Netzneutralität in Gefahr

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Netzneutralität
Große Internetprovider profitieren von der Aufweichung der Netzneutralität. Foto: flickr.

Die Trump-Regierung arbeitet daran die Netzneutralität aufzulockern. Doch was genau bedeutet Netzneutralität? Und wieso werden Zero Ratings damit in Zusammenhang gebracht?

Die Regierung unter U.S.-Präsident Trump ist kreativ, wenn es um Maßnahmen zur Deregulierung des Internets geht. Der Prozess zur Lockerung der Netzneutralität kann den meisten führenden Republikanern gar nicht schnell genug gehen. So wurde zum Beispiel Ende März ein staatlich subventioniertes Programm gestoppt, welches einkommensschwachen Haushalten die Chance auf günstiges Breitbandinternet gegeben hätte. Damit haben viele Familien, die nur über geringes Einkommen verfügen, weiterhin Schwierigkeiten sich leistungsfähiges Internet zu verschaffen. Und das, obwohl ein Internetzugang von einigen Institutionen, wie beispielsweise dem deutschen Bundesgerichtshof in Karlsruhe, als Grundrecht angesehen wird.

Zero Ratings

Einer der ersten getroffenen Maßnahmen der neuen Regierung in den USA war es die staatlichen Untersuchungen zu den Zero-Rating-Praktiken von Internetanbietern zu stoppen. So können Provider nun in Ruhe arbeiten. Weshalb das der Netzneutralität schadet? Bei Zero Ratings geht es um Deals zwischen Internetdiensten und Providern. Arbeiten diese zusammen, wird das Datenvolumen, welches für diesen speziellen Dienst verwendet wird, dem Kunden nicht angerechnet. So spart sich der Nutzer Datenvolumen. Das erscheint vorerst praktisch, da die schnelle Internetverbindung weniger schnell aufgebraucht ist. Umgekehrt kann Zero Rating auch bedeuten, dass bestimmte Dienste weiterhin mit der gleichen Bandbreite angeboten werden, zumal das restliche Datenvolumen des Nutzers bereits aufgebraucht ist. Doch Zero Rating steht auch für die Tatsache, dass Unternehmen, die weniger zahlen, langsameres Internet bekommen könnten als jene, die mehr zahlen – und das ist das Problematische daran.

Netzneutralität

Auf den ersten Blick klingt Zero Rating also nutzerfreundlich; dabei wirkt es sich längerfristig negativ auf die Netzneutralität aus. Denn Netzneutralität bedeutet, dass alle Daten von allen Providern gleichbehandelt werden müssen; unabhängig vom Ausgangspunkt, Ziel oder Datentyp. Wird schnelles Internet also nur jenen Unternehmen bereitgestellt, welche am meisten zahlen, so haben kleinere Firmen oder Start-ups einen gewaltigen Wettbewerbsnachteil. Bevor Trump im Januar dieses Jahres US-amerikanischer Präsident wurde, war es Providern in den USA untersagt gegen Zusatzzahlungen Datenübertragung einzelner Internetdienste zu bevorzugen. So entstand kein Wettbewerbsnachteil für nichtzahlende Dienste; Dienste, die nun durch die neuen Maßnahmen ausgebremst oder gar geblockt werden könnten.

Europa

Netzneutalität
Auch im europäischen Berec blickt man gespannt in Richtung USA. Foto: Berec.

Die Welt ist gespannt, wie weit Trumps Regierung die Internetneutralität aufweichen wird. Welchen Einfluss wird das auf Europa haben? Das zuständige europäische Gremium heißt Berec (Body of European Regulators for Electronic Communications). Doch auch hier ist man sich selten einig. Immerhin ist auch in der EU die Verordnung zur Netzneutralität ein ewiger Zankapfel.

 

Von Florentina Hofbauer

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