Multi-cloud ist kein Hexenwerk

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 / 22. October. 2019

APIs können Daten und Apps von den Systemen entkoppeln, in denen sie gespeichert sind. Mit ihnen schafft man eine flexible Integrationsschicht.

Die Vorteile von Cloudmigration sind branchenübergreifend anerkannt. Unternehmen ziehen in die Rechenwolke um, um viele Bereiche zu optimieren: Von operativer Effizienz bis zur Geschäftsflexibilität ergeben sich Verbesserungsmöglichkeiten. Deshalb ist es nicht  verwunderlich, dass laut Prognose der IDC die Cloud-Ausgaben bis 2021 554 Milliarden Dollar erreichen werden.

Immer mehr Organisationen bewegen sich weg von traditioneller monolithischer Software hin zu Best-of-Breed-SaaS-Anwendungen, die hochspezialisierte Funktionalität bieten. Durch die Nutzung von Micro-Services sind Unternehmen wissentlich – und manchmal auch unwissentlich – dabei, Multi-Cloud-Umgebungen zu schaffen.

Nicht zu verwechseln mit dem Hybridmodell, ist der Einsatz mehrerer Cloud-Anbieter wie Microsoft, Google und Amazon nach dem Multi-Cloud-Konzept. In der Praxis sieht das beispielsweise so aus, dass eine Firma eine Datenbank von Amazon Web Services (AWS) und eine Engine von Google verwendet.

Das Marktforschungsunternehmen Forrester hat kürzlich festgestellt, dass 86 Prozent aller Firmen Multi-Cloud-Nutzer sind. Ein anderer Bericht von IHS Markit zeigt außerdem auf, dass diese Umgebungen mit durchschnittlich acht verschiedenen Cloud-Anbietern betrieben werden. Daher wird es für Unternehmen immer wichtiger, über effektive Multi-Cloud-Strategien zu verfügen. Denn die größte Herausforderung ist hier die Aufgabe, alle diese Dienste in ein nahtloses Ökosystem zu integrieren – und das ist ohne eine grundlegende Strategie, in die alle relevanten Abteilungen eingebunden sind, schwierig.

 

Entflechtung der Integrationskomplexität

Die Migration zwischen den Clouds ist nicht so einfach, wie die Migration von Anwendungen auf eine neue Plattform oder der Wechsel von einem lokalen Service zu einer SaaS-Lösung. Neben dem Umbau bestehender Anwendungen für den Betrieb in der Cloud müssen IT-Teams die Integrationen, die ihre Anwendungen und Daten verbinden, erhalten.

Bestimmte Arten von Punkt-zu-Punkt-Integrationen können beispielsweise nicht von einer lokalen Umgebung in die Cloud migriert werden, ohne neu geschrieben zu werden. On-Prem-Integrationen brauchen unter Umständen lokalen Support – und können so nicht sinnvoll in die Cloud verlagert werden.

Die IT muss zudem neue Integrationen schaffen, die es ermöglichen, damit Cloud-Dienste neben der lokalen Infrastruktur ausgeführt werden können. Hinzu kommt, dass Unternehmen oft dieselben Anwendungen (z. B. ERPs) plattformübergreifend in Multi-Cloud-Umgebungen einsetzen, während SaaS-Anwendungen (z. B. CRMs) auf Daten aus einer Vielzahl von lokalen Systemen und anderen Cloud-Plattformen zugreifen müssen.

Angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich der SaaS-Markt entwickelt, benötigen Organisationen auch die Flexibilität, schnell von einem Dienst zum anderen zu wechseln. Daher drohen starre Integrationen die Agilität zu verringern.

Sicherheit ist ein weiteres Anliegen, vor allem in einer Zeit, in der es immer mehr Endpunkte zu schützen gilt. IT-Entscheider müssen in der Lage sein, eine sichere, kontrollierte Integration zwischen lokalen Legacy-Systemen und Cloud-Anwendungen bereitzustellen. Herkömmliche, perimeter-basierte Sicherheitsstrategien, die zum Schutz von Daten vor Ort entwickelt wurden, sind in der Multi-Cloud-Welt weniger effektiv. Unternehmen benötigen daher neue Wege, um eine nahtlose Datenorchestrierung über lokale und Cloud-Umgebungen hinweg zu ermöglichen, gleichzeitig die Systeme sicher zu halten und unbefugten internen oder externen Zugriff zu verhindern.

 

Mit APIs den Weg ebnen

Der Schlüssel zur Bewältigung dieser Integrationsherausforderungen liegt darin, einen Weg zu finden, lokale Anwendungen und Datenquellen so zu modernisieren, dass sie mit Cloud-Infrastruktur und SaaS-Anwendungen koexistieren können. Dies lässt sich am besten mit APIs (Anwendungsprogrammierschnittstellen) erreichen, um eine Integrationsschicht aufzubauen, die lokale Daten und Anwendungen von den Systemen, auf denen sie sich befinden, entkoppelt.

Diese Schicht fungiert auch als Vermittler zwischen lokalen und Cloud-Diensten, sodass Anwendungen für die Plattform, auf der sie sich befinden, völlig neutral bleiben und den Zugriff auf Daten und Dienste auf dem Weg in die Cloud behalten.

Diese Art der Standardisierung des IT-Zugangs hilft auch bei der Bewältigung der Sicherheitsherausforderungen beim Wechsel in die Cloud, indem sie es ihnen ermöglichen, Kontrollen direkt in die APIs einzubetten – wobei sie einem Security-by-Design-Ansatz folgen. Als weiterer Vorteil der Eliminierung der engen Kopplung zwischen den Diensten können Anwendungen leichter über Clouds migriert und SaaS-Lösungen leichter ein- und ausgelagert werden. Dies reduziert das Risiko der Bindung an den Anbieter und beschleunigt die Innovation durch eine schnellere Bereitstellung in Multi-Cloud-Umgebungen.

 

In den richtigen Rahmen setzen

Als Best-Practice hat sich eine modulare Integration-Layer bewährt, bei dem die IT eine Architektur aus wiederverwendbaren Bausteinen bereitstellt.

Mit einem Anwendungsnetzwerk machen sich Organisationen zukunftssicher und entkoppeln ihre IT-Architektur. Unternehmen können dadurch neue Chancen ergreifen, anstatt an Entscheidungen gebunden zu sein – eine entscheidende Fähigkeit angesichts des dynamischen Tempos des Wandels im SaaS-Markt.

Der globale Bankenriese HSBC hat diesen Ansatz verfolgt und ein Anwendungsnetzwerk aufgebaut, um seine Legacy-Systeme zu modernisieren und Bankdienstleistungen zu schaffen, die in einer hybriden Umgebung laufen. Durch die Schaffung einer API-Schicht auf den lokalen Systemen konnte HSBC Daten- und Anwendungsfunktionen in seiner Multi-Cloud-Umgebung freischalten und bereitstellen und so den Weg für schnelle Innovationen ebnen. Durch die Integration der Governance in jedem Knoten der Bereitstellungsumgebung war es außerdem möglich, dies auch auf einem sicheren Weg zu tun.

Darüber hinaus setzt ein großer europäischer Flugzeughersteller ebenfalls auf eine API-Strategie, um Informationen aus der Cloud- und lokalen Systemen zu gewinnen. Das ermöglicht es dem Hersteller wertvolle Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen, sodass die Mitarbeiter in der Fertigung über eine mobile Anwendung direkten Zugriff auf benötigte Informationen erhalten. Durch die Befähigung der Mitarbeiter, bessere und schnellere Entscheidungen treffen zu können, kann die Markteinführungszeit neuer Flugzeuge verkürzt werden.

Letztendlich ist die neu entdeckte Flexibilität, die Unternehmen mit einem API-geführten Ansatz erreichen, der Schlüssel, um sicherzustellen, dass Multi-Cloud-Strategien erfolgreich die gewünschte Effizienz, Agilität und beschleunigte Innovationsvorteile erzielen. Mit zunehmender Reife des Cloud-Marktes zeichnet sich ab, dass die Cloud-Migration nie „vollständig“ sein wird. Es wird somit zu jedem Zeitpunkt notwendig sein, sich weiterzuentwickeln und anzupassen.

Ian Fairclough ist VP Services bei MuleSoft und war zuvor bei Capgemini tätig. Er verfügt über 30-jährige Erfahrung im Bereich der Technologie.