Elektroschrott-Medaillen bei Olympischen Spielen

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Athleten sollen in Tokio Medaillen aus alten Handys bekommen. Foto: pexels
Athleten sollen in Tokio Medaillen aus alten Handys bekommen. Foto: pexels

Acht Tonnen Gold, Silber und Bronze für die 5000 Medaillen der olympischen und paraolympischen Sommerspiele in Tokio 2020 sollen aus elektronischen Altgeräten wiedergewonnen werden. Um die Medaillen rechtzeitig fertigzustellen, werden ab April dieses Jahres Sammelboxen für alte Smartphones, Gameboys und MP3-Player in japanischen Ämtern aufgestellt. Auch NTT DoCoMo, der größte Mobilfunkanbieter Japans, stellt in rund 2000 Geschäften Sammelbehälter bereit.

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Green-Washing oder Green-Marketing?

Dass alle Japaner symbolisch etwas zu dem Olympiagold beitragen können, ist für das zuständige Komitee in Tokio eher Nebensache. Vielmehr geht es darum, die Olympische Agenda zu beachten, die vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vorgegeben wird. Neben mehr Nachhaltigkeit fordert es auch mehr Transparenz und Bescheidenheit für zukünftige Spiele. Doch schon jetzt steht fest: In Tokio wird man die meisten dieser Ansprüche nicht erfüllen können. Denn die Veranstalter haben große Pläne: Die Spiele sollen frei von Skandalen verlaufen und dabei als die modernsten Wettkämpfe in die Geschichte eingehen. Neben hohen Personalkosten, teuren Wettkampfstätten sowie stärkeren Sicherheitsvorkehrungen lassen diese ambitionierten Vorhaben die Kosten explodieren. Dabei kosten die Spiele mit 13,8 Milliarden Euro jetzt schon mehr als das Sechsfache der ursprünglich vorgesehenen Summe.

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Ein Ablenkungsmanöver?

Vor vier Jahren hat sich Tokio als Gastgeber der Sommerspiele 2020 gegen Madrid und Istanbul durchgesetzt. Nun will man sich von der besten Seite zeigen. Wenn man in der japanischen Hauptstadt aber schon die Agenda in puncto Bescheidenheit keinesfalls einhalten kann und auch die Vorgabe der Transparenz schwer zu erfüllen sein wird, so will man scheinbar zumindest dem Anspruch der Nachhaltigkeit gerecht werden. Deshalb hatte das Tokioter Komitee die Altgerätaktion lanciert. Doch wie effektiv ist diese Maßnahme tatsächlich? Ist es reines Green-Washing oder das Ergebnis einer gelungenen Green-Marketing-Strategie?

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Neue „Goldgruben“ tun sich auf

Offiziell endet die Sammelaktion der Altgeräte sobald die benötigte Menge an Gold, Silber und Bronze erreicht ist. Laut UNO-Berechnungen enthalten 41 Handys so viel Gold wie eine Tonne Golderz. Sind alte Elektrogeräte also ungehobene Schätze, die seit Jahren in privaten Schubladen verstauben? Nach Rohstoffbörsenwert beläuft sich der Geldwert eines Althandys auf etwa einen Euro. Aus dem Gold von 400 Althandys kann man beispielsweise einen 18-karätigen Goldring erzeugen. Nach Schätzungen des Bayrischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz könnte demnach fast die Hälfte des Goldimports der deutschen Schmuckindustrie aus der heimischen Sekundärverwertung bezogen werden. Aber nur dann, wenn alle Handys in Deutschland recycelt werden würden. Ob die Olympiasieger in drei Jahren Medaillen aus ausschließlich Altgeräten bekommen, ist noch offen. Eines steht allerdings fest: Der Marketingeffekt ist gelungen!

Von Florentina Hofbauer