Viele Clouds für viele Aufgaben: Wie der Mittelstand die richtigen auswählt

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 / 14. June. 2018

Verschiedene Clouds zu nutzen, lohnt sich nicht nur für Großunternehmen. Auch der Mittelstand zieht Mehrwert aus dem Einsatz von Multi-Cloud, wenn er es richtig angeht.

In den meisten Unternehmen wächst die IT, denn Mitarbeiter brauchen für ihren Arbeitsalltag eine Vielzahl an Tools und die geeignete Infrastruktur dafür. Da mehr Workloads, Apps und Dienste auch mehr und skalierbare Ressourcen brauchen, setzen Firmen auf die Cloud. Sich auf einen einzigen Cloud Provider festzulegen, fällt schwer – selbst wenn es nur um Infrastructure as a Service (IaaS) geht. Unternehmen, die zusätzlich Platform und Software as a Service (PaaS und SaaS) einbeziehen wollen, kommen meist gar nicht darum herum, mehrere Anbieter zu nutzen.

Der gleichzeitige Einsatz mehrerer Clouds ist nicht nur für Großunternehmen, sondern auch für den Mittelstand sinnvoll. Da in den IT-Abteilungen kleinerer und mittlerer Unternehmen (KMU) aber häufig einzelne Personen mit unterschiedlichen Themen betraut sind, kann sich dort niemand alleine auf den Cloud-Einsatz spezialisieren und fokussieren. Die Digitalisierung muss oft hintanstehen, wenn die Verantwortlichen sich dafür nicht externe IT-Unterstützung holen. Bei Cloud-Services setzen Mittelständler daher auch lieber auf nur eine Lösung, die eine große Themenbreite abdeckt, anstatt mehrerer verschiedener Lösungen, für die jeweils Experten nötig sind.

Das ist zu kurz gedacht: Ein einziger Anbieter verfügt nicht für jeden Anwendungsfall über die beste Lösung. Besonders wenn es sich um PaaS und SaaS handelt, fahren Anwender mit verschiedenen, spezialisierten Lösungen besser. Sie erhalten so schneller die gewünschten Ergebnisse und werden dank Muti-Cloud flexibler, denn sie können die jeweils passendsten Cloud-Services bei Bedarf buchen, skalieren und wieder abbestellen. Fehlt dagegen ein solches Angebot, geben Fachbereiche leicht der Verlockung nach, Schatten-IT einzusetzen. Sie buchen dann Cloud-Dienste an der IT-Abteilung vorbei.

Mit den richtigen Services Schatten-IT verhindern

Multi-Cloud, die auf die Wünsche und Bedürfnisse der Anwender eingeht, und strategisch eingesetzt wird, kann Schatten-IT eindämmen. Denn wenn Fachbereiche mit dem offiziellen Angebot der IT-Abteilung zufrieden sind, haben sie keinen Anreiz andere Cloud-Services zu nutzen. Bietet die IT-Abteilung also selbst verschiedene Tools an und reagiert kurzfristig auf Anforderungen der Fachbereiche, fällt die Motivation weg, auf Schatten-IT zurückzugreifen. Da in KMU Multi-Cloud-Fachwissen häufig nicht ausreichend spezialisiert vorliegt und auch die Ressourcen begrenzt sind, setzen sie hier oft auf externe Spezialisten.

Multi-Cloud strategisch angehen

Entscheiden sich KMU, mehr als einen Cloud-Anbieter zu nutzen, lohnt es sich, von Anfang an – schon bei der Entwicklung der Cloud-Strategie – mit einem Cloud-Integrator zusammenzuarbeiten. Er bringt Fachwissen im Cloud-Umfeld mit und hat Erfahrung mit Multi-Cloud-Projekten im Mittelstand. Im ersten Schritt analysiert er den konkreten Bedarf des Unternehmens, beschreibt die Anforderungen und Use Cases. Zudem erhebt der Cloud-Integrator Daten zu bereits genutzten Diensten sowie der vorhandenen Infrastruktur und setzt sich intensiv mit der Motivation des Kunden, Multi-Cloud einzusetzen, auseinander: Wo bestehen Lücken? Was wünschen sich die Mitarbeiter? Hier ist es wichtig, den Bedarf sowohl der IT-Verantwortlichen als auch der Fachabteilungen zu erfragen.

Die Ergebnisse nutzt der IT-Integrator, um Themen und Dienste zu priorisieren und passende Cloud-Anbieter zu ermitteln. Er legt die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Angebote etwa für Identity Management, Multifaktor-Authentifizierung oder Backup und Disaster Recovery dar. Auch für Entwicklungsumgebungen, für Tools bei Kommunikation und Collaboration, wie Office365, und Datenbank-Services, kennt der Cloud-Integrator die passenden Anbieter. So müssen KMU die größte Hürde bei Multi-Cloud – die richtigen Angebote zu finden und daraus auszuwählen – nicht alleine nehmen.

Erst auf Basis all dieser Daten entwickelt der Dienstleister gemeinsam mit dem Unternehmen eine geeignete Strategie. Durch dieses Vorgehen vermeiden KMU unnötigen Aufwand, wie er durch den unkoordinierten Einsatz von Cloud-Diensten und damit verbundene Fehler entsteht.

Details zählen

Stehen Anforderungen und Strategie fest, geht es an die Feinauswahl. Cloud-Angebote müssen in die vorhandene Infrastruktur integrierbar sein und mindestens die Sicherheits- und Datenschutzrichtlinien des Unternehmens erfüllen. Es empfiehlt sich, nur zertifizierte Cloud-Anbieter in die engere Auswahl zu nehmen. Dabei ist einzuplanen, dass Sicherheit und Datenschutz auch bei Public-Cloud-Angeboten im Verantwortungsbereich des Anwenders liegen.

Sind geeignete Clouds für die Multi-Cloud ausgewählt und ist für ihre Sicherheit gesorgt, wartet bereits die nächste Hürde: das richtige Bezugsmodell. Schon bei der Auswahl eines passenden Modells wird es schwierig. Dabei existieren Bezugsmodelle, die auf den Bedarf im Mittelstand zugeschnitten sind.

Je mehr Clouds der Anwender nutzt, desto aufwendiger werden neben dem Bezugsmodell auch die Verwaltung der Dienste und die Planung der Kosten. Zudem müssen IT-Verantwortliche Rechte vergeben und die Dienste an den jeweils aktuellen Bedarf anpassen. Auch hier lohnt es sich, auf herstellerunabhängige Dienstleister zurückzugreifen. Sie kennen die besten Modelle und beraten fachkundig. Auch auf die durch Multi-Cloud veränderte Aufteilung der Kosten bereiten sie die Anwender vor und bieten eine Übersicht.

Von der Theorie zur Praxis

Stehen Strategie, Sicherheit und Bezugsmodelle für die Multi-Cloud, geht es an die Implementierung. Der Cloud-Integrator unterstützt bei der Migration: Er kennt die Auswirkungen auf die bestehende Infrastruktur, kann nötige Down-Time richtig planen und schafft so die Voraussetzungen für die Migration. Er weiß, wie sich Abhängigkeiten verändern – beispielsweise ist eine stabile, schnelle Internetanbindung essenziell – und welche Prozesse an die Multi-Cloud angepasst werden müssen. Der IT-Dienstleister integriert die Multi-Cloud und hilft im operativen Betrieb. Bei allen Schritten bindet er immer die IT-Mitarbeiter ein, so dass sie die Cloud-Dienste anschließend selbst betreiben können. Darüber hinaus kann er Migration, Integration sowie den operativen Betrieb der Clouds komplett übernehmen. Dann optimiert er zudem kontinuierlich die Infrastruktur.

Multi-Cloud-Umgebungen sind für mittelständische Unternehmen eine nützliche Lösung. Holen sie sich bei der Planung und Einführung externe Unterstützung, finden sie leicht die richtigen Angebote für IaaS, PaaS und SaaS. Ohne selbst umfangreiches Fachwissen aufbauen zu müssen, setzen sie auf ihren Bedarf abgestimmte Cloud-Services flexibel ein. Bei Bedarf können sie auch den Betrieb der unterschiedlichen Clouds auslagern.

Der Autor: Peter Fischer ist seit über 20 Jahren in unterschiedlichen Positionen in der IT beschäftigt. Seit 2015 ist er bei Axians IT Solutions als Teamleiter für das Thema Cloud & Server Infrastructure tätig, verantwortet Consultingprojekte für Kunden unterschiedlichster Branchen und unterstützt damit vor allem beim Einsatz von Cloudinfrastrukturen.

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