Leidenschaft für Nachrichten: Mut, Tempo und Qualität haben den Nachrichtensender n-tv weit nach vorne gebracht

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In seiner 25-jährigen Geschichte hat sich n-tv vom ersten deutschen Nachrichtensender zu einem erfolgreichen Multi-Channel-Nachrichtenanbieter entwickelt. Dabei verfolgt das Unternehmen seit Jahren erfolgreich das Prinzip, möglichst früh auf allen interessanten Plattformen vertreten zu sein. Kooperationen gibt es in Zeiten der Digitalisierung mit BMW, Ford und Amazon. Ein Gespräch über Chancen und Risiken, kluge Entscheidungen und Erfolg.

Hans Demmel, ein im österreichischen Wagrain geborener Journalist, ist seit 1994 in der Mediengruppe RTL tätig – und seit 2007 Geschäftsführer von n-tv. Unter seiner Leitung wurde die Digitalisierung konsequent vorangetrieben.

Herr Demmel, Sie stehen seit 10 Jahren an der Spitze von n-tv. Worauf sind Sie stolz?

Dass wir sehr früh sehr weit in die Zukunft geschaut haben. Als n-tv Ende der 90er Jahre

Ein Vollblutjournalist: Hans Demmel leitet n-tv seit zehn Jahren mit großem Erfolg. Foto: MG RTL, Marina Rosa Weigl

n-tv.de ins Leben rief, hätte man das als senderbegleitende Marketingmaßnahme verstehen können. Aber n-tv blickte weiter und verfügt daher heute über ein erfolgreiches digitales Nachrichtenangebot, das in einer Liga mit den Angeboten der großen Verlagshäuser wie bild.de und spiegel online spielt. n-tv ist mit 136,5 Millionen Visits pro Monat die Nummer 4 im Digitalbereich in Deutschland. Bei den Page Impressions sind wir mit 711,70 Millionen sogar die Nummer 3.

Worauf kommt es an, einen solchen Weg zu gehen?

Das Gespür für die neuen Entwicklungen, eine große Portion Experimentierfreude und eine sehr, sehr gute Vernetzung. Zeitweise sind wir auch durchaus hohe finanzielle Risiken eingegangen, weil wir noch nicht wissen konnten, dass wir die Dinge richtig anpacken.

Welcher Kanal ist heute der wichtigste für n-tv?

Die Vernetzung ist entscheidend, darum hat jeder Kanal seine Berechtigung. Am stärksten wächst momentan übrigens unser mobiles Angebot mit einem Plus von 20 bis 25 Prozent. Ich weiß noch ganz genau, wie groß hierzulande die Skepsis war, als vor zehn Jahren das Smartphone eingeführt wurde und wir direkt eine App dafür entwickelten.

n-tv-Nachrichten kann man heute auch über Connected Drive im BMW oder Ford empfangen. Wie entstehen solche Kooperationen?

Ideen entstehen, indem man miteinander redet. Also ganz analog. Man muss die richtigen Partner finden. Wir haben viele gute Kontakte in die Digitalindustrie und die meisten Projekte haben ihren Ursprung in einem persönlichen Austausch. So war es auch beim Mobile World Congress 2016 in Barcelona. Da haben wir von Amazon Echo gehört und gleich gesagt: das wäre was für uns.

Wir erklären es unseren Lesern kurz: Echo ist ein smarter Lautsprecher von Amazon, in den die Sprachassistentin Alexa eingebaut wurde. Aufgrund der Kooperation zwischen n-tv und Amazon ist sie auch in der Lage, Nachrichten von n-tv vorzulesen.

Genauso ist es. Wir fanden die Idee einfach spannend und waren daher gleich zum Deutschlandstart von Amazon Echo mit an Bord. Wir glauben, dass das Thema Sprachsteuerung und Spracherkennung gute Chancen hat und sehen die Kooperation daher als weiteren konsequenten Schritt unserer Multiplattform-Strategie.

Und man muss auch mutig sein?

Natürlich, man trägt ja ein unternehmerisches Risiko. Aber das ist doch ganz normal. Wir fragen uns, wie hoch das Investment sein wird und was es uns bringen kann. Uns geht es aber immer erstmal darum, möglichst früh bei neuen Entwicklungen dabei zu sein und darum, Erfahrungen zu sammeln. Mittelfristig sollen sich aber natürlich alle unsere Engagements auch refinanzieren.

 Wie stärken Sie die Kraft der Marke n-tv?

Ich bin Journalist. Mir ist unser Produkt, also der Inhalt, sehr wichtig. Wenn ich abends das Büro verlasse und wir eine tolle Sendung gemacht und eine gute Website und App abgeliefert haben, bin ich rundum happy. Noch zufriedener bin ich natürlich, wenn wir damit auch noch Geld verdienen.

Weil es eine starke Marke ist und Qualitätsjournalismus bietet, wird n-tv auf vielen Danälen nachgefragt. Foto: MG RTL, Marina Rosa Weigl

Apropos: Wie verdienen Sie Geld? Sind Follower die Währung, mit der Sie Einkünfte holen?

Nun, wenn man 567.762 Twitter-Follower hat und 739.500 Facebook-Likes, dann ist das eine schöne Aussage zur Strahlkraft der eigenen Marke. Fakt ist aber auch, dass im TV die Quoten und im Digitalbereich die Visits die entscheidenden Währungen sind.

Wie stark werden Zuschauerwünsche das Programm verändern?

Wo Zukunft entsteht, dürfen Studios auch schon mal ganz neue Wege gehen. Foto: MG RTL, Marina Rosa Weigl

Das ist nicht so einfach zu beantworten. Ich möchte Ihnen dazu das Bild eines alten Grandhotels anbieten, das seinen Charakter nie verändern wird, aber so stark mit der Zeit geht, dass der Gast sich immer wohlfühlt. Das bedeutet, dass die Veränderungen im Programm mit viel Feingefühl gestaltet werden müssen. Hinter den Kulissen dagegen sind die Veränderungen dramatischer zu spüren, weil das Tempo deutlich schneller geworden ist. Früher war die Onlineredaktion zwar auch schon rund um die Uhr besetzt, aber eher im Sinne einer Stallwache, falls was Dramatisches passiert. Heute läuft das normale journalistische Programm 24 Stunden lang. Wenn der schlaflose 82-Jährige morgens um 4.30 Uhr auf sein Smartphone schaut, will er nachlesen können, was im amerikanischen Parlament gerade diskutiert wurde (lacht).

Sie haben die Wirtschaftssendung Startup-News eingeführt, jüngst wurde die „Höhle der Löwen“ von VOX als Wiederholung ins Programm genommen. Wie reagieren die Zuschauer?

Hans Demmel entwickelt das moderne Wirtschaftsfernsehen permanent weiter – aktuell mit Start-up-News. Foto: MG RTL, Marina Rosa Weigl

 Die Zahlen sind in beiden Fällen sehr gut. Die „Höhle der Löwen“ ist nun mal ein exzellentes und klug weiterentwickeltes Produkt. Mit ihr bieten wir hoch modernes Wirtschaftsfernsehen, was die Zuschauer auch goutieren. Mit den Startup-News, in denen wir auch viele Digitalunternehmen und ihre Ideen vorstellen, erzielen wir regelmäßig Marktanteile jenseits der 5 Prozent.

Claudia Linnhoff-Popien/Cornelia Sauer

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