Die digitale Transformation beginnt im Kopf

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 / 14. September. 2020

Erst der Digital Mindset ermöglicht einen nachhalten digitalen Wandel

Die digitale Transformation ist eine nachhaltige Veränderung, die vor allem die Arbeitswelt maßgeblich beeinflusst. Der zukünftige und teilweise bereits heutige Arbeitserfolg in unserer digitalisierten Welt wird dabei von der Denkweise, dem Digital Mindset, geprägt. Denn neue Geschäftsmodelle und Technologien erfordern eine neue Denkweise. Beim Digital Mindset handelt es sich um eine Reihe von Einstellungen und Verhaltensweisen, die Menschen und Organisationen in die Lage versetzen, Möglichkeiten zur Integration und Wertschöpfung von Technologie in der Arbeitswelt vorauszusehen. Erst die Etablierung eines Digital Mindsets ermöglicht einen nachhaltigen Wandel der Unternehmenskultur und eine erfolgreiche Transformation.

Was versteht man unter einem Digital Mindset?

Während die Infrastruktur und die Technologie eindeutig wichtige Faktoren sind, geht es bei der digitalen Transformation ebenso auch um die Menschen und darum, wie sie Geschäftsprobleme angehen und wie sie nach Lösungen suchen. Viele Unternehmen vergessen, sich mit dem notwendigen kulturellen Wandel zu befassen, der erforderlich ist, um die Denkweise der Mitarbeiter zu ändern, ohne die kein digitales Transformationsprojekt erfolgreich ist.

In der Praxis können zahlreiche Unternehmen nicht mit dem digitalen Wandel schritthalten. Dies lässt sich auf den technischen Fokus der Geschäftsführung zurückführen. Denn oftmals wird das Thema Digitalisierung zu einer Frage der Technologie umformuliert und an die IT-Abteilungen delegiert. Was fehlt ist der richtige Mindset. Zunehmend und zu Recht beginnen Unternehmen deshalb, Reaktionen auf den digitalen Wandel als Denkweise und kulturelle Faktoren zu begreifen. Natürlich ist Technologie eine notwendige Voraussetzung für eine digitale Transformation, aber die Implementierung von Technologie allein reicht nicht aus. Der Schlüssel zur Erschließung des Werts „Digital“ liegt in der Kombination von Führung, Organisation und Verhalten, um die Probleme von Kunden und Benutzern zu lösen. Um eine digitale Denkweise zu entwickeln, muss man sich ständig auf die gestiegenen Erwartungen der Benutzer konzentrieren. Dies ist kein einmaliger Prozess, sondern eine fortlaufende und ständig aktive Reaktion auf tägliche Veränderungen im Geschäftsleben. Die Denkweise der Teams und ihrer Führungskräfte, um Technologie zu entwickeln und anzuwenden, bestimmen die digitale Arbeitsweise.

Warum ein fehlendes Digital Mindset die digitale Transformation behindert

Ob ein Digitalisierungsvorhaben versandet oder mit Erfolg umgesetzt wird, entscheidet sich im Kopf. Eine Belegschaft mit einem ausgeprägten Digital Mindset zeichnet sich durch eine hohe Innovationskraft aus. Die Mitarbeiter sind dazu angehalten, querzudenken und neue Ansätze und Ideen einzubringen. Sämtliche Mitarbeiter müssen den aktuellen Status Quo infrage stellen und den Mut aufbringen, neue Ansätze zu verfolgen. Insbesondere etablierte Geschäftsmodelle, Prozesse und Strategien müssen kritisch hinterfragt werden.

Fehlt ein solches Mindset, verlaufen viele Digitalisierungsprojekte im Sand. Die Mitarbeiter sehen kaum produktive Vorteile, sondern nur Risiken für die eigene Tätigkeit. Statt Offenheit und Neugier herrschen Skepsis und Ablehnung vor. Statt einem ausgeprägten Interesse an aktuellen Technologien, Führungsmodellen und Vorgehensweisen stößt man auf das alte Totschlag-Argument „Das haben wir schon immer so gemacht“ als Grund gegen die Einführung neuer Technologien. Es fehlt eine Unternehmenskultur, die Querdenken fördert. Mitarbeiter in allen Abteilungen müssen darin bestärkt werden, den Status Quo in Frage zu stellen und Neues auszuprobieren. Stattdessen verhindern etablierte und altbackene Organisationsstrukturen einen erfolgreichen Wandel im Unternehmen. Wichtige und sinnvolle Verbesserungsideen seitens der Fachexperten bleiben aufgrund eines fehlenden Digital Mindsets auf der Strecke.

Aber wie schafft man ein kollektives Digital Mindset? Nur damit, die Digitalisierung auf den Lippen zu tragen, entsteht kein Digital Mindset. Es geht nur, wenn Mitarbeiter ausgetretene Pfade verlassen und Führungskräfte sich aus ihrer Komfortzone begeben. Es müssen Hierarchien aufgebrochen und Kommunikationsbarrieren abgebaut werden. Derart gravierende Veränderungen lassen sich nur im Kopf verankern, wenn alle Beteiligten über einen längeren Zeitraum mit den Auswirkungen des disruptiven Verhaltens konfrontiert werden.

Hierarchien müssen aufgeweicht und Kompetenzen umverteilt werden, um dem Kunden ein besseres Erlebnis zu gewährleisten. Damit einher muss auch der allgemeine Abbau der hierarchischen Entscheidungsstrukturen gehen. Es zeigt sich, dass bei den Unternehmen grundsätzlich eine fehlende Risikobereitschaft existiert. Dabei profitiert ein Unternehmen von einer offenen Kultur, die Fehler transparent hervorhebt. Es ist die Aufgabe der Führungskräfte, eine positive Fehlerkultur einzuführen, die Fehler nicht sanktioniert, sondern hilft, aus den begangenen Fehlern zu lernen.

Vor allem Digital Natives haben den Umgang mit Fehlern und neuen Technologien bereits verinnerlicht und weisen somit eine höhere Risikobereitschaft auf. Schlussendlich gehört auch das Durchbrechen etablierter Silos zu den relevanten Erfolgsfaktoren. Insbesondere Unternehmen mit stark isolierten Abteilungen mangelt es an einer ausgeprägten Kollaborations- und Kommunikationskultur. Neben diesen gravierenden Nachteilen gibt es zudem auch starke finanzielle Nachteile, die aus Silostrukturen resultieren.

Die sechs erfolgskritischen Mindset Dimensionen in der digitalen Transformation

Bei der Neubesetzung von Stellen muss ein besonderer Fokus auf die Soft Skills des neuen Mitarbeiters geworfen werden. Schließlich gelten die heutigen Soft Skills in wenigen Jahren als erforderliche Hard Skills.

Zur Identifizierung der Soft Skills und des Mindsets können wissenschaftliche Persönlichkeitstests herangezogen werden. Hierbei differenziert die Literatur sechs erfolgskritische Dimensionen, die die digitale Zukunft beeinflussen. Die Erfolgsfaktoren sind:

Kundenzentrierung: Wie sehr wird die Sicht des Kunden adaptiert, um passende Lösungen für die neuen Kundenanforderungen zu entwickeln?

Offenheit und Agilität: Wie offen sind die Mitarbeiter gegenüber neuen Technologien, Trends und Ideen?

Umgang mit dem Scheitern: Wie wird mit dem Scheitern im Arbeitsbereich oder Unternehmen umgegangen? Welche Schritte werden im Anschluss ergriffen?

Produktivität und Handlungsorientierung: Wie sehr liegt der Fokus auf den gesamtheitlichen Prozessen und welcher Fokus liegt auf dem Unternehmen als gesamtes Konstrukt?

Kritikfähigkeit: Wie wird Kritik geäußert und wie ist der individuelle Umgang mit Kritik?

Kreativität: Welche Optionen zur Entwicklung innovativer Lösungsmöglichkeiten bestehen während der Arbeit und außerhalb der Komfortzone?

Fazit

Der Umgang mit disruptiven Technologien erfordert ein Digital Mindset. Diese neue, digitale Denkweise hat nichts mit Innovations-Lust oder der Fähigkeit zu tun, mit Facebook, Twitter oder Instagram umgehen zu können. Es geht eher um einen Verhaltens- und Einstellungsansatz, der Menschen in die Lage versetzt, die Chancen der digitalen Ära zu erkennen, sie zu nutzen und eine Arbeitsumgebung zu entwickeln, die menschlich-zentriertes Verhalten und Handeln mit den technologischen Möglichkeiten verbindet. Beim Digital Mindset geht es um mehr als nur darum, die Tragweite der Auswirkungen des digitalen Zeitalters zu erfassen. Digital Mindset hat etwas zu tun mit Kompetenz, Einstellung und Werten, um die disruptiven Veränderungen zu kanalisieren und zu beherrschen. Digital Mindset ist eine zukunftsorientierte Denkweise und Geisteshaltung. Damit spielt das Digital Mindset eine tragende Rolle beim digitalen Wandel, auf dessen Etablierung vor allem Führungskräfte einen verstärkten Fokus legen müssen.

 

Über den Autor:


Milad Safar ist Managing Partner der Weissenberg Group. Er entwickelte für namhafte Konzerne Lösungen zur Prozessoptimierung. Schwerpunktmäßig beschäftigt sich er sich mit den Themen Digitalisierung, Robotic und Künstliche Intelligenz, zu denen er auch regelmäßig Vorträge hält.