SEO – Die Kunst, eigene Texte bei Google & Co ganz vorne zu platzieren

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„Suchmaschinenoptimierung hilft dabei den Traffic auf Webseiten zu erhöhen, um die eigene Bekanntheit zu vergrößern und neue Kundschaft zu gewinnen. Die Tools, die hierfür benötigt werden, sind vielfältig: Um sie richtig und gewinnbringend einzusetzen, bedarf es viel Erfahrung sowie einem ausgeprägten Sprachgefühl.“ Foto: pixabay

SEO ist eine Abkürzung, die für den englischen Begriff  „Search Engine Optimization“ steht. Das Ziel ist einfach  erklärt: Suchmaschinen zeigen auf der ersten Seite ei-  ner Suche Bezahlcontent an sowie Links auf Webseiten,  die das System als besonders gut bzw. geeignet emp-  findet. Um bei diesen unbezahlten Suchergebnissen  ganz vorne mit dabei zu sein, bedarf es einiges an Know How und Erfahrung.

Svenja Walter hat vor zehn Jahren angefangen zu bloggen. Heute unterstützt sie Unternehmen dabei, in die digitale Zukunft zu gehen. Angstfrei ins Handeln zu kommen und intern Wissen aufzubauen. Ihre Vision: Jedes Unternehmen ist zukünftig wie ein Medienhaus aufgestellt und kann suchmaschinenoptimiert schreiben, Texte mit Nutzen produzieren, fotografieren, Videos drehen und schneiden. Nur so kann der deutsche Mittelstand auf lange Sicht konkurrenzfähig bleiben.

Als Du angefangen hast zu bloggen, war das in Deutschland noch neu. Wie bist Du darauf gekommen?

Stimmt, vor zehn Jahren musste ich das Wort „Blog“ oft buchstabieren, weil viele noch nie davon gehört hatten. Ich fand die ganze Bloggerbewegung wahnsinnig spannend und hatte schon länger die amerikanische Bloggerszene beobachtet. Als wir dann mit der Familie von Paderborn nach München gezogen sind, habe ich meinen Blog gestartet. Zuerst ganz privat, um mit Freunden und Familie zu teilen, was ich in unserer neuen Heimat erlebe. Doch ich habe schnell gemerkt, was da für ein Potenzial drinsteckt. Außerdem fand ich es cool, dass ich endlich selbst Texte und Bilder veröffentlichen konnte. Bis dahin war das ja nur in gedruckter Form möglich und das war mir zu unfrei. Da gab es für meinen Geschmack zu viele Redakteure, Lektoren und Verleger, die mitreden wollten. Bloggen war im Gegensatz dazu so direkt, so ungefiltert und manchmal fast anarchisch. Eine ganz neue Form des Selbstausdrucks. Das hat mir gefallen.

Search Engine Optimization im Journalismus: Die moderne Welt der Nachrichten ist extrem vielseitig und schnelllebig geworden. SEO-Maßnahmen helfen, dass digitale Inhalte rechtzeitig den Weg zum Leser finden. Foto: pixabay
Von der Bloggerin zur Digitalexpertin – wie ist das dann passiert?

Ich habe gemerkt, dass gut schreiben können nicht ausreicht, um im Internet erfolgreich zu sein. Obwohl ich fünf Tage die Woche um neun Uhr morgens meinen Post online hatte, stagnierten die Leserzahlen zwei Jahre lang bei 20.000 Unique Usern im Monat. Das war auf Dauer frustrierend. Mir wurde klar: Um wirklich was zu bewegen, muss ich mich technisch auskennen.

Wann genau war das?

Im Herbst 2012 habe ich gelernt, wie ich so schreibe, dass Suchmaschinen mich besser finden. Ich habe begriffen, dass ich Google und Co. dabei helfen muss, zu verstehen, dass meine Texte und Inhalte gut sind und Lesern etwas bringen. Bis dahin dachte ich: „Wenn der Text interessant ist, reicht das. Die finden mich dann schon.“ Das war ein Irrglaube.  Zuerst ist es mir schwergefallen, meine Schreibweise umzustellen. Nachdem ich mich jahrelang an einen komplett freien Schreibstil gewöhnt hatte, war mir SEO viel zu restriktiv. Plötzlich sollte ich mich an Regeln halten, in einer bestimmten Form schreiben. Zwischenüberschriften in Texte packen, Bilder in einer bestimmten Art benennen und Keywords suchen. Das war ein Korsett, in dem ich nicht stecken wollte. Also habe ich nach einem Probepost direkt wieder hingeschmissen – mit der Folge, dass meine Leserzahlen weiter stehenblieben. Im April 2013 war mein Leidensdruck dann wohl hoch genug. Ich dachte: „Wenn das, was ich schreibe, 20.000 Menschen interessiert, dann wird es auch noch mehr Menschen da draußen geben, die ich erreichen kann.“ Also habe ich einen neuen Versuch gestartet.

Wie schnell konntest Du eine Verbesserung deiner Leserzahlen feststellen?

Eigentlich vom ersten für Suchmaschinen optimierten Blogpost an. Damals war das Internet noch extrem dankbar für gut aufbereitete Inhalte. Auch weil der Optimierungswahn noch nicht in dem Maß um sich gegriffen hatte, wie heute. Mit einem sauber geschriebenen Post war ich innerhalb von höchstens fünf Tagen auf Google Seite 1, Position 1. Ich konnte förmlich zusehen, wie der Artikel sich nach vorne hangelte. Innerhalb von acht Monaten hatte ich 100.000 Unique User. Das war schon ein tolles Gefühl, jetzt das technische Know-how zu haben, mich im Internet ganz vorn positionieren zu können.

Search Engine Optimization in der Fashion-Branche: Welches Fashion-Angebot punktet bei den Kunden? Um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten, müssen die eigenen Produkte in Onlineportalen leichter gefunden werden. Foto: pixabay
Das Angebot im Internet wird immer breiter. Wird es von Jahr zu Jahr schwieriger, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen?

Das ist eine sehr gute Frage und gleichzeitig eines meiner Lieblingsthemen. Immer wieder fällt mir auf, dass Menschen die Architektur des Internets missverstehen
und die Potenziale deshalb nicht erkennen. Ich habe weit über 1.500 Blogposts geschrieben und dabei viel ausprobiert. Das Bauchgefühl für das Internet, das ich während dieser Zeit entwickelt habe, ist mein eigentlicher Schatz. Tatsächlich ist es leicht, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, wenn man weiß, welche Fragen die Leser haben. Um diese zu finden, nutze ich sowohl Software, als auch meinen gesunden Menschenverstand und bilde dann Themencluster. Was übrigens auch hilft, was Firmen aber kaum machen: sich einfach mal anzuschauen, wie die eigenen Kunden sprechen. In Foren, auf Social Media, in Kommentaren, in Rezensionen. Es gibt heute so viele Möglichkeiten, ein Gefühl für die Sprache und die Interessen von Menschen zu entwickeln. Auch indem ich bei der Zielgruppe direkt nachfrage. Aber nicht über Marktforschungsunternehmen in künstlichen Umfragesituationen, sondern hands on im Sinne von Design Thinking.

Menschen verstehen die Architektur des Internets falsch. Was genau meinst Du damit?

Ich muss mir nur überlegen: Warum nutzen Menschen Google? Weil Google ihnen dabei hilft, gute Inhalte zu finden. Aber sitzen schon lange keine Menschen mehr, die jeden Tag am geheimen Algorithmus schrauben. Tatsächlich ist der Anteil künstlicher Intelligenz an solchen Prozessen mittlerweile riesig. Das wiederum ist von Vorteil für alle, die wirklich gute Inhalte bieten. Und ein Problem für Plattformen wie Chefkoch. Die besetzen zwar jedes Keyword im Rezeptbereich, haben aber oft gar
nicht die passenden Rezepte oder Bilder dafür auf Lager. Wer einfach mal zum Spaß „Streuselkuchen ohne Gluten“ bei Google eingibt und dann auf das erste Suchergebnis von Chefkoch klickt, wird feststellen: Die dort aufgeführten Rezepte sind nicht glutenfrei. Da wird ohne Sinn und Verstand suchmaschinenoptimiert. Hauptsache man holt sich den Klick. Eine Zeit lang kann das funktionieren, weil Menschen klicken und dann vielleicht innerhalb der Plattform weitersuchen. Aber so verlieben sich die Menschen nicht in die Plattform. Die KI von Google merkt sich das. Deshalb kann ich als Bloggerin auch 2017 mit einem Waffelrezept noch auf die erste Seite von Google kommen. Ganz ehrlich: SEO ist keine Quantenphysik. Das kann jeder lernen.

Search Engine Optimization im Lebensmittelhandel: Das Geschäft mit Onlinesupermärkten floriert, die Konkurrenz ist groß. Wer sich letztendlich durchsetzen kann, das entscheiden unter anderem auch effektive SEO-Maßnahmen. Foto: pixabay
Wie entscheidest Du dich für den Inhalt deines Blog­Posts?

Auf meinem eigenen Blog schreibe ich nur noch selten suchmaschinenoptimiert. Mit 230.000 Lesern in der Spitze muss ich mir da nichts mehr beweisen. Eigentlich ist der Blog jetzt mehr Spielwiese, um für meine Kunden up to date zu bleiben, Formate auszuprobieren und natürlich um das Ohr weiter am Herzschlag des Internets zu haben. Wenn ich mit Unternehmen über mögliche Inhalte für ihre Seiten und Plattformen spreche, gehe ich sehr strategisch und analytisch vor. Es gilt, Themen zu finden, die einen wirklichen Mehrwert bieten und Menschen Ängste nehmen. Wer das schafft, gewinnt. Denn Menschen handeln immer nur aus zwei Beweggründen. Aus Liebe oder aus Angst.

Das ist für mich auch das Positive daran, wie SEO sich entwickelt hat. Natürlich geht es auch heute noch um das richtige Keyword. Aber für ein gutes Ranking müssen Texte nah am Menschen sein und eine inhaltliche Relevanz haben. Die Zeiten, in denen Keywordstuffing betrieben wurde, indem obskure SEO Agenturen weißen Text auf weißen Hintergrund gesetzt haben, sind endgültig vorbei. Es reicht nicht, nur für Suchmaschinen zu schreiben. Gelesen werden Texte schließlich von Menschen.

Welche Tools nutzt Du, um interessante Themen zu finden?

Ich mag Google Trends, um Themen miteinander zu kombinieren. Wenn ich die Suchmaske auf Deutschland stelle, sehe ich genau, ab wann welche Themen in Deutschland gesucht werden. Wie viele Menschen suchen wann nach „vegan“? Oder nach „Thermomix“? Und schon weiß ich, ob sich ein Rezeptpost dazu lohnen würde. Oder sogar ein Kochbuch. Wenn ich Google Trends so nutze, ist die Plattform ein Innovations- und Trendscout. Was ich auch gerne verwende, um ein erstes Gefühl für Themen zu bekommen, ist die geführte Suche des Google Eingabefeldes. Dazu gebe ich bei Google ein Wort ein, z.B. Kindersitz. Sofort werden mir im Ausklappmenü Begriffe angeboten. Die obersten Vorschläge sind die meistgesuchten. Ich nutze diese Funktion hauptsächlich, um ein Gefühl für das gesamte Themenfeld zu bekommen. Dazu gebe ich nach dem Wort „Kindersitz“ ein Freizeichen ein und dann den Buchstaben „a“. Wieder schaue ich, was mir
vorgeschlagen wird. Das wiederhole ich für das gesamte Alphabet – und habe danach schon eine recht gute Übersicht, was Menschen in diesem Bereich suchen. Daraus leite ich im nächsten Schritt meine Themencluster ab.

Wer die Wahl hat… Die richtige Versicherung zu finden ist schwierig, da das Angebot immens ist. Anbieter, die bei Suchmaschinen vorne liegen, verschaffen sich hier einen strategischen Vorteil. Foto: pixabay
Welche Tools nutzt du zur Keywordrecherche?

Wichtig ist erst einmal die Tatsache, dass ich Keywords überhaupt mit Software suchen kann. Ich erlebe es immer wieder, dass sich Blogger und Unternehmen Keywords „ausdenken“. Sich also überlegen, wonach Menschen vielleicht suchen und das dann in ihre Texte einfließen lassen. Das halte ich nicht nur für unwirksam, sondern auch für Zeitverschwendung, da es Tools gibt, die Suchanfragen quantifizieren und qualifizieren. Die Zeiten, in denen ein einzelnes Keyword ausreichte, sind vorbei. Heute brauche ich ein Fokus Keyword, auf das ich meinen Beitrag hauptsächlich ausrichte. Und dann jede Menge Beta Keywords, die für den von meinen Lesern und Kunden gesuchten Themenbereich relevant sind. Je näher ich an den echten Suchbedürfnissen und damit auch an den Mängeln, Ängsten und Nöten von Menschen bin, desto eher werde ich gefunden. Um Keywords zu recherchieren, nutze ich gern den Klassiker, den Keyword Planer von Google Adwords. An dem kommt keiner vorbei. AnswerThePublic ist spannend, wenn ich mich mit den Fragen meiner Kunden rund um ein Thema beschäftigen möchte. Denn auf Google Seite 1 zu stehen ist schön und
gut – aber die richtige Antwort auf eine Frage im richtigen Moment zu haben, ist noch viel besser. Bevor ich Tools anwende, muss ich aber erst einmal wissen, für welches Medium ich suche. Sind es Texte – oder vielleicht auch Videos? Dann würde ich eher ein Tool nutzen, das Video-Keywords ausspielen (oder die Settings dementsprechend ändern) und bei YouTube in der geführten Suche vorbeischauen. Sistrix ist sicher auch eine Möglichkeit, vor allem wenn man viele Themen spielen möchte und einen Profi-Überblick braucht. Aber da zahlt man eben auch Profipreise. Alle anderen genannten Tools sind kostenlos.

Was tust Du, nachdem Du das Keyword gefunden hast?

Dann schaue ich bei den Plattformen vorbei, auf denen ich das Thema danach verbreiten will. Für ein Rezept auf meinem Blog würde ich beispielsweise bei Pinterest recherchieren. Wenn ich ein Rezept-Video drehen möchte, suche ich auf YouTube ähnliche Videos. Immer mit der Frage im Hinterkopf: Wie kann ich es besser machen? Und zwar nicht nur ein bisschen besser, sondern zehnmal besser. Schließlich will ich Inhalte produzieren, die Evergreen Charakter und einen Long Tail Effekt haben. Die also das ganze Jahr über gesucht werden und mir damit täglich Traffic auf die Seite spielen. Evergreen Content ist definitiv die Königsklasse. Gute saisonale Inhalte kommen direkt auf Platz zwei.

Search Engine Optimization bei Events & Ticketing: Ein Event muss Aufmerksamkeit erregen und Personen anziehen, um erfolgreich zu sein. Genauso verhält es sich mit dessen Webauftritt. Foto: pixabay
Stichwort Video: Wie wichtig sind Videos eigentlich für das Ranking?

Sie werden immer wichtiger. Ich muss
nur mal schauen, wie viele der Inhalte auf Facebook mittlerweile Videos sind. Menschen springen auf Bewegtbild ganz anders an. Evolutionspsychologisch macht das Sinn: Früher war jede Bewegung eine potenzielle Gefahr. Ein umstürzender Baum, ein angreifendes Tier, eine Welle. Heute müssen wir nur dann nach links und rechts schauen, wenn wir eine Straße überqueren. Weil wir in diesem Umfeld antizipieren, dass eine Bewegung Gefahr bedeuten kann. Vielleicht bekommen wir auch einen Adrenalinstoß, wenn wir im Gebüsch eine Bewegung wahrnehmen. Doch weitestgehend ist unser Alltag sicher. Hält man uns aber zwei Handys vor die Nase und auf einem läuft ein Film und auf dem anderen ist ein Foto zu sehen, werden wir immer zuerst auf den Film schauen. So viel Evolutionswissen ist dann doch übriggeblieben. Viele Unternehmen tun sich schon schwer, Texte und Bilder zu produzieren. Ist es da nicht unrealistisch, dass Videos sich durchsetzen? Videos werden sich auf jeden Fall durchsetzen. Nur die Unternehmen, die sich nicht damit auseinandersetzen – DIE werden auf der Strecke bleiben. Vielleicht hilft es, sich einmal die Frage zu stellen: Was ist eigentlich passiert in den letzten Jahren? Wie haben sich unsere Kunden verändert? Heute ist jeder Mensch wichtig. Jeder ist im Rahmen des Internets Autor, Meinungsmacher und Produzent. Der stille Konsument ist lange passé. Aber die Unternehmen sprechen mit ihren Kunden oft noch, wie in den Achtzigerjahren. Als würden wir heute noch wegen eines mintgrünen Blazers mit Schulterpolstern in Ohnmacht fallen. Oder wegen des vagen Versprechens eine Produktnutzens, der keinen Social Proof hat. Diese Zeiten sind lange vorbei. Unternehmen müssen aufrüsten und so wendig und agil kommunizieren, wie ihre Kunden. Und jetzt bitte nicht wieder den Hörer in die Hand nehmen, um eine Agentur zu beauftragen, Filme zu drehen. Dieses Wissen muss jeder intern aufbauen. Jedes Unternehmen muss ein Medienhaus werden. Fotografieren, drehen, schneiden und vertonen können. Und dann wissen, auf welchen Plattformen die Erzählprodukte in welcher Form ausgeliefert werden müssen, um zu performen. Ich visualisiere das gerne mit dem Beispiel einer Zeitschrift, die gedruckt und verschnürt im Verlag liegt. Damit die jetzt Leser findet, muss sie an die Kioske ausgeliefert werden. Wenn unser Content im Internet wie eine Zeitschrift ist, dann sind die Kioske die Social Media Plattformen. Um da zu punkten, brauche ich unterschiedliche „Titelbilder“, denn auf Pinterest suchen die Menschen anders als auf YouTube. Und auf Facebook erwarten sie etwas anderes als auf Instagram. Unternehmen, die für diese Suchbedürfnisse intern unterhaltsame Formate entwickeln und produzieren, haben große Chancen am Markt. Auf Firmen, die sich dafür Agenturen buchen und in der Abhängigkeit bleiben, setze ich keinen Cent. Wir alle werden in Zukunft so schnell und flexibel Inhalte produzieren müssen, dass
nur am Markt bleibt, wer es selber kann.

Gibt es eine Formel, wie man eine gute Geschichte erzählt?

So, dass sie die Zuhörer interessiert. Wir alle kennen Menschen, die geborene Erzähler sind. Wir hängen ihnen an den Lippen. Ihre Geschichten sind spannend und überraschend – auch die Pointe am Ende sitzt. Wenn ich zusätzlich noch etwas lerne, etwas aus der Geschichte mitnehme, was ich mir ein Leben lang merke, dann passt alles. Ich arbeite am liebsten mit der Heldenreise. Entwickelt wurde sie von Joseph Campbell, einem Wissenschaftler aus dem Bereich der Mythologie. Im Rahmen seiner Forschungen erkannte er, dass Geschichten, die sich Menschen weitererzählen, um voneinander zu lernen, immer dieselbe Grundstruktur haben. Er nannte diese Struktur den Monomythos. Campbells Forschungen liegen den Star Wars Filmen genauso zugrunde, wie der Harry Potter Reihe. Wir finden sie in Stoffen wie Cinderella und Pretty Woman – übrigens komplett identische Geschichten, nur in unterschiedlichen Zeiten angesiedelt und deshalb unterschiedlich erzählt. Die Heldenreise eignet sich aber nicht nur für Hollywood Blockbuster, sondern für jede Art von Narration. Für ein Interview, einen Produkttext, eine Dokumentation, einen Blogpost, einen Unter
nehmenstext oder eine Pressemitteilung. Was ich auch empfehle, ist innerhalb von Texten Techniken anzuwenden, die vom Songwriting abstammen. Denn die Kunst des Songtextens besteht darin, in wenig Worten Gefühle verdichtet zu erzählen und erlebbar zu machen.

SEO-Maßnahme gehören mittlerweile zum Standardrepertoire digitaler Vermittler. Ob Vergleichsportale, Singlebörsen oder klassische Immobilienplattformen – für alle gilt: Gefunden werden ist die halbe Miete. Foto: pixabay
Kommt mit Tools dieser Art der Erfolg?

Sie helfen, aber Tools alleine reichen nicht. Um Themen wirklich gut umzusetzen, muss ich mich in der Tiefe auskennen. Wer kann das besser als jemand, der ein eigenes Unternehmen und wirklich Know-how hat? Campbell hat auch immer gesagt: „Follow your bliss“. Etwas was Unternehmern ja eigentlich in die Wiege gelegt ist. Sie lieben es, von ihren Produkten oder Dienstleistungen zu erzählen. Das ist Chefsache, wird aber heute oft auf Praktikanten abgewälzt, die nicht im Thema stecken. Da werden viele Chancen verpasst.

Was sind deiner Meinung nach die größten Hürden bevor man im Internet erfolgreich sein kann?

Das Umdenken. Es geht nicht um „Digitalisierung“, dieses Wort macht Menschen nur Angst. Es geht darum, dass wir durch das Internet Chancen haben, selbst zu handeln, wie nie zuvor. Das ist etwas Positives. Das sehen wir oft nicht, weil die Entwicklung so rasant ist. Wir entwickeln Ängste, etwas zu verpassen und nicht mithalten zu können. Das zieht sich durch alle Generationen. Oft stehe ich vor ganz jungen Menschen und denke: „Die wissen doch schon, wie man mit einem iPhone filmt oder Bilder bearbeitet.“ Aber tatsächlich sind die Wissensgebiete so breit angelegt und so unübersichtlich, dass sie jemanden brauchen, der die Themen für sie aufteilt und begreifbar macht. Durch meinen Blog und die täglichen Erfahrungen im Internet ist es für mich normal, mich mit Technik zu beschäftigen. Ich habe in den letzten zehn Jahren mehrere tausend Stunden dazugelernt, Tutorials geschaut und mich in technischen Fragen aus- und weitergebildet. Es vergeht kein Tag, an dem ich nichts lerne. Das Motto meines Blogs ist „Wenn ich das kann, kannst Du das auch“. Ich bin 46 Jahre alt – digital müsste ich da längst auf dem Abstellgleis stehen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ich bin zum Technikfreak geworden, zum Nerd, der abends lieber Softwaretutorials schaut und mit Gleichgesinnten fachsimpelt, als sich von einer Serie berieseln zu lassen. Wer offen für die neuen technischen Möglichkeiten ist, lernt schneller dazu, begeistert sich und kann Dinge mit Spaß umsetzen. Meine Arbeit ist dann ein Traum, wenn ich motivierten Menschen einen
Zugang zu spannenden Aufgabengebieten und Entwicklungsfeldern legen darf.

Was ist deiner Meinung nach der Grund für die großen Erfolge, die einige Blogger erzielen?

Das Internet funktioniert für diejenigen wie ein Multiplikator, die Lust haben, ihrem Publikum mit Herz und mit einem echten Nutzen zu begegnen. Deshalb sind Blogger auch interessante Gesprächspartner rund um das Thema „Wie baue ich eine Community auf?“ Wir haben viele Erfahrungen mit Menschen im Onlineaustausch gesammelt. Wir wissen, welche Geschichten ankommen und welche Probleme Menschen haben. Wir wollten nie

Florentina Hofbauer im Gespräch mit Svenja Walter auf der Terasse von Waltermedia.

„Interaktionen erhöhen“, sondern miteinander sprechen. Um Communities aufzubauen und zu begleiten, musst Du ähnliche Lebenserfahrungen haben. Du musst Deine Zielgruppe kennen, gut schreiben können, sozial intelligent sein, Lust auf Sprache und Menschen haben und erkennen, was Menschen in der heutigen Zeiten brauchen. Nämlich Ankerpunkte und jemanden, dem sie vertrauen können. Wenn Unternehmen das begreifen, können sie Kunden endlich nicht mehr nur binden, sondern wieder begeistern.

Google Trends

Google Trends stellt die Anzahl der tatsächlich eingegebenen Suchbegriffe in einem zeitlichen Verlauf dar – und setzt sie in Relation zum gesamten Suchvolumen. Dabei können die Ergebnisse nach Zeiträumen, Städten und Ländern sortiert werden. Interessant wird das Tool vor allem, wenn mehrere
Suchbegriffe eingegeben werden. So können die User Korrelationen recherchieren und damit häufig gesuchte Begriffe, deren Suchvolumen und den Zeitverlauf in Beziehung zueinander setzen. Das Tool ist kostenlos und auch ohne Google Konto zugänglich.

AnswerThePublic

AnswerThePublic stellt die Auto-Suggests von Google und Bing für den gesuchten Begriff dar – also die automatische Vervollständigung in der Suchleiste. Dazu gibt man ein Suchwort ein, wählt die Sprache aus und bestätigt. AnswerThePublic zieht sich dann sämtliche Daten aus Google und
Bing, setzt sie in Verbindung mit dem Suchwort und ergänzt mit Präpositionen (mit, auf, bis, zu, usw.) und Fragewörtern (wie, wo, warum, usw.). Daraus erstellt das Tool eine Liste mit Fragen zum Suchwort, die sich gut eignen, um in ein Thema einzusteigen.

Keyword Planer

Google AdWords ist Googles Werbeprogramm. Beim Surfen stößt man fast immer auf Anzeigen, die durch AdWords generiert werden. Der Keyword Planer ist ein kostenloses Tool von Google AdWords zur Keywordrecherche. Die einzige Voraussetzung zur Nutzung des Keyword Planers ist ein AdWords-Konto.

Die vier Schritte zum optimalen Beitrag

SCHRITT 1: THEMA UND KEYWORDS FINDEN Welches Thema, zu dem ich etwas Interessantes beitragen kann, suchen Menschen? Was genau wollen diese rund um das Thema wissen? Welche Fragen, Ängste, Sorgen und Nöte haben sie? Das Ergebnis dieser Recherche ist ein konkretes Thema, z.B. “Folgekosten eines Swimmingpools“. Jetzt kann ich mit Tools wie z.B. Google Trends, der geführten Googlesuche, dem Keyword Planer oder AnswerThePublic die relevantesten Keywords und W-Fragen herausfiltern.

SCHRITT 2: ROHARTIKEL SCHREIBEN Für welchen Channel schreibe ich den Text? Daran orientieren sich Länge, Schreibweise und Format. In diesem Schritt lasse ich die Keywords und die W-Fragen aus Schritt 1 einfließen.

SCHRITT 3: REDIGIEREN UND FEINSCHLEIFEN Aus dem Rohartikel mache ich nun einen echten Artikel. Mit PlugIns wie Yoast (für WordPress-Seiten) und Tools wie WDF*IDF kann ich die Suchmaschinenoptimierung feinschleifen. Auch sprachlich darf ich jetzt noch einmal polieren. Denn Google liebt soliden Satzbau, korrekte Grammatik und eine fehlerfreie Rechtschreibung. Zu viele Füllwörter, Passivkonstruktionen oder zu lange Sätze werden eher bestraft.

SCHRITT 4: DIE MARKETING-KAMPAGNE STARTEN Wenn ich den Beitrag poste, ist er online – aber noch nicht bekannt. Um Traffic auf den Artikel zu leiten, poste ich ihn auf meinen Social Media Kanälen und überall dort, wo Leser sind. Dabei passe ich die visuelle Gestaltung meines Beitrags auf die jeweilige Plattform an.

Crawler

Crawler – auch als Webcrawler, Bot, Searchbot oder Spider bezeichnet – sind Computerprogramme, die automatisch das Internet durchsuchen. Sie sind immer an einen Index gekoppelt und dienen dazu, diesen zu erhalten sowie aufzubauen. Daher werden Webcrawler speziell von Suchmaschinen eingesetzt und bilden die Basis deren Arbeit. Automatisiert gelangt der Crawler im Internet durch Hyperlinks von Dokument zu Dokument, also von einer Webseite zur nächsten. So sucht der Crawler nach Informa
tionen im World Wide Web die er vorher definierten Kategorien zuordnet und sie im Anschluss indiziert, damit die Informationen auswertbar und für den Nutzer abrufbar werden. Auf diese Weise werden neue Seiten hinzugefügt, geänderte Seiten aktualisiert und obsolete beziehungsweise inexistent gewordene Seiten gelöscht. Webcrawler können aber auch für andere Zwecke benützt werden, wie für Preisvergleichsportale, zur Webanalyse oder zum Sammeln von E-Mail-Adressen und RSS-Newsfeeds.

Svenja Walter. Foto: phuongherzer

Nutzersignale

User- bzw. Nutzersignale beschreiben das Verhalten des Users. Dazu zählen Kennzahlen wie beispielsweise die Verweildauer auf einer Webseite, die Absprungrate (Bounce Rate), die Bewertung des Users auf Bewertungsportalen oder die Klickrate (auch Click-Through-Rate genannt; also das Verhältnis der gesamten Impressionen zu den Klicks). Beim Nutzerverhalten ist es auch bedeutend, ob der User die Seite weiterverwendet – ob er sie also liked, shared oder twee
ted. Wird eine weit oben gerankte Webseite nicht sehr häufig angeklickt, dann erkennt die Suchmaschine, dass diese Seite nicht mehr relevant ist. Häufig passiert das auch, wenn die Verweildauer zu gering ist; wenn der Lesende also auf die Webseite klickt, dann aber sofort wieder abspringt. Es ist nicht öffentlich bekannt, ob Google Nutzersignale tatsächlich in das Ranking miteinfließen lässt: einiges spricht dafür, anderes dagegen. Wie bei so vielem bewahrt Google darüber Stillschweigen.

Florentina Hofbauer

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