KMU-Digitalisierung: “offline only” funktioniert nicht mehr

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 / 21. July. 2021

Das  letzte  Jahr  hat  viele  Unternehmen  vor  neue  Herausforderungen  gestellt:  Sie  mussten  Geschäftsmodelle  neu  ausrichten  und  ihre  Arbeitsweisen  ändern,  manche fürchteten  um  ihre  Existenz.  Die  Pandemie  hat  verdeutlicht,  wie  wichtig  eine “digitale  Identität”  auch  für  kleine  Unternehmen  ist,  um  online  präsent  und  im  Homeoffice  remote  arbeitsfähig  zu  sein.  Doch  hat  sich  die  Krise  tatsächlich als “Digitalisierungs-Beschleuniger”  erwiesen?  In  diesem  Artikel  gibt  Patrick  Schaudel, Experte  für  E-Business  und  Online-Marketing,  einen  Überblick  über  den Digitalisierungsgrad  der  kleinen  und  mittelständischen  Unternehmen  (KMU)  in  Deutschland  und  gibt  hilfreiche  Tipps,  wie  auch  diesen  Unternehmen  der  Start  in  die  Online-Welt  gelingt.

Deutschland hinkt im europäischen Vergleich hinterher

Eine  Umfrage  von  YouGov  im  Auftrag  von  IONOS [1] zeigt,  dass  sich  die  KMU  in  Deutschland  zwar  pandemie-bedingt  etwas  stärker  digitalisiert  haben,  es  aber  weiterhin  viel  Potenzial  gibt  –  im  internationalen  Vergleich  liegen  sie  der  Umfrage  zufolge  sogar  meist  auf  den  hinteren  Plätzen.  Zwar  verfügen  mittlerweile  63  Prozent  der  befragten  Unternehmen  über  einen  Internetauftritt,  das  sind  15  Prozent  mehr  als  vor  der  Pandemie.  Ein  Drittel  der  Befragten  hat  jedoch  noch  immer  keine  eigene  Website.  In  den  viel  genutzten  und  relevanten  Online-Verzeichnissen,  die  für  die  Sichtbarkeit  von  Unternehmen  im  Internet  essentiell  sind,  ist  über  die  Hälfte  der  KMU  nach  wie  vor  nicht  gelistet.  Vor  der  Corona-Krise  waren  es  sogar  weniger  als  ein  Drittel.  Ein  Viertel  der  befragten  KMU  sieht  nicht  einmal  den  Bedarf  an  Digitalisierung  –  das  dürfte  perspektivisch  existenzgefährdend  sein.

Während  die  Zahlen  im  Hinblick  auf  die  Nutzung  einer  Firmenwebsite  in Deutschland,  Großbritannien,  Frankreich  und  Spanien  ähnlich  sind,  zeigen  sich  bei  anderen  Digitalisierungsmaßnahmen  im  europäischen  Vergleich  deutliche  Unterschiede.  Tools  für  die  digitale  Zusammenarbeit  sowie  Kunden-Newsletter  kommen  in  deutschen  Kleinunternehmen  seltener  zum  Einsatz  als  in  den  anderen  europäischen  Ländern:  Nur  knapp  die  Hälfte  (49  %)  nutzt hierzulande Kollaborationslösungen,  Großbritannien  führt  diesen  Bereich  mit  71  %  klar  vor  Spanien  (61  %)  und  Frankreich  (59  %)  an.  Mit  Blick  auf  die  Nutzung  von  Newslettern  liegt  Spanien  (76  %)  ebenfalls  vorn,  vor  Frankreich  (62  %)  und  Großbritannien  (61  %).  In  Deutschland  liegt  die  Adoptionsrate  bei  54  %.

Online-Umfrage von YouGov unter ca. 3500 Personen aus Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern in D, GB, E und F (Dezember 2020/Januar 2021).
Online-Umfrage von YouGov Deutschland GmbH unter 945 Personen aus Unternehmen bis 250 Mitarbeiter, Befragungszeitraum 11. -21,12.2020

“Offline only” funktioniert nicht mehr

Die  Pandemie  hat  uns  die  Vorteile  des  Online-Seins  sowohl  im  Privaten  als  auch  im Beruflichen  deutlich  vor  Augen  geführt.  Grund  genug  für  Unternehmen,  sich  dieser Entwicklung  nicht  zu  verschließen.  Die  zukünftigen  Kunden  wachsen  mit  dem  Smartphone  in  der  Tasche  auf,  Google,  Instagram  &  Co.  sind  für  sie selbstverständlich.  Konsumenten,  die  zunehmend  digitaler  werden,  erwarten  dies  folglich  auch  von  Unternehmen,  Geschäften  und  Dienstleistern.  Wer  weiterhin  auf  das  “Offline  only”-Modell  setzt  und  überhaupt  nicht  im  Internet  präsent  ist,  wird  diese  neue  Konsumentenschicht  nicht  erreichen.  Natürlich  benötigt  nicht  jedes Unternehmen  denselben  Grad  an  Digitalisierung,  aber  ganz  ohne  “digitale  Identität”  wird  es  zukünftig  nicht  mehr  funktionieren.

Unternehmen bewerten ergriffene Maßnahmen positiv

Obwohl  immer  mehr  Kleinunternehmen  realisieren,  dass  sie  ihre  Digitalisierung  vorantreiben  müssen,  um  zukunftsfähig  zu  bleiben,  tun  sich  viele  bei  der  Umsetzung  noch  schwer.  Neben  fehlendem  Know-how  scheitert  es  oft  am  Faktor  Zeit,  oder  an  einer  Kombination  von  beidem.  Im  Alltagsgeschäft  werden  Digitalisierungsprojekte  daher  oft  auf  später  verschoben.  Trotzdem  sollten  Kleinunternehmen  sich  die  Zeit  dafür  nehmen  –  es  lohnt  sich.  61  Prozent  der  Befragten  gaben  an,  dass  sie  positives  Feedback  für  ihre  Digitalisierungsaktivitäten  erhalten  haben  beziehungsweise  sie  dadurch  für  künftige  Krisen  besser  aufgestellt  sind.  42  Prozent  konnten  sogar  neue  Kunden  gewinnen.  Grund  genug  also,  die  Digitalisierung  nicht  auf  die  lange  Bank  zu  schieben.

Mit kleinen Schritten zum Erfolg

Der  Schlüssel  zum  Erfolg  liegt  darin,  klein  anzufangen  und  die  digitale  Identität  dann  nach  und  nach  auszubauen.  Ein  Austausch  mit  Freunden  und  Bekannten  kann  helfen,  um  Erfahrungen  und  Ideen  zu  sammeln.  Wer  sich  nicht  auskennt,  sollte  einfache  technische  Lösungen  wählen,  die  kein  umfangreiches  IT-Know-how erfordern.

Zunächst  kommt  es  darauf  an,  dass  die  Firma  online  sichtbar  und  auffindbar  ist. Hierfür  eignen  sich  Einträge  in  relevanten  Online-Verzeichnissen,  dadurch  wird  das  Unternehmen  in  Suchmaschinen  leichter  gefunden.  Hosting-Dienstleister  bieten  hierfür  Services  an,  bei  denen  der  Eintrag  auf  allen  wichtigen  Plattform  automatisch  synchronisiert  wird.  Das  erleichtert  die  Pflege  der  Inhalte.  Im  nächsten  Schritt  kann  dann  beispielsweise  eine  Website  mit  passender  Internetadresse  erstellt  werden.  Intuitiv  zu  bedienende  Homepage-Baukästen  oder  Services,  bei  denen  Experten  die  maßgeschneiderte  Website-Erstellung  initial  übernehmen,  erleichtern  den  Einstieg  in  die  Online-Welt.

Fazit: Es  ist  nachvollziehbar,  dass  die  (weitere)  Digitalisierung  des  Unternehmens  nicht  im  Fokus  steht,  wenn  dringende  Projekte  anstehen  oder  die  geschäftliche  und  finanzielle  Situation  unklar  ist.  Doch  das  ist  zu  kurz  gedacht.  Die  Pandemie  hat  deutlicher  gemacht,  wie  essentiell  es  ist,  sich  jetzt  um  die  Online-Präsenz  seines  Unternehmens  zu  kümmern,  um  langfristig  bestehen  zu  können.  Unternehmen,  die  das  bereits  gemacht  haben  oder  jetzt  in  Angriff  nehmen,  werden  danach  einen  entscheidenden  Vorteil  haben.

Referenzen:

[1] Online-Umfrage  von  YouGov  im  Auftrag  von  IONOS  unter  insgesamt  ca.  3.500  Personen  aus  kleinen  und  mittelständischen  Unternehmen  mit  bis  zu  250  Mitarbeitern  in  Deutschland,  Großbritannien,  Spanien  und Frankreich  (DE:  945  Personen,  Befragungszeitraum  11.-  21.12.2020;  UK:  1.003  Personen,  Befragungszeitraum 14.-17.  Januar  2021;  ES:  517  Personen,  Befragungszeitraum  14.-19.  Januar  2021;  FR:  1.000  Personen, Befragungszeitraum  14.-18.  Januar  2021).

Über den Autor / die Autorin:


Patrick Schaudel verfügt über langjährige Erfahrung in der IT- und Softwarebranche und ist Experte für E-Business und Online Marketing. Bei IONOS verantwortet er das Online-Applikations-Portfolio für den digitalen Erfolg kleiner und mittelständischer Unternehmen.