Was ist Affective Computing?

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 / 5. Mai. 2017

„Wie geht’s dir?“, die wahrscheinlich meistgestellte Frage der Welt und trotzdem eine Frage, die – bzw. deren Antwort – sich unglaublich schwer digitalisieren lässt. In nicht allzu ferner Zukunft werden uns unsere Autos selbständig durch die Welt kutschieren, aber ist Ihr Auto schonmal auf die Idee gekommen, Sie zu fragen, wie es Ihnen geht?

Während auf der einen Seite Maschinen immer intelligenter werden, fehlt ihnen auf der anderen Seite eine Art von emotionaler Intelligenz, die wir Menschen – mal mehr, mal weniger ausgeprägt – besitzen und die in vielen Bereichen des Lebens vielleicht sogar die wichtigere Komponente beim Miteinander darstellt.

Genau diese emotionale Intelligenz ist das Kernelement des Forschungsgebiets „Affective Computing“. Es geht dabei darum, Systeme zu entwickeln, die menschliche Emotionen und Affekte automatisiert erkennen können, und diese Information wiederum zur Verbesserung des bereitgestellten Dienstes verwenden. Im Extremfall wird das System sogar befähigt, Affekte zu simulieren. Dinge werden also empathisch und emotional.

Die Idee des Affective Computing wurde bereits 1995 zum ersten Mal formuliert [1], erfährt aber erst jetzt größeres Interesse außerhalb des Wissenschaftsbetriebes. Dies liegt wie bei so vielen aktuellen Entwicklungen auch daran, dass durch die Fortschritte z.B. im Bereich des Deep Learnings deutlich bessere Erkennungsraten erzielt werden können. Es ist mittlerweile also sowohl nötig als auch möglich, Ideen des Affective Computing in echten Szenarien einzusetzen. Diese Einsatzgebiete reichen von der Optimierung intelligenter Umgebungen (z.B. im Smart-Home-Bereich) über Empfehlungssyteme bis hin zu gesundheitlichen Themen (z.B. Burn-Out-Prävention).

Dieser Beitrag ist der Start einer kleinen Serie von Artikeln, die unterschiedliche Themen des Bereichs Affective Computing beleuchten werden. Ziel ist es, Ihnen einen Eindruck zu vermitteln, wie diese Technologie funktioniert und wie sie eingesetzt werden kann.

Dr. Marco Maier

[1] http://affect.media.mit.edu/pdfs/95.picard.pdf


 

Der Autor: Dr. Marco Maier ist Head of Artificial Intelligence der HYVE AG und leitet die wissenschaftlichen Aktivitäten des Affective-Computing-Startups TAWNY. Er hat an der LMU München in Informatik mit einem Schwerpunkt auf Context-Aware Systems promoviert und ist dort aktuell auch als Gastdozent im Bereich Affective Computing aktiv.

 

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