Nachhaltigkeit Hand in Hand.

Wie können Sie denn mit Nachhaltigkeit einen monetären Unternehmenserfolg erreichen?

Pföhler: Bei Nachhaltigkeit geht es um den langfristigen Erfolg des Unternehmens – sozusagen um die Zukunftssicherheit. Für Unternehmen bedeutet das primär ein gesundes Wachstum: Sie werden durch ein Mehr an Ertrag mit einem Mehr an Kredit und Ertrag belohnt und sichern dadurch dauerhaft ihre Existenz. Dem steht ein neues Verständnis von Nachhaltigkeit gegenüber, das stärker auf die Verantwortung in ökologischer und gesellschaftlicher Hinsicht abstellt, im Idealfall durch eine Ressourcennutzung, die Ressourcen nicht ausbeutet, sondern erhält. Die Herausforderung für Unternehmen besteht darin, diese beiden Ziele in Einklang zu bringen und daraus ein langfristig erfolgreiches Geschäftsmodell zu entwickeln.

Compliance ist dabei ein wesentlicher Teil. Erfolgreiches Compliance-Management sichert die Geschäftsbeziehungen und somit auch die Arbeitsplätze im eigenen Unternehmen und bei den Zulieferern. Eine partnerschaftliche Beziehung zu seinen Stakeholdern ist Grundlage für das Wachstum und den Erfolg des Unternehmens. Darüber hinaus spielt ein Compliance-System natürlich eine wichtige Rolle, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.  So hilft es z.B. dabei, Prozesse einzuführen, die Nachhaltigkeit berücksichtigen. Und dabei, flächendeckend im Unternehmen eine Kultur zu fördern, die Nachhaltigkeitsbelange betrachtet.

Herr Englert, welchen Beitrag kann denn die Digitalisierung dabei leisten?

Englert: Transparenz und Kommunikation sind die Schlüsselbegriffe für die Umsetzung von Compliance- und Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Um das zu gewährleisten müssen sich Unternehmen mit der digitalen Transformation beschäftigen. Gerade das Nachhaltigkeitsmanagement wird durch Big Data und Social Media beeinflusst. So erfährt es vor allem durch Clouds und Computer eine gute Unterstützung. Bequemer gelingt so die Informationsbeschaffung, aber auch die Koordination und kommunikative Außendarstellung der Nachhaltigkeitsleistung. Damit beeinflusst die Digitalisierung maßgeblich wesentliche Disziplinen des Nachhaltigkeitsmanagements: Input, Unternehmenstransformation, Output.

Beim Umgang mit der Digitalisierung ist aber auch das richtige Mindset entscheidend. Denn die digitalisierte Arbeitswelt bringt auch neue Anforderungen mit sich: So werden eigenverantwortliches Handeln, permanente Selbstoptimierung, gruppendynamische Prozesse und eine schnelle Verständigung in sozialen Netzwerken immer wichtiger. Mit der Digitalisierung avancieren innerbetriebliches Networking, Bildungsarbeit und soziale Durchsetzungsstärke zu Schlüsselkompetenzen. Dabei ist der Faktor Mensch wichtig – somit spreche ich auch gerne von der humanen Digitalisierung der Arbeitswelt.

Können Sie ein gutes Beispiel für die Korrelation der drei Themen Compliance, Nachhaltigkeit und Digitalisierung nennen?

Englert: Vor kurzem hat die Global Reporting Initiative (GRI), die weltweit führende Organisation für Entwicklung von Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandards, ein Tool veröffentlicht, das die direkte digitale Berichterstattung möglich macht. In die Berichterstattungsstandards der GRI sind in jeder der drei Säulen – Ökonomie, Ökologie und Soziales –  Compliance-Aspekte integriert. Somit erhalten wir eine Korrelation von allen drei Themen. Compliance ist in das Nachhaltigkeitsmanagement integriert und wird durch digitale Werkzeuge unterstützt.

Somit werden gesetzliche Standards in eine möglichst ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie integriert und digital umgesetzt.

Welche Rahmenbedingungen müssen Ihrer Ansicht nach geschaffen werden, damit diese drei Themen gut miteinander harmonisieren?

Englert: Momentan besteht der Trend, dass sowohl Nachhaltigkeit und Compliance als auch die Digitalisierung als eigenständige Disziplinen wahrgenommen werden. Das hat zwar seine Gründe, führt aber häufig dazu, dass in den täglichen Prozessen ineffiziente Iterationsschleifen eingebaut werden müssen. Diese Schleifen sind aber oftmals ein Hindernis für den Erfolg. Bestenfalls werden alle drei Trends ein integraler Bestandteil aller Prozesse.

Dazu notwendig ist eine entsprechende Unternehmenskultur, die eine nachhaltige und verantwortungsvolle Denkweise, Einstellung und Haltung aller Mitarbeiter fördert.

Warum sind Nachhaltigkeit und Digitalisierung die zentrale Säule einer exzellenten Unternehmensführung?

Englert: In der modernen VUKA-Welt sind Entscheidungen mit Blick auf den Vierklang aus wirtschaftlicher, ökologischer, sozialer und technologischer Nachhaltigkeit erforderlich. Kaum eine andere Managementdisziplin hat in den letzten Jahren hier eine derartig rasante Entwicklung erfahren wie die nachhaltige und digitale Unternehmensführung. Sie hat sich als Querschnittsfunktion in den Führungsetagen als zentrale Säule einer exzellenten Unternehmensführung etabliert. Das Thema der Neugestaltung von Wertschöpfungsprozessen bzw. Lieferketten und die damit verbundenen Lösungsansätze sind zentral für die Entwicklung neuer Produkte, Services und Geschäftsmodelle. Durch die Digitalisierung und neue Informations- und Managementsysteme eröffnen sich im Rahmen einer nachhaltigen und digitalen Unternehmensführung völlig neue Möglichkeiten für nachhaltige, intelligente und vernetzte Lösungen. Ein nachhaltiges Management 4.0 zeichnet sich dadurch aus, dass die Integration von Nachhaltigkeit und digitalen Innovationen in alle Managementaktivitäten zu einer Verbesserung der Performance, Quality und Compliance führt. So kann Excellence in sämtlichen Unternehmensaktivitäten erreicht werden.

Der Autor: Johannes Pföhler (MSc) ist selbstständiger Berater für Nachhaltigkeitsmanagement, Initiator des Nachhaltigkeitsnetzwerks Sustainable Management Circle (SMC) und Lehrbeauftragter an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt. 

Der Autor: Marco Englert (MSc, MBA) ist Manager, Berater und Coach. Er steht für ein Excellence-Mindset, das Menschlichkeit, Gleichgewicht bzw. Balance, Innovation und Nachhaltigkeit fördert. Im Rahmen von Managementstrategien und -systemen beschäftigt er sich mit innovativen Ansätzen zur Gestaltung eines nachhaltigen Managements.

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