Change Management: Fünf Tipps für einen erfolgreichen Kulturwandel

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 / 7. April. 2021

Jedes Unternehmen hat seine eigene, spezifische Unternehmenskultur. Egal, ob diese bewusst entwickelt und gefördert wurde oder ob sie sich einfach ergeben hat, von Zeit zu Zeit ist ein Kulturwandel nötig um mit den Entwicklungen Schritt zu halten. Doch das ist leichter gesagt als getan. Es ist oft harte Arbeit, die Mitarbeiter von neuen Arbeitsweisen zu überzeugen. So haben Untersuchungen der Unternehmensberatung McKinsey gezeigt, dass 70 Prozent der Change Management-Programme ihre Ziele verfehlen. Der Grund? Die Führungskräfte sind nicht in der Lage, ihre Belegschaft vom Wert neuer Initiativen zu überzeugen.

Doch das muss nicht so sein. Es gibt spezifische Maßnahmen, die Unternehmen ergreifen können, um den Erfolg der Change Management-Initiativen sicherzustellen. Das ist wichtig, denn eine starke Unternehmenskultur bringt erhebliche Vorteile. Doch was macht eine solche Unternehmenskultur aus?

Die Vorteile einer starken Unternehmenskultur

Es ist schwierig, zu definieren, was eine starke Unternehmenskultur ist. Sicherlich gehören Attribute wie zum Beispiel eine offene, transparente Unternehmenskommunikation, die Priorisierung der Sicherheit der Mitarbeiter sowie eine faire, gerechte Behandlung jedes einzelnen dazu.

Unternehmen mit einer starken Unternehmenskultur erkennt man auch daran, dass sie in die Weiterentwicklung ihrer Mitarbeiter investieren und sich auf allen Ebenen der Firma zur Rechenschaft verpflichten. Diversity und Inklusion (D&I) werden gezielt angegangen. Unternehmen mit einer starken Kultur sind in der Regel in den Kommunen, in denen sie ansässig sind, hochgeachtet.

Die Vorteile einer starken Unternehmenskultur gehen weit über diese immateriellen Vorteile hinaus und wirken sich direkt auf das Geschäftsergebnis aus. Laut einer Studie von Gallup[1] kann eine Unternehmenskultur, die die besten Mitarbeiter anzieht, insgesamt zu einem um 33 Prozent höheren Umsatz führen.

Auch bei den Rankings zu den beliebtesten Arbeitgebern in Deutschland ist die Unternehmenskultur ein entscheidender Faktor. Daher ist es nicht verwunderlich, dass laut einer Studie von StepStone[2] Deutschland, 28 Prozent der Befragten angaben, dass eine unpassende Unternehmenskultur ein Kündigungsgrund sei.

Eine starke Unternehmenskultur steigert auch das Mitarbeiterengagement – und engagierte Mitarbeiter sind weitaus produktiver als ihre unmotivierten Kollegen. Laut einer Studie von Achievers[3] gaben nur 19 Prozent der Mitarbeiter an, „sehr engagiert“ zu sein.

Umgekehrt kommt fehlendes Mitarbeiterengagement Unternehmen teuer zu stehen. Laut Schätzungen von Gallup haben unmotivierte Mitarbeiter 37 Prozent höhere Fehlzeiten, 18 Prozent geringere Produktivität und 15 Prozent geringere Rentabilität.

Herausforderungen bei der Gestaltung des Kulturwandels im Unternehmen

Trotz aller Vorteile, für Mitarbeiter ist es nicht einfach, mit Veränderungen am Arbeitsplatz umzugehen. Das größte Hindernis für Personalverantwortliche ist es, die Mitarbeiter zu motivieren, neue Arbeitsweisen anzunehmen. Fehlende Motivation ist eine häufige Ursache für das Scheitern des Kulturwandels. Wenn Unternehmen es versäumen in die für die Veränderung notwendigen Fähigkeiten der Mitarbeiter zu investieren, verschärft sich das Problem noch weiter.

Man muss sich vergegenwärtigen, dass man von einzelnen Mitarbeitern verlangt, ihre Herangehensweise an Situationen zu ändern, die sie in der Vergangenheit dutzende – ja hunderte – Male genauso erfolgreich ausgeführt haben. Es ist schwierig, eingefahrene Gewohnheiten aufzubrechen, besonders wenn die Mitarbeiter der Meinung sind, ihre traditionellen Methoden seien effektiv. Um diesen Widerstand zu entschärfen und neue Verhaltensweisen zu fördern, sollten Unternehmen effektive Strategien entwickeln und dann kleine und große Erfolge auf dem Weg dorthin belohnen.

Fünf Tipps für einen erfolgreichen Kulturwandel

Der Kulturwandel im Unternehmen ist nicht einfach, aber die Investition zahlt sich langfristig aus. Kluge Unternehmenslenker verfolgen bei diesen Initiativen einen holistischen Ansatz, der auf inspirieren und motivieren der Belegschaft setzt. Eine transparente und effektive Kommunikation ist ein wichtiger Teil dieses Ansatzes, ebenso wie das Anhören der Mitarbeiter, ihre Wertschätzung und die Umsetzung ihres Feedbacks. Darüber hinaus ist es wichtig, dass der Kulturwandel langfristig und unabhängig von internen und externen Faktoren im Geschäftsumfeld sichergestellt wird. Folgende fünf Tipps helfen Unternehmen diesen holistischen Ansatz auf ihre Change Management Initiativen anzuwenden:

Tipp #1 Inspirieren und motivieren

Eine erfolgreiche Veränderung der Unternehmenskultur erfordert ein echtes, dauerhaftes Engagement der Führungskräfte, sowohl von oben nach unten als auch von unten nach oben. Die Führungskräfte auf oberster Ebene müssen den angestrebten Zielzustand sichtbar und deutlich kommunizieren und ihren Einfluss nutzen, um die Mitarbeiter im gesamten Unternehmen zu inspirieren und zu motivieren. Sie müssen mit gutem Beispiel vorangehen, indem sie die gewünschten Verhaltensänderungen in ihren eigenen Interaktionen am Arbeitsplatz demonstrieren.

Führungskräfte auf anderen Ebenen können dann auf der Arbeit der Chefetage aufbauen. Auch sie sollten die Beziehungen zu den Mitarbeitern in ihrer Abteilung nutzen, um für Verständnis für die Initiative zu werben, für diese zu begeistern und die Mitarbeiter zu motivieren, die neuen Verhaltensweisen in ihre täglichen Aufgaben einzubauen. Es ist entscheidend, dass auch sie mit gutem Beispiel vorangehen und den richtigen Ton vorgeben.

Falls nötig, sollten Unternehmen hier in entsprechende Weiterbildungsangebote investieren und darauf achten, dass alle Führungskräfte vom Teamleiter bis hin zum Vorstand die Initiative unterstützen. Verfügt ein Manager nicht über die Fähigkeiten, die neuen Verhaltensweisen umzusetzen und hat er wohl möglich gar kein Interesse an der Entwicklung dieser Fähigkeiten, ist sein gesamtes Team oder sogar der ganze Unternehmensbereich davon betroffen und die Initiative droht zu scheitern.

Tipp # 2 Offene Kommunikation

Vermutlich kennt jeder eine Geschäftsinitiative, die erst mit großem Tamtam angekündigt wurde und dann in der Versenkung verschwand. Um zu vermeiden, dass ihre Change Management Initiative nicht in diese Kategorie fällt, ist die richtige Kommunikation entscheidend. Diese sollte kontinuierlich über mehrere Kanäle hinweg stattfinden und die Perspektiven einer Vielzahl von Stimmen innerhalb der Firma einschließen.

Wichtig ist, dass die Unternehmensmission und -werte in alle Aspekte des Unternehmens mit einfließen. Unternehmen sollten eine gemeinsame Sprache für ihre kulturellen Ideale entwickeln und diese in ihren Leistungsdiskurs einbauen. Dabei sollte die Verbindung zwischen bestimmten Unternehmenswerten und den neuen angestrebten Verhaltensweisen klar herausgestellt werden. Unternehmen, die einen Kulturwandel anstreben, müssen transparent sein und Änderungen regelmäßig mit der Belegschaft kommunizieren.

Tipp # 3 Zuhören und handeln

Jeder will gehört werden, das gilt besonders in Zeiten des Wandels. Unternehmen, die einen Kulturwandel anstreben, sollten regelmäßig das Feedback ihrer Mitarbeiter einholen. Jährliche Umfragen zum Mitarbeiterengagement sind nicht genug. Denn wenn ein Arbeitgeber dann auf die jährliche Umfrage reagiert, ist das Feedback oft bereits nicht mehr aktuell.

Besser sind häufigere Check-ins zum Beispiel mittels Mitarbeiterfeedback-Lösungen. Unternehmen können die Mitarbeiter monatlich oder vierteljährlich zu der Change Management Initiative befragen, die Ergebnisse vergleichen und Trends identifizieren, die zeigen, wie die Mitarbeiter mit den Veränderungen am Arbeitsplatz umgehen. Es gibt sogar Echtzeit-Feedback-Optionen, wie zum Beispiel einen ständig aktiven, mitarbeitergesteuerten Feedback-Kanal in Form eines Arbeitsplatz-Chatbots, der es den Mitarbeitern ermöglicht, jederzeit Vorschläge zu machen und Bedenken mitzuteilen.

Allerdings ist das Einholen von Feedback nur der erste Schritt. Unternehmen müssen auch entsprechend darauf reagieren. Nichts ist demotivierender, als Probleme zur Sprache zu bringen, die dann unbehandelt bleiben. Für das Gelingen des Kulturwandels müssen die Manager und Führungskräfte bei ihren Teams nachfassen, die Umfrageergebnisse diskutieren und gemeinsam Aktionspläne erstellen. Die Einbeziehung der Mitarbeiter während des gesamten Prozesses ist wichtig, damit die Initiative Erfolg hat.

Häufige Gelegenheiten, sich Gehör zu verschaffen, zusammen mit der Gewissheit, dass Maßnahmen ergriffen werden, tragen dazu bei, Vertrauen zwischen Führungskräften und Teammitgliedern aufzubauen. Das wiederum verbessert das Engagement und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Belegschaft die Veränderungen akzeptiert. Während der Initiative ist es wichtig am Puls des Mitarbeiterengagements zu bleiben und gegebenenfalls schnell und intelligent mit Kurskorrekturen auf das Feedback zu reagieren.

Tipp # 4 Anerkennen und belohnen

Die Anerkennung von Erfolgen und Leistungen, die die angestrebte Kultur veranschaulichen, tragen wesentlich dazu bei, dass Mitarbeiter die Initiative annehmen. Diejenigen, die für ihre Verhaltensweisen entsprechend anerkannt werden, sind motiviert, diese zu wiederholen. Laut einer Studie von Achievers gaben 92 Prozent der Mitarbeiter an, dass sie, wenn sie für eine bestimmte Handlung anerkannt werden, eher bereit sind, diese Handlung in der Zukunft zu wiederholen.

Unternehmen, die einen Kulturwandel am Arbeitsplatz anstreben, sollten darauf achten, eine integrative Umgebung zu schaffen und ihre Mitarbeiter für ihre Bemühungen, die neuen Ansätze mit einer positiven Mentalität anzugehen, belohnen.

Tipp # 5 Für kulturelle Kontinuität sorgen

Auf eines können sich Unternehmen in unseren unsicheren Zeiten verlassen: Es wird immer wieder Hindernisse und Herausforderungen geben, die bewältigt werden müssen. Nicht immer so heftig wie bei Corona, aber auch Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Veränderung der nationalen oder globalen wirtschaftlichen Bedingungen setzen Unternehmen unter Druck. Wie sie auf solche Herausforderungen reagieren, zeigt den Erfolg ihrer Change Management Initiativen. Um ein nachhaltiges Engagement am Arbeitsplatz aufzubauen, sollten Unternehmen sich auf die kulturelle Kontinuität und die Widerstandsfähigkeit am Arbeitsplatz konzentrieren.

Sind die Teammitglieder in der Lage bei Herausforderungen gemeinsam an Lösungen zu arbeiten? Können sie sich flexibel an die neuen Umstände anpassen? Wird das Unternehmen als Ganzes als eine Gemeinschaft gesehen? Gerade bei unerwarteten Ereignissen ist der Change-Management-Plan wichtig. Unternehmen sollten sich bei Herausforderungen darauf konzentrieren, alle Mitarbeiter mit einzubeziehen. Die Fähigkeit eines Unternehmens, die kulturelle Kontinuität auch in Krisenzeiten aufrechtzuerhalten, ist der letzte Schritt zur Schaffung eines nachhaltigen Wandels.

Wenn immer möglich, sollten Unternehmen überdenken, wie die Arbeit erledigt wird und entsprechende Anpassungen vornehmen, um die gewünschte Kultur besser zu reflektieren. Egal welche Ziele Unternehmen bei ihren Change Management Initiativen anstreben, indem sie die gewünschten Verhaltensweisen in den Arbeitsalltag integrieren, stellen sie sicher, dass die Veränderungen von Dauer sind. Mitarbeiter, die der neuen Kultur eher skeptisch gegenüber stehen, ändern leichter ihre Haltung, wenn sie konkrete Ergebnisse sehen.

 

Quellen und Referenzen:

[1] https://www.gallup.com/workplace/238052/culture-wins-getting-people.aspx

[2] https://www.stepstone.de/e-recruiting/blog/die-8-haufigsten-kundigungsgrunde/

[3] https://www.achievers.com/press/achievers-survey-finds-up-to-64-of-employees-surveyed-may-leave-their-jobs-in-2020/

 

Über den Autor / die Autorin:


Susanne Gensch ist Lösungsberaterin bei Achievers. In dieser Funktion hilft sie Achievers Kunden in Europa den bestmöglichen Einsatz der Achievers-Plattform zu identifizieren, um somit das Mitarbeitererlebnis zu optimieren und das Erreichen strategischer Geschäftsziele sicherzustellen.