Wie IoT-Geräte für Konsumenten nützlicher werden

bei

Internet der Dinge (IoT)
 / 27. February. 2018

Prognosen für den Bereich Consumer IoT gehen seit langem davon aus, dass in Zukunft viele neue smarte Endgeräte für den Verbraucher riesige Datenmengen produzieren werden. Von intelligenten Glühbirnen und intelligenten Schließsystemen bis hin zu Fitnesstrackern sind viele dieser smarten Geräte bereits Teil unseres Alltags geworden. Aber warum ist der große Boom bisher ausgeblieben?

Das Internet der Dinge heute: Schaffen wir genug Mehrwert für Verbraucher?

Schauen wir uns den heutigen Markt genauer an. Das Internet der Dinge (Internet of Things, kurz IoT) ist heute noch von Markensilos geprägt. Ein Anbieter, der in den IoT-Markt einsteigen will, entwickelt heute ein Gerät, kümmert sich um die Connectivity und muss zusätzlich auch die entsprechende App bauen, damit der Mehrwert für den Endkunden überhaupt entsteht. Auf dem Markt können wir beobachten, dass sich die Expertise der Unternehmen oft auf einen Bereich konzentriert und die Digitalisierung der Produktwelt insgesamt teilweise schwer voranzutreiben ist.

Eine große Chance liegt hier in der Entkopplung des Software- und Hardware-Marktes. Echter und vor allem skalierbarer Mehrwert für Endnutzer kann entstehen, dem die Gerätehersteller sich tatsächlich auf ihre Kernkompetenz, die Herstellung von Geräten, konzentieren. Software-Entwickler können dann verschiedenste bestehende oder neue Apps mit Daten anreichern oder gar neue Services basierend auf IoT-Daten erschaffen.

Indem wir die Welt der vernetzten Geräte entkoppeln und Entwickler und Unternehmen in die Lage versetzen, Anwendungen zu schaffen, die die generierten Daten dann verwenden, können wir größeren Nutzen für den Verbraucher schaffen. Gerätehersteller könnten sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren, nämlich die Entwicklung hochwertiger Hardware.

Auf der anderen Seite, können Softwareunternehmen oder einzelne Entwickler durch die Abkopplung von Produktkomponenten Anwendungen auf den Markt bringen, die Daten aus diesen unterschiedlichen Quellen nutzen. Dies würde zu einer Welle neuer Produkte und Business-Chancen führen. Auf dieser Seite ganz ohne die langen Herstellungsprozesse, um eine funktionale und qualitativ hochwertige Hardware auf den Markt zu bringen.

Nehmen wir einen beispielsweise einen Nutzer mit einem intelligenten Türschloss und einem vernetzten LED-Panel. Jedes Mal, wenn die mit IoT-Technologie ausgerüstete Tür benutzt wird, wechselt das LED-Panel seine Farbe von Bernstein (geschlossen und gesichert) zu Grün (von einem befugten Benutzer geöffnet) bzw. Rot (unbefugter Zugriffsversuch) und blinkt rot, wenn die Tür länger als eine voreingestellte Zeit offen steht. Es handelt sich um zwei Bauteile, die in dieser Kombination normalerweise nicht in einem Anwendungszusammenhang stehen. Mit kreativem Blick betrachtet ist jedoch ein nahezu unbegrenztes Spektrum an Möglichkeiten für einen Entwickler vorstellbar. Auf diese Weise kann jede zwei- oder mehrteilige Kombination von Geräten durch eine App verknüpft werden, die alle Datenströme nutzt, die von eben diesen Geräten kommen.

Verursachen wir nicht eher mehr Probleme für den Verbraucher?

Auch wenn der Konsument eine ganze Reihe von intelligenten Dingen besitzt, so ist doch jedes einzelne in seinem eigenen Markensilo eingeschlossen.

– Eine neue Marke auszuprobieren, bedeutet oft, eine weitere App herunterladen zu müssen, auch wenn es für den Nutzer die bessere Lösung wäre, die bisherige App für smarte Geräte zu verwenden. Und im Gegenzug brauchen wir nur an unseren Lieblings-Fitnesstracker zu denken: Momentan ist es einfach nicht möglich, mehrere Fitness- und Gesundheits-Apps mit einem einzigen Gerät zu nutzen.

– Manche Apps geben Daten schon frei und weitere Anwendungen, wie IFTTT, ermöglichen bereits die Vernetzung von unterschiedlichen Daten und Geräten – für den vollen Lösungsumfang ist allerdings IT-Wissen gefragt und die Vernetzung selbst kann für Endnutzer herausfordernd sein.

– Das Speichern von Daten aus der bisherigen Nutzung beim Gerätewechsel ist meist nicht ohne weiteres möglich, auch wenn inzwischen immer mehr Unternehmen die Möglichkeit des Daten-Downloads anbieten. Die im Mai 2018 in Kraft tretende EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) wird die Rechte und Möglichkeiten der Nutzer in dieser Hinsicht stärken und Anbieter begünstigen, die entsprechende Prozesse automatisiert gestalten können.

– Der Verleih von Geräten wie zum Beispiel smarten Skiern und die Speicherung der von ihnen erzeugten Daten ist schwierig. Der ausleihende Nutzer muss entweder bei jedem einzelnen Anbieter ein Benutzerkonto einrichten oder darauf verzichten, seine Daten zu speichern.

– Das Teilen generierter Daten mit Freunden oder Fachleuten, z.B. dem Hausarzt, ist nicht möglich – es sei denn, die App unterstützt eine solche Funktion.

Zusammenfassend produzieren die vielen Einzellösungen und heutigen Mechanismen noch Barrieren in der Nutzererfahrung.

Übertragen der Datenhoheit auf die Verbraucher

Wie lassen sich die aufgezeigten Probleme damit lösen? Wir bei Telefónica NEXT nehmen das Thema Datenschutz sehr ernst und glauben, dass Nutzer selbst die Entscheidung darüber treffen sollten, was mit ihren Daten geschieht.

Das Benutzerkonto unserer IoT-Plattform Geeny wird es dem Nutzer erlauben, Daten verschiedener Geräte in einer gesicherten Umgebung zu speichern. Dabei ist wichtig, dass der Nutzer immer die volle Kontrolle über seine Daten behält. Das Konzept von Geeny ist damit bereits im Geist der Datenschutzgrundverordnung formuliert. Das bedeutet konkret, der Nutzer kann Freigaben für seine Daten flexibel erteilen oder entziehen, er kann er sie mit App-Anbietern seiner Wahl oder mit Daten anderer Geräte kombinieren und natürlich auch löschen. Wie Paypal für den Online-Einkauf, so stellt Geeny das Vermittlerkonto für IoT Daten bereit.

Neben dem technischen Aspekt spielen selbstverständlich auch rechtliche, infrastrukturelle und Sicherheitsüberlegungen eine Rolle. Nichtsdestotrotz wird die Idee dahinter sichtbar: dem Verbraucher die Wahlmöglichkeit über die Anwendungen und Geräte zu geben, die er nutzen möchte.

Dies erleichtert den am IoT-Projekt Beteiligten die Arbeit und ermöglicht es ihnen, sich auf ihr jeweiliges Fachgebiet zu konzentrieren. Ein klarer Vorteil ist, dass Hardwarehersteller intelligente Hardware bereitstellen können, ohne dass bei ihnen zusätzliche Kosten für die Entwicklung und Aktualisierung der Apps anfallen. Softwareanbieter können sich mit den Devices beschäftigen und einen darauf zugeschnittenen Mehrwert bieten, indem sie mobile Anwendungen für jeden Bedarf erstellen, die sowohl neu generierte als auch bereits vorhandene Daten verwenden.

So möchten wir mit Geeny ein Ökosystem bauen, dass es den Konsumenten unter Wahrung ihrer Datenhoheit ermöglicht, ihre Daten und Geräte bestmöglich für sich einzusetzen.

Die Autorin: Hanna Pradler ist Expertin für digitale Produkte und Innovation. Sie fokussiert sich darauf, durch kreative Methoden und Prozesse die digitale Transformation von Unternehmen zu unterstützen. Als Product Specialist für die Consumer IoT-Plattform Geeny von Telefónica NEXT unterstützt sie Kunden bei der Erstellung von IoT-Lösungen und koordiniert intern Produktstrategie und technische Umsetzung mit den Entwicklungsteams. Zuvor war Hanna Pradler als Product Specialist für die Curated-Shopping-Plattform Zalon und als IT Product Manager Revenue Protection bei Zalando in Berlin tätig. Weitere Stationen von ihr liegen im Bereich eHealth und digitale Gesundheitsanwendungen.

Vorheriger ArtikelEin neues Netz als Herzstück für intelligente Städte
Nächster ArtikelIoT-Plattformen sind Voraussetzung für Industrie 4.0