Mobilität in der digitalen Welt

bei

Ab Dezember 2017 wird die mittlerweile vierte Generation des ICE durch Deutschland fahren. Foto: Deutsche Bahn

Im Interview mit dem CDO der Deutschen Bahn, Stefan Stroh, konnten wir uns einen umfassenden Einblick davon verschaffen, wie sich der Konzern die Fortbewegung im digitalen Zeitalter vorstellt.

 „Der Anspruch der Deutschen Bahn ist es, das Reisen im öffentlichen Verkehr so einfach und bequem wie möglich zu machen. Das ist zuerst einmal die überliegende Vision.“, antwortet Stefan Stroh. Dabei möchte die DB die Reisekette komplett digital abbilden und den Kunden von Tür zu Tür digital begleiten. Wir wollen Reiseketten vollständig digital abbilden und Kunden begleiten – von der Planung über die Buchung, mit digitalen Angeboten während der Reise über verschiedene Verkehrsmittel hinweg, bis hin zu Abrechnung und Kundenfeedback. Dazu zählen unter anderem Reiseinformationen und digitale Angebote im Zug wie Entertainment und Connectivity.“ Stroh spricht hier von einer vollständigen, digitalen Unterstützung des Kunden entlang aller Reisepunkte, um für jeden Weg von A nach B eine personalisierte und einfache Kundeninteraktion sowie ein umfassendes Informations- und Entertainment-Erlebnis zu bieten.

Um all das in die Realität umzusetzen, startete die Bahn mehrere Aktivitäten: „Dazu gehören natürlich das WLAN an Bord der ICE-Züge sowie die Optimierung des kompletten Buchungs- und Reiseprozesses, um Kunden in Zukunft noch stärker digital zu unterstützen. Weitere Angebotsverbesserungen gab es zuletzt bei der Reisendeninformation, mit Multizuganzeigern, Echtzeit-Wagenreihung im DB Navigator oder Verspätungsinformationen und Push-Nachrichten mit Alternativverbindungen für Pendler über die Streckenagent-App. Darüber hinaus starten wir den Komfort-Check-In, was bedeutet, dass sich Kunden zukünftig über die App DB Navigator selbst im Zug einchecken können. Damit entfällt die weitere Kontrolle durch das Zugpersonal, das dafür mehr Zeit für den Service hat, und der Kunde kann seine Reise ungestört genießen. So können Sie während der Fahrt in Ruhe arbeiten, schlafen oder die Zeit anderweitig nutzen.“

Bring-your-own-device fürs Onboard-Entertainment

Als Kanal für die Entertainment- und Informationsangebote setzt die Deutsche Bahn auf die smarten Endgeräte der Kunden, anstatt auf ein fest integriertes Onboard-System, wie beispielsweise Touchscreens in den Kopflehnen. „50 Millionen Deutsche besitzen ein Smartphone oder Tablet, oft reisen viele Kunden sogar mit beiden Geräten oder zusätzlich noch einem Notebook. Alle unsere angebotenen Inhalte sind komfortabel und absolut flexibel über diese Geräte abspielbar. Deshalb sehen wir im digitalen Zeitalter für integrierte Bildschirme am Platz keinen Bedarf mehr, weshalb wir ganz klar auf eine Bring-your-own-device-Strategie setzen.“

Schon zum aktuellen Zeitpunkt gibt es im ICE neben zahlreichen digitalen Sightseeing-Tipps und Reiseinformationen auch die Möglichkeit, sich über den Video-On-Demand-Anbieter Maxdome 50 wechselnde Spielfilme und Serien kostenlos anzusehen. Diese Inhalte sind lokal auf den Zug-Servern gespeichert, um ein flüssiges Streaming zu gewährleisten. Hinzu kommen weitere Angebote im ICE-Portal, wie Nachrichten, Hörbücher und Tageszeitungen. „Wir werden das Angebot schrittweise ausbauen, zum Beispiel mit Services aus dem Bereich eCommerce und natürlich auch weitere Entertainment-Angebote. Für uns ist das ein zentrales Element, um Zugreisen noch attraktiver zu machen.“

Der markante Berliner Hauptbahnhof ist tatsächlich der größte Turmbahnhof Europas. Foto: Deutsche Bahn

Endlich: Funklöcher sollen der Vergangenheit angehören

Doch wer während der Zugfahrt telefonieren oder über die eigene Mobilfunkverbindung im Internet surfen möchte, der ist auf eine stabile Funkversorgung angewiesen. Oft verhindern aber Funklöcher diese Vorhaben, wie wohl so ziemlich jeder Bahnfahrer bestätigen kann. Natürlich weiß auch die Bahn darüber Bescheid und unternimmt verschiedene Anstrengungen, um unterbrechungsfreie Verbindungen zu ermöglichen. Denn für die Deutsche Bahn handelt es sich hierbei um einen ganz wesentlichen Komfort-Aspekt für das Reisen im Zug. „Wir haben eine große Initiative namens WLAN@DB, mit der wir nicht nur im ICE, sondern auch in den Regionalzügen sowie an den Bahnhöfen einen unterbrechungsfreien WLAN-Service entlang der gesamten Bahnreise anbieten wollen. In den ICE-Zügen ist das kostenfreie WLAN in der ersten und zweiten Klasse heute schon Realität. Das wird nun gemeinsam mit den Bestellerorganisationen sukzessive auch in den Regionalverkehr sowie in weitere Bahnhöfe ausgerollt. Zum Thema Telefonieren werden wir bis Ende 2018 rund 80 Millionen Euro investieren, um den Großteil unserer Fernverkehrsflotte mit neuen Mobilfunk-Repeatern auszurüsten. Ziel ist es, dass die Fahrgäste dann bestmöglichen Empfang und weitaus höhere Datenraten im Zug haben.“

Digitales Ticketing – das Aus für analoge Fahrkarten?

Auch das Ticketing beim Bahnfahren wird digitaler – doch genau hierfür gab es spürbaren Gegenwind. Wie reagiert die Deutsche Bahn auf diese Kritik? „Wir werden ganz einfach auf die Erwartungen unserer Kunden reagieren.“, sagt Stroh. „Wir verkaufen ja schon heute über die Hälfte der Bahntickets im Fernverkehr online, womit das Internet auch unseren wichtigsten Vertriebskanal darstellt. 2016 haben wir über zehn Millionen Handytickets verkauft, was einer Steigerung von über 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Wir haben also definitiv eine signifikante Nachfrage nach Online-Fahrscheinen. Trotzdem werden wir unseren Kunden natürlich nicht den Zugang zum Bahnsystem verwehren, nur weil sie kein Smartphone haben. Wir werden also weiterhin auf einen Multikanal-Ansatz setzen, der sich in personen- und automatenbedienten sowie in digitalen Verkauf aufteilt. Natürlich wird sich in Zukunft dieser Mix verändern, aber das grundsätzliche Setup, dass ich über verschiedene Kanäle Tickets kaufen kann, das wird sich in diesem Kontext in absehbarer Zeit nicht ändern.“

Tatsächlich werden aber auch Stimmen laut, die der Bahn vorwerfen, sich lieber um kleinere Baustellen zu kümmern, als die Digitalisierung weiter voran zu treiben. Stefan Stroh reagiert eher gelassen auf diese Kritik: „Man kann bei diesem Thema nicht einfach nur in Schwarz oder Weiß unterscheiden. Wir können nicht einfach sagen, das geht jetzt nur noch digital und das nur analog. Am Ende entscheidet immer der Kunde, wie er Mobilität konsumieren und erfahren will. Eine Vielzahl von Studien belegt, dass viele Kunden letztendlich von Verkehrs- und Mobilitätsanbietern eine Unterstützung über Smartphones und Tablets erwarten, um sich zu navigieren – über verschiedene Verkehrsträger hinweg. Es wird allerdings nie so sein, dass es sich dabei um einen 100-prozentigen Anteil handeln wird. Wir werden also immer über ein Multikanalsystem sprechen, der sowohl Bahn und Bus als auch neuere Mobilitätsmodelle wie Carsharing oder Ridesharing-Dienste enthält. Und für die Nutzung dieser Verkehrsmittel werden sowohl personenbediente als auch digitale Kanäle zur Verfügung stehen. Man kann aber ganz deutlich sehen, dass sich in Summe immer mehr auf digitale Vertriebs- und Informationskanäle verlagert. Diese Tatsache nicht wahrzunehmen, also die Angebote nicht entsprechend auszurichten, das wäre sträflich.“

„Datensicherheit hat für uns Top-Priorität“, Stefan Stroh, CDO der Deutschen Bahn

Doch Datenschützern schmeckt das digitale Ticketing nicht – schließlich kann die Bahn in Erfahrung bringen, wann und wo sich der Fahrgast im Bahnhof oder Zug befindet. Außerdem setzt das Unternehmenauch auf Big Data, um beispielsweise genauere Prognosen bei Verspätungen angeben zu können. Auf bestimmte, erhobene Daten können auch Entwickler und Programmierer über data.deutschebahn.com zugreifen, um sie für Anwendungen oder Projekte zu nutzen – ganz gemäß dem Ansatz „Open Data“. Diese Daten umfassen unter anderem Bahnsteig- und Aufzugdaten oder auch Daten vom bahneigenen Carsharing-Angebot Flinkster. Eine weitere Besonderheit ist die Anbindung dieser Datenbank an die „mCloud“ des BMVI (Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur), einer Rechercheplattform mit offenen Daten aus dem Mobilitätsbereich für Entwickler und Unternehmen. Auf diese Weise sollen Entwicklungen und neue Ideen gefördert werden. Auch wieder ein Thema, das Datenschützern wohl ungute Gefühle bescheren wird. Doch Stefan Stroh betont, dass die Sicherheit der Daten bei der Deutschen Bahn höchste Priorität hat. „Wir gehen mit Daten absolut verantwortungsvoll um. Datensicherheit ist für uns eine Top-Priorität, denn das erwarten auch die Kunden von uns als Bahn- und Mobilitätsunternehmen. Was das Thema Big Data angeht, wie beispielsweise eben auch das mCloud-Thema: Hierbei werden keine personenbezogenen Daten veröffentlicht, sondern nur solche, die keine personenbezogenen Informationen beinhalten, wie Fahrplan- oder Störungsdaten. Hier besteht also keine Gefahr.“

Vor allem aus der Start-up- und Gründerszene holt sich die Deutsche Bahn Inspirationen für neue Geschäftsmodelle.
Foto: Deutsche Bahn

Weniger Verspätungen dank digitaler Technik

Natürlich sind auch Zugverspätungen ein Thema, mit dem sich die Bahn ständig konfrontiert sieht. Doch dank neuer, digitaler Techniken wie 3D-Druck, IoT (Internet of Things) oder auch Sensorik will das Unternehmen für pünktlichere Ankunfts- und Abfahrtszeiten sorgen. Vor allem der Bereich Instandhaltung soll davon profitieren: Beispielsweise sollen Sensoren in den Weichen Auskunft darüber geben, wann sie kaputtgehen. So lässt sich die Instandhaltung vorausschauend auf solche und ähnliche Gegebenheiten ausrichten und die Weiche wechseln, bevor sie defekt ist. „Allein die Verfügbarkeit der Anlagen wird durch diese Sensorik oder IoT- und Predictive-Maintenance-Anwendungen deutlich erhöht und das steigert natürlich auch die Zuverlässigkeit im Schienenverkehr. Ähnliches machen wir im Güterverkehr, wo wir unsere Lokomotiven und Wagons mit Sensoren ausrüsten, um Zustands- und Positionsdaten zu erhalten, um zu prüfen, ob Instandhaltungsbedarf besteht oder wir die Züge enger takten können. So steigern wir die Auslastung und Effizienz unserer Infrastruktur und Fahrzeuge, was einen erheblichen Beitrag zur Erhöhung der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit im Bahnverkehr darstellt.“

Über Virtual Reality und Drohnen bei der Bahn

Auch andere, neue Technologien setzt die Deutsche Bahn ein. Dazu zählt zum Beispiel Virtual Reality (VR), was unter anderem im Recruiting-Bereich zum Einsatz kommt. „Auf diese Weise zeigen wir Job-Interessierten, wie beispielsweise ein ICE-Cockpit oder unsere Werkshallen ausschauen. VR ist auch für Schulungszwecke geplant, wo unser Personal virtuell über 3D-Anwendungen für die Arbeit im kommenden ICE 4 ausgebildet werden soll. VR wird die Effizienz und Schlagkraft unserer Ausbildungs- und Qualifizierungsprogramme erheblich erhöhen.“ Dann nutzt die Deutsche Bahn natürlich auch noch Drohnen. Zwölf verschiedene Modelle hat der Konzern im Einsatz, insgesamt zehn Mitarbeiter kümmern sich um die kleinen Flieger. Zu den Einsatzgebieten zählen Gebäudeinspektionen, um zu prüfen, ob Reparaturen notwendig sind. Außerdem werden Bahntrassen beflogen, um gefährliche Bäume zu identifizieren, die auf die Bahntrassen fallen könnten. Doch auch bei der Problematik mit Personen im Gleis oder auch bei Graffiti-Sprayern kommen die Multicopter zum Einsatz, um entsprechende Sicherheitsdienste kontaktieren zu können. „Wir haben da eine ganze Reihe von Anwendungsfeldern mit denen wir auch experimentieren um einfach herauszufinden, wie die Drohnen für uns von Nutzen sein können.“, sagt Stroh.

In der DB mindbox können sich Start-ups in Rahmen von Batches für das Accelerator-Programm der Bahn bewerben. Foto: Deutsche Bahn

Autonome Züge und die Schwierigkeiten dabei

Auch das autonome Fahren behält die Bahn stets im Blick. „Bis zum Jahr 2030 wird das autonome Fahren auf der Straße erheblich zunehmen, was uns zum Begriff des individualisierten, öffentlichen Verkehrs führt, wo auch autonome Flotten im öffentlichen Verkehrsmix unterwegs sind und einen bedeutenden Anteil des Mobilitätsangebots der Zukunft einnehmen.“ Hierbei stellt sich allerdings die Frage, warum es bisher kaum führerlose Züge gibt, wenn es doch schon zahlreiche Strecken und Städte gibt, in denen diese unterwegs sind. „Wenn Sie sich den Bahnbetrieb in Deutschland und Europa anschauen, dann werden Sie feststellen, dass sehr viele unterschiedliche Technologien zum Einsatz kommen, die teilweise noch aus der Mitte des letzten Jahrhunderts stammen oder sogar noch älter sind. Das müssen Sie alles auf einem Schienenperimeter abbilden können. Wir müssen sozusagen die Schieneninfrastruktur durch digitale Technologie smart machen und für diesen Technologiesprung weite Teile des Produktionssystems Schiene komplett neu erfinden. Das erfordert erhebliche Anstrengungen. Hinzu kommen regulatorische Punkte, die ebenfalls sehr anspruchsvoll sind. Und wir müssen diesen Transformationsprozess von der alten in die neue Welt sinnvoll gestalten.“ Tatsächlich wird es um die Nutzung von ganz neuen Technologien gehen. Allein das autonome Zugfahren umfasst Technologiefelder wie Data Anlaytics und Künstliche Intelligenz für das Kapazitätsmanagement und die Zugsteuerung, Breitband-Konnektivität, Sensorik, Präzise Echtzeit-Ortung sowie automatische Fahrzeug-Systeme und Infrastrukturelemente wie Kupplungsroboter und Stellteile. „Wir müssen hier viele unterschiedliche Technologien ins Konzert bringen und miteinander verzahnen. Sowohl von der Zeitdauer als auch vom Investitionsvolumen ist das ein ganz erheblicher Antritt.“

Autonome Autos sind für die DB eine Ergänzung, kein Angriff

Interessant ist dabei natürlich, wie die Deutsche Bahn zu autonom fahrenden Autos steht. Schließlich gewähren die führerlosen Fahrzeuge nun ebenfalls die Möglichkeit, sich während der Reise mit anderen Dingen zu beschäftigen, anstatt sich aufs Fahren konzentrieren zu müssen. „Ich würde das als eine ideale Ergänzung zum Zugsystem sehen. Sozusagen in der letzten Meile, nachdem ich mit dem Zug die Langstrecke hinter mir habe, um dann letztendlich mit Hilfe eines autonomen Fahrzeugs zum Zielort zu gelangen. Ähnlich sehe ich das mit dem Thema Ridesharing, um auch in Gebieten ohne ausreichende Schienenversorgung Mobilität darzustellen.“

Als Ergänzung zur Schiene fahren schon vereinzelt autonome Shuttle-Busse der Bahn um die letzte Meile zu überbrücken. Foto: Deutsche Bahn

Ein anderes, bedeutendes Thema für die Deutsche Bahn ist die Elektrifizierung der Verkehrsmittel, die von Ländern und Europäischer Union verfolgt wird, um den Schadstoffausstoß im Sektor erheblich zu reduzieren und die Klimaschutzziele zu erreichen.  „Die Bahn ist im Prinzip in vielen Dingen schon da, wo die Straße erst hinkommen muss: Sie ist elektrisch, und bietet dem Reisenden schon heute das, was autonome fahrende Autos versprechen: Frei verfügbare Zeit. Mit diesem Reisemittel sind wir also schon sehr nah an dem Zukunftsbild dran.“

Schlüsselrolle bei der Digitalisierung: Die Zusammenarbeit mit Start-ups

Die Deutsche Bahn sieht sich nach eigenen Aussagen als Treiber bei der Digitalisierung und möchte nicht einfach nur auf der digitalen Welle mitreiten, sondern die digitale Zukunft aktiv gestalten. Hierfür investiert der Konzern eine Menge Geld: Bis 2019 hält das Unternehmen Venture Capital im Wert von 100 Millionen Euro bereit, um gezielt in die Gründer- und Start-Up-Szene zu investieren und neue Technologie-Partnerschaften zu starten. Dazu hat die DB auch Accelerator, also Förder-Programme, ins Leben gerufen, um den kreativen Köpfen eine Plattform zu geben. Der Ort für Gründer bei der Deutschen Bahn ist die „DB mindbox“ im Berliner S-Bahnhof Jannowitzbrücke. Auf rund 700 Quadratmetern entwickelt die Deutsche Bahn mit Innovatoren aus aller Welt Angebotsverbesserungen und neue Produkte und hilft auch beim Markteintritt, indem der Konzern beispielsweise Zugang zum eigenen Kundennetzwerk gewährt.  „Wir haben seit 2015 Kontakte zu über 400 Start-ups aufgebaut und arbeiten derzeit mit rund 20 Gründerteams in der DB Mindbox an konkreten Produkten zu allen möglichen Anwendungsfällen – sei es zur Instandhaltung, zum autonomen Fahren oder zur Entwicklung ganz neuer Geschäftsmodelle. Wir sehen uns diese Start-ups an, kooperieren mit ihnen und schauen, was wir für uns als Deutsche Bahn nutzen können.“, erklärt Stefan Stroh. „Start-ups sind für uns tatsächlich ein Impulsgeber für die digitale Transformation – aber eben nur einer von vielen. Man muss offen sein und verschiedene Quellen nutzen. Wir sind regelmäßig im Silicon Valley und in anderen Innovationszentren der Welt unterwegs und schauen uns neue Ideen an.“

Darüber hinaus existieren im Unternehmen noch weitere Innovation-Labs, wie das „d.lab“ in Frankfurt am Main, das neue Ideen für den Personenverkehr entwickelt, zum Beispiel für die zukünftige Innenausstattung von Regionalzügen. Hinzu kommt das Schenker-Lab in Dortmund, das in enger Verbindung zur Wissenschaft an neuen Logistiklösungen arbeitet. „Letztendlich haben wir ein sehr breites Netz aufgespannt, um zu erfahren, was in der externen Welt passiert. Wir haben außerdem ein Intrapreneurship-Programm etabliert, in dem wir DB-internen Teams die Freiheit geben, eigene Geschäftsmodelle zu entwickeln, sie zu Prototypen und im Markt zu verproben. Wir geben unseren Mitarbeitern jetzt die Chance, Gründer zu werden. Auch davon werden am Ende unsere Kunden profitieren“, führt Stroh weiter aus.

Mehr als Reiseinformationen: In der „DB Navigator“-App greifen Kunden auch auf Ticket und Ridesharing-Angebote zu. Foto: Deutsche Bahn

Smart City: Die Bahn möchte Städte wieder lebenswert machen

Auch das Thema Smart City ist für die Deutsche Bahn ein großes Anliegen. „Wir haben bei der DB ein Smart-City-Konzernprogramm aufgesetzt, mit dem wir die Vernetzung der Verkehrsmittel fördern, über digitale Schnittstellen Verkehrsströme intelligent steuern und das Verkehrswachstum in den großen Städten nachhaltig gestalten wollen. Ziel ist es, die Innenstädte nicht im Verkehr ersticken zu lassen, sondern lebenswert zu halten.“ Die DB sieht dabei ihre Bahnhöfe als Mobilitäts- und Logistikdrehscheiben im Herzen der Stadt und führt deshalb auch dort immer mehr Innovationen ein. Am Stuttgarter Hauptbahnhof stehen zum Beispiel intelligente Schließfächer namens „DB BahnhofsBox“. Dort hinein lassen sich online bestellte Waren (über 7000 Produkte sind verfügbar) gekühlt oder ungekühlt einlagern und mit einem Code mit auf dem Heimweg nehmen. Laut Stefan Stroh wird kontinuierlich daran gearbeitet, das Portfolio für die Boxen zu erweitern und die Buchungsprozesse zu optimieren. Um weitere Smart-City-Ansätze auszuprobieren und umzusetzen, kooperiert die Deutsche Bahn seit diesem Jahr mit der Stadt Hamburg.

Foto: Deutsche Bahn

Stefan Stroh

Seit April 2017 bekleidet der studierte Diplom-Ingenieur das Amt des Chief Digital Officers (CDO) bei der Deutschen Bahn. Davor war er seit 1997 Partner und Vice President bei Booz & Company, die seit 2014 ein eigenständiger Teil des PricewaterhouseCoopers-Netzwerkes ist und seitdem unter dem Namen „Strategy&“ firmiert. Aufgabe dieses Unternehmens ist es, andere Firmen umfassend bei der digitalen Transformation zu unterstützen.

Friedrich Stiemer

Vorheriger ArtikelPaketzustellung per Roboter
Nächster ArtikelHinter den Kulissen: Lufthansa 2.0