Artificial Intelligence & HR – Mitarbeiterauswahl durch einen Algorithmus?

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 / 18. January. 2019

Das Personalwesen hat sich über die letzten Jahre enorm verändert. Klassische Methoden zur Mitarbeiterauswahl werden immer weniger verwendet und das Dank der künstlichen Intelligenz.

Artificial Intelligence (AI) begleitet uns mittlerweile in unserem Alltag und verändert unsere Arbeitsweisen. Es werden bereits Algorithmen angewendet, die besagen können, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Mitarbeiter kündigen oder sich für eine andere Stelle bewerben wird. Es gibt auch andere Algorithmen, die auf Basis von Bewerbungen, Mitarbeiter aussuchen. Natürlich kann diese Bewegung viel Positives bewirken, aber auch Probleme mit sich bringen.

Die Reaktionen gehen von Befürchtungen über den Verlust vieler Jobs bis zur Euphorie über mehr Entlastung und mehr Zeit für Innovation und kreatives Arbeiten. Diese Entwicklung wird auch vor allem HR betreffen.

Was ist Artificial Intelligence?

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Grundsätzlich wird Artificial Intelligence, auch als Künstliche Intelligenz bezeichnet, zur Erforschung eines cleveren Problemlösungsverhalten und die Erstellung von “intelligenten Computersystemen” herangezogen.

Generell versucht die Künstliche Intelligenz dem Menschen, ähnelnde Entscheidungsstrukturen in einem nicht klar definierten Umfeld nachzubilden.

So sucht diese nach Methoden, die es einem Computer ermöglichen, Aufgaben zu lösen, sodass diese, wenn sie vom Menschen gelöst werden sollen, eine Intelligenz erfordern. Dies umfasst das Lernen, die Schlussfolgerung (die Verwendung der Regeln, um ungefähre oder endgültige Schlussfolgerungen zu ziehen) und die Selbstkorrektur. Besondere Anwendungen der KI sind Expertensysteme, Spracherkennung und Machine Vision.

Die Geschichte der künstlichen Intelligenz

John Mccarthy, ein amerikanischer Informatiker, hat als Erster überhaupt 1956 den Begriff der künstlichen Intelligenz an der Dartmouth Konferenz geprägt. Er definierte die Disziplin der künstlichen Intelligenz als “die Wissenschaft und die Technologie zur Schaffung intelligenter Maschinen” und war zeitlebens an ihrer Entwicklung beteiligt und interessiert.

Zudem erfand er mit Lisp die weltweit zweite höhere Programmiersprache, die wesentlich zur Entwicklung der Künstlichen Intelligenz beitrug, und half bei der Realisierung von frühen time-sharing-Konzepten, die letztlich eine wesentliche Rolle in der Genese des Internets spielten.

Arten und Typen von künstlicher Intelligenz

Grundsätzlich wird die künstliche Intelligenz in verschiedene Arten und Typen unterteilt. Die erste Art klassifiziert KI-Systeme entweder als schwache oder starke KI.

Schwache KI ist ein KI-System, das für eine bestimmte Aufgabe entwickelt und trainiert wird. Virtuelle persönliche Assistenten, wie Siri von Apple, sind eine Form der schwachen KI.

Starke KI, auch bekannt als allgemeine künstliche Intelligenz, ist ein KI-System mit verallgemeinerten menschlichen kognitiven Fähigkeiten, so dass es, wenn es mit einer unbekannten Aufgabe konfrontiert wird, über genügend Intelligenz verfügt, um eine Lösung zu finden. Der Turing-Test, der 1950 vom Mathematiker Alan Turing entwickelt wurde, ist eine Methode, um festzustellen, ob ein Computer tatsächlich wie ein Mensch denken kann. Allerdings ist die Methode umstritten.

Dann gibt es noch Typen der künstlichen Intelligenz, die von Arend Hintze geprägt wurden. Diese beinhalten die reaktiven Maschinen, begrenzte Speicher, native Theorie und Selbsterkenntnis.

Reaktive Maschinen

Ein Beispiel ist Deep Blue, das IBM-Schachprogramm, das Garry Kasparov in den 90er Jahren besiegte. Deep Blue kann Figuren auf dem Schachbrett identifizieren und Vorhersagen treffen, aber es hat kein Gedächtnis und kann die Erfahrungen der Vergangenheit nicht nutzen, um zukünftige zu informieren. Er analysiert mögliche Züge.

Ein modernes Beispiel kommt von LG, die eine neue Generation von Smart-TVs präsentierte. Diese Fernseher verfügen über eine besonders intuitive Sprachbefehls-Steuerung in der Fernbedienung. Die natürliche Sprachverarbeitung mittels der „Deep Learning“-Plattform „DeepThinQ“ macht es möglich, dass Geräte Befehle des Benutzers sinnerfassend ausführen.

Damit werden auch Sprachbefehle wie „Nach dieser Sendung ausschalten!“ erfasst, und der Fernseher geht nach dem aktuellen Programm tatsächlich auf „Power off“. Eine solch intuitive Bedienung macht im Alltag beispielsweise ein Verbinden mit Spielkonsolen oder Lautsprechern besonders einfach.

Begrenzter Speicher

Diese KI-Systeme können die Erfahrungen der Vergangenheit nutzen, um zukünftige Entscheidungen zu treffen. Einige der Entscheidungsfunktionen in autonomen Fahrzeugen sind so konzipiert. Beobachtungen, die in nicht allzu ferner Zukunft geschehen, zum Beispiel ein Auto, das die Fahrspur wechselt. Diese Beobachtungen werden nicht dauerhaft gespeichert.

Native Theorie

Das ist ein psychologischer Begriff. Er bezieht sich auf das Verständnis, dass andere eigene Überzeugungen, Wünsche und Absichten haben, die die Entscheidungen beeinflussen. Diese Art von KI gibt es noch nicht.

 

Künstliche Intelligenz bei der Personalauswahl

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Im Bereich des Personalwesens ist die künstliche Intelligenz noch Neuland. Gerade im Bereich der Mitarbeiterauswahl ist es extrem schwierig, die optimalen Kandidaten für Schlüsselpositionen zu finden.Es gibt immer mehr Unternehmen, die “intelligente” Softwareprogramme verwenden, um die Mitarbeiterauswahl durchzuführen. Das Ziel dabei ist es, Kosten einzusparen und die optimalen Mitarbeiter zu finden. Nur wie wird diese Auswahl durch künstliche Intelligenz durchgeführt?

Zahlreiche Softwareprogramme mit künstlicher Intelligenz gestützten Tools werden mittlerweile verwendet, um die Personalauswahl zu vereinfachen. Hierbei wird in Datenpools der Social Media-Kanäle eine intelligente Vorauswahl von vermeintlich passenden Kandidaten getroffen. Sucht eine Person mehrfach nach einem bestimmten Unternehmen, hat Firmennews abonniert oder ist mit vielen anderen Personen eines Unternehmens vernetzt, sind dies für KI-gestützte Systeme Indizien, dass diese Person positiv auf Stellenanzeigen des entsprechenden Unternehmens reagieren könnte oder an diesem interessiert ist.

Nach der ersten Vorauswahl geeigneter Bewerber können in einem weiteren Schritt Qualifizierungsgespräche mit KI-basierten Video-Systemen geführt werden. Eine KI-gesteuerte Robotic-Lösung ist technisch in der Lage, in einem solchen Gespräch, das der Kandidat mit dem Computer führt, vordefinierte Fragen zu stellen und Kenntnisse in bestimmten Feldern oder vorhandene Erfahrungen des Kandidaten abzufragen. Je nach Anforderungen und prozentualer Gewichtung der Eignungsfähigkeiten wird im nächsten Schritt ein Mitarbeiter aus der HR-Abteilung oder ein externer Personalberater die Vorsondierung in Augenschein nehmen und den Prozess fortsetzen.

Rekrutierung durch künstliche Intelligenz?

Es ist sehr wichtig zu wissen, dass die Programme mit integrierter künstlicher Intelligenz keineswegs die Kandidaten aussuchen, sondern nur zur Vorauswahl herangezogen werden. Gleich wie in einem Assessment werden Bewerber zwar schon in einem ersten Schritt auf Herz und Nieren geprüft, jedoch wird mit dieser Sondierung noch kein geeigneter Kandidat rekrutiert. Gerade in der heutigen Zeit bedarf es vieler weiterer Schritte um herauszufinden, wer perfekt zum Unternehmen passt.

Diese weiteren Schritte beinhalten vor allem die Durchführung eines Interviews bzw. ein persönliches Gespräch mit einem der Kandidaten. Interpretieren Kandidaten Fragen falsch oder treffen Aussagen, die an anderer Stelle relevant sein können, sind Algorithmen nicht in der Lage, zu intervenieren oder etwaige Missverständnisse zu klären. Der Personaler ist in der Lage, mögliche Vakanzen aufzuzeigen oder vermeintliche Lücken gemeinsam mit dem Kandidaten zu klären. Ebenso im umgekehrten Fall: Wenn eine von der Unternehmensseite gegebene Information falsch interpretiert wird, kann ein Mensch den Irrtum aufklären.

Im Rekrutierungsprozess ist es zudem wichtig, dass die Erwartungen auf beiden Seiten weitgehend erfüllt werden. Sowohl der potenzielle Kandidat als auch das Unternehmen haben ihre Ansprüche, Wünsche wie auch Vorstellungen an den jeweils anderen Gesprächspartner.

Fazit

Die künstliche Intelligenz entwickelt sich enorm schnell und wird immer mehr im Entscheidungsprozess für die Mitarbeiterauswahl integriert. KI-Programme funktionieren hervorragend zur Vorauswahl von Kandidaten und vereinfacht die Arbeit des HR-Managers. Im nächsten Schritt können HR-Mitarbeiter oder Personalberater auf Grundlage der vorliegenden Resultate in den weiteren Rekrutierungsprozess einsteigen.

Im Rekrutierungsprozess spielt die KI noch nicht so eine wichtige Rolle, da die Programme menschliche Logik und Intelligenz oftmals missinterpretieren. Trotzdem spielt die künstliche Intelligenz eine immer wichtigere Rolle in unserem Leben und könnte schon bald ein Teil zur Rekrutierung beitragen.

 

Der Autor: Alexander Eser gründete nach seinem Studium in Berlin, Oslo und Rotterdam das digitale Verbraucher-Magazin Kaufberater.io. Neben digitalen Geschäftsmodellen und Statistik, interessiert er sich vor allem für Fitness, Snowboarden und Reisen.

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