Missverständnis bei neuer IoT-Datenflat der Telekom – SIM-Karten für 10 Euro helfen Unternehmen nicht weiter

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Internet der Dinge (IoT)
 / 7. May. 2018

Immer mehr Unternehmen wollen mit ihren Geräten und Maschinen ins Internet of Things, um die Vorzüge der Digitalisierung für sich zu nutzen. Angebote wie das der Deutschen Telekom, die für wenig Geld eine entsprechende SIM-Karte inklusive Daten-Flat versprechen, scheinen da gerade recht zu kommen. Doch die meisten kleineren und mittelständischen Unternehmen benötigen wohl etwas ganz anderes.

Gemeinsam mit dem Kölner Mobilfunkprovider 1NCE verkündete die Deutsche Telekom unlängst, dass man kleineren Unternehmen die Möglichkeit geben wolle, eine „Daten-Flat“ für das Internet der Dinge zu nutzen. Zunächst hieß es, dieses Angebot sei auch für Privatkunden gedacht, doch offenbar lag ein Missverständnis vor. Vielmehr handelt es sich um ein reines B2B-Produkt für kleinere Unternehmen, die für 10 Euro Vorabbezahlung eine SIM-Karte inklusive 500 MB erhalten. Die maximale Nutzungsdauer liegt bei zehn Jahren. Reicht die ursprüngliche Datenmenge nicht aus, kann aufgestockt werden.

Das Problem an dieser Lösung ist nicht so sehr, dass es sich nicht um eine wirkliche Flatrate handelt und dass nicht kommuniziert wurde, was genau eine womöglich notwendige Aufstockung des Datenvolumens kosten wird. Für viele IoT-Komponenten, die zumeist keine großen Datenmengen verschicken oder empfangen müssen, dürften die 500 MB durchaus ausreichen. Schließlich müssen etwa Smart Meter oder Rauchmelder nicht durchgehend aktiv vernetzt sein. Laut der Deutschen Telekom richtet sich das Angebot vor allem an Energie- sowie Transport- und Logistik-Unternehmen sowie an Betreiber von Smart Cities. Was eher verwundert, ist, dass es sich bei der genannten Zielgruppe in den seltensten Fällen um kleinere Unternehmen handelt, die eigenen Angaben zufolge mit dem Angebot avisiert werden sollen. Und dass die Deutsche Telekom und 1NCE davon ausgehen, dass gerade kleinere Unternehmen, die selten über eigene IoT-Experten verfügen, lediglich dedizierte SIM-Karten benötigen, um ins Internet of Things zu starten. „Mit diesem Tarif werden wir es unseren Kunden so einfach wie möglich machen, schnell neue IoT-Lösungen zu realisieren“, sagt Alexander Sator, CEO und Gründer von 1NCE. Allerdings benötigen die meisten kleineren und mittelständischen Unternehmen letztlich wohl mehr dafür, als nur einen mehr oder minder fixen Tarif.

Ohne entsprechenden Service werden IoT-Konzepte selten Realität

In der Realität werden die mitunter komplexen Bedürfnisse des Mittelstands eher von spezialisierten Anbietern wie Cumulocity oder Siwaltec abgedeckt, die ihre Service-Leistungen auf die speziellen Begebenheiten beim jeweiligen Unternehmen ausrichten. „Selbst wenn sie bereits passende IoT-Konzepte entwickelt haben, benötigt der Großteil aller Unternehmen gezielte Hilfe beim Roll-out und der Umsetzung ihrer Ideen“, sagt Peter Mathes von Siwaltec. Als Anbieter von Kommunikationslösungen, die auf Mobilfunktechnologien basieren, setzt das Unternehmen aus Crailsheim vor allem auf einen umfassenden Service-Gedanken. „Letztlich können wir froh sein, dass die großen Anbieter kleineren und mittelständischen Unternehmen diesbezüglich wenig bis gar nichts bieten und in erster Linie auf den Abverkauf von SIM-Karten und Datenvolumen interessiert sind“, sagt Mathes. „So können wir uns stärker auf den Service-Aspekt konzentrieren, der mindestens genauso wichtig ist für den Start ins Internet der Dinge.“

Auch Oliver Hüttig, CEO des Software- und Beratungsunternehmens Cocus, sieht großen Bedarf bei den Unternehmen in Deutschland, wenn es um die Serviceleistungen rund ums Internet of Things geht. „Passende Konzepte zu erstellen, ist die eine Sache. Woran es in der Praxis häufig scheitert, ist die konkrete Realisierung. Denn dazu ist nicht nur spezielles Know-how erforderlich, sondern auch die Erfahrung, wie man die Plattformen und Lösungen am besten ans jeweilige Unternehmen anpasst“, erklärt Oliver Hüttig. „Beispielsweise macht es in vielen Fällen Sinn, sich durch gezielte Workshops und Use Cases dem Internet of Things Schritt für Schritt zu nähern, anstatt ein Konzept mit der Brechstange aufs gesamte Unternehmen zu stülpen“, so der Experte.

Nicht zuletzt aufgrund ihres umfassenden Service-Gedankens könne sich weder Cocus noch Siwaltec über mangelnde Aufträge beklagen. Ob die Deutsche Telekom und 1NCE mit ihrem SIM-only Ansatz bei kleineren und mittelständischen Unternehmen im großen Stil punkten werden, wird die Zukunft zeigen. Zweifel sind jedoch angebracht.

Der Autor: Tillmann Braun ist freier Journalist und Kommunikationsberater für non-profit Organisationen und Unternehmen. Zu seinen Kernthemen gehören u.a. das Internet of Things (IoT), Vernetzung und Digitalisierung, Smart Home, M2M-Kommunikation und IT-Strategien.

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