Arbeitskraft gleich Arbeitskraft? Mitarbeiterförderung in Zeiten des Fachkräftemangels

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 / 21. June. 2018

Die Digitalisierung trägt ganz eigenartige Früchte. Während der IT-Verband Bitkom kürzlich in einer Studie festgestellt hat, dass die digitale Revolution 3,4 Millionen traditionelle Arbeitsplätze kosten könnte, fehlen in anderen Bereichen Experten mit technischem Knowhow. Laut Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung verzeichnete Deutschland im ersten Quartal 2018 insgesamt 1,2 Millionen offene Stellen – ein historischer Höchststand. Und es könnten bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts sogar ein paar Millionen mehr werden.

Disruption für sich nutzen

Die disruptive Energie der technischen Neuerungen erscheint in unserer zunehmend digitalisierten Welt häufig als Bedrohung von Arbeitsplätzen und als unendliche Herausforderung. Wenn in naher Zukunft Aufgaben, die derzeit Menschen erledigen, von Maschinen, künstlicher Intelligenz und Algorithmen übernommen werden, wird dies bestimmt vielen das Leben erleichtern. Die Hoffnung dabei ist, dass wir dadurch mehr Zeit für „menschliche“ Dinge haben: Unterstützt beispielsweise ein Computer einen Arzt sowohl bei der Diagnose als auch beim Papierkram, bleibt mehr Raum für die persönliche Behandlung.

Die Realität könnte uns dabei jedoch einen Strich durch die Rechnung machen. Denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier und passt sich langsamer an Veränderungen an, als sie der technische Fortschritt vorgibt. Somit ist die digitale Transformation in großen Unternehmen ebenso an eine menschliche Transformation gebunden – an die Prozesse und Technologien, die die Mitarbeiter nutzen. Es geht also nicht so sehr um das Digitale an sich; Vorgesetzte und Innovationstreiber müssen verstehen, dass Menschen der Kern dieses Veränderungsprozesses sein müssen. Deswegen sollten Unternehmen bereits jetzt technische Neuerungen in den Alltag ihrer Mitarbeiter integrieren.

Zwar erscheint die digitale Transformation manchen als Bedrohung, sie kann aber auch die Lösung sein, um der neuen Situation Herr zu werden: Nutzt man beispielsweise Technologien wie Virtual oder Augmented Reality, um neue komplexe Abläufe zu erlernen, kann das sehr real wirken. Solche Trainings sind im Vergleich zu einem „echten“ Seminar vor Ort sehr viel kostengünstiger und gegebenenfalls sogar intensiver. Denn dabei kann für den Anwender sogar die Technik zeitweise in den Hintergrund treten, was ihn häufig in einen so genannten immersiven Zustand versetzt. Mithilfe derartiger technologischer Neuerungen werden wir vielleicht schon bald nicht nur schneller lernen, sondern Fähigkeiten erwerben, die aktuell außerhalb unserer Reichweite liegen. Aufgrund der damit verbunden Standortunabhängigkeit können davon auch derzeit wirtschaftlich schwächere Regionen und natürlich Unternehmen jeglicher Größe profitieren.

Ob der Change-Prozess erfolgreich ist, darüber entscheidet die Fähigkeit der Entscheider, vorauszuplanen, intern zu kommunizieren und agil Projekte zu managen. Welche Lösung passt zu meinem Unternehmen? Denn eine ganzheitliche Lösung bringt dabei deutlich mehr Vorteile als ein Flickwerk an punktuell ausgerichteten Produkten. Wie informiere ich meine Mitarbeiter über das, was kommt? Wie reagiere ich auf Überraschungen? So ist es neben der technischen Seite wichtig, die Kollaborationsbereitschaft von Mitarbeitern zu verbessern wie auch ihre Skills zu stärken.

Aktive Weiterbildung für versteckte Talente

Technologie-Schulungen und der gezielte Austausch von Best Practices im eigenen Haus können dabei helfen, Kenntnisse zu entwickeln, die in der alltäglichen Arbeit zu kurz kommen und auf dem derzeitigen Arbeitsmarkt nicht zu finden sind. Diese Vorgehensweise kann auch Talente befördern, die der Konkurrenz möglicherweise nicht zur Verfügung stehen.

Bei Commvault bieten wir beispielsweise aktive Weiterbildung durch interne und externe Trainings für alle Mitarbeiter an. In einigen Fällen können großartige IT- und weitere Kompetenzen durch die Beurteilung und Unterstützung der Mitarbeiter identifiziert und gefördert werden. Dies wiederum katapultiert begeisterte, erfahrene Kandidaten in neue Rollen innerhalb des Unternehmens. Daneben trägt der Austausch von talentierten Experten aus verschiedenen Branchen mit unterschiedlichem Hintergrund dazu bei, kreatives Denken zu entwickeln. Das ist der Brutkasten für Innovationen.

Zusätzlich können Unternehmen darüber nachdenken, auch ihren Partnern oder Anwendern Schulungen anzubieten, so dass diese etwa ihr Verständnis über die gesamte Bandbreite der Branche weiterentwickeln. Auch hier profitieren individuelle Karriere ebenso wie das Partner-Unternehmen, das seinen Knowhow-Pool erweitert, versteckte Talente entdeckt und motiviert.

Schöner Nebeneffekt: Durch das aktive Trainieren von neuen Fähigkeiten und mit neuen Tools helfen Arbeitgeber dabei ein positives Arbeitsklima zu schaffen und investieren in ihre Arbeitgebermarke. Denn es lassen sich viele Stunden Ärgernis ersparen, wenn einmal gezielt in eine Lösung mit zugehöriger Einführung investiert wird. So fühlen sich die Arbeitnehmer trotz digitaler Veränderungen abgeholt, ohne dass der laufende Betrieb darunter leidet. Auf diese Weise beschäftigen sich Mitarbeiter gemeinsam wenige Stunden mit den neuen Prozessen, anstatt jeder für sich alleine ein Programm zum Laufen zu bringen. Das stärkt nicht nur den Zusammenhalt innerhalb des Teams, sondern wirkt sich auch positiv auf das Zeitmanagement aus. Denn die dadurch gewonnene Zeit können Arbeitnehmer dazu nutzen, neue Ideen und Anwendungen für das Unternehmen zu entwickeln.

Fachkräfteförderung auf allen Ebenen

Dabei sollte das Management auch an die eigenen Reihen denken. Die wenigsten Manager sind in ihrer Position, weil sie Prozesse mit komplizierten Tools effektiv analysieren können, sondern aufgrund einer Vielzahl anderer Talente. Mit zunehmendem Datenvolumen und zunehmender Komplexität der Anwendungen und Prozesse wird die Fähigkeit, IT-Werkzeuge zu verstehen und zu nutzen, immer wichtiger – und das auf jeder Ebene. Der Erfolg von Unternehmen wird mittlerweile mehr von Daten als von Papier beeinflusst, angefangen bei der E-Mail bis hin zu holistischen Datenmanagement-Systemen. Das bedeutet, dass auch Manager, um effektiv zu sein und die richtigen Business-Insights generieren zu können, an Schulungen teilnehmen müssen. So werden sie in der Lage sein, den geschäftskritischen Nutzen und Wert von Daten zu beurteilen, den die Digital Natives zunehmend verwalten.

Aber: Daten und Schulungen allein werden ein Unternehmen nicht per se zu einem fortschrittlichen, digitalisierten Unternehmen machen können. Vor allem wird es die Fähigkeit der Führungskräfte sein, mehr Fragen zu stellen und ihren Mitarbeiten aktiv zuzuhören. Hier schließt sich der Kreis: Digitale Transformation ist an die menschliche Transformation gebunden. Und der Erfolg eines Unternehmens ist damit auch an die eigenen Mitarbeiter gekoppelt. Deswegen dürfen wir die Förderung unserer Mitarbeit zu keinem Augenblick außer Acht lassen.

Der Autor: Olaf Dünnweller ist Area Vice President EMEA Central bei Commvault, einem weltweit führenden Anbieter von Backup, Recovery und Archivierung im Rechenzentrum und in der Cloud. In seiner Position übernimmt er die Leitung des Geschäfts im DACH-Markt und ist verantwortlich für die Stärkung regionaler Allianzen und Partnernetzwerke. Sein Fokus liegt dabei sowohl den strategischen Partnerschaften als auch der Förderung von Mitarbeitern. Vor seiner Zeit bei Commvault war er 17 Jahre lang bei Veritas beschäftigt, wo er im Laufe der Zeit vom Pre-Sales-Manager bis zum Country-Manager für Deutschland aufgestiegen ist.

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