Nachhaltige Smartphones im Vergleich

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Smartphone Foto: pexels
Die Smartphoneindustrie führt in vielen Regionen zu gravierenden Umweltproblemen. Foto: pexels
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Arbeitsbedingungen, Rohstoffabbau und Produktion in der Smartphone-Industrie gelten als höchst problematisch. Die benötigen Edelmetalle werden häufig unter widrigen Umständen in Bürgerkriegsregionen afrikanischer Länder abgebaut. Menschenrechtsorganisationen, wie Amnesty International, werfen allen großen Smartphoneherstellern vor, dass ihre Produkte mithilfe von Kinderarbeit hergestellt werden. Einige junge Firmen haben sich also das Ziel gesteckt, „faire” Smartphones zu produzieren. Marktlücke oder Utopie?

Trend gegen Wegwerfkultur

Der Wunsch nach „fairen“ Handys geht über die Intentionen von Umweltschützern und Menschenrechtsaktivisten hinaus. Er spiegelt auch den Trend gegen die vorherrschende Wegwerfkultur wider. So gibt es in Schweden Pläne, mit neuen Steuern der Wegwerfgesellschaft entgegenzuwirken: Die Mehrwertsteuer auf kleinere Reparaturen will man halbieren, dafür durch eine „Chemiesteuer“ den Neukauf von elektronischen Geräten belasten. Da von Reparaturen auch bestimmte Berufssparten profitieren, schafft man dadurch Arbeitsplätze. Ähnliche Maßnahmen werden auch auf EU-Ebene diskutiert. Denn momentan ist ein neues Gerät oft  rentabler als eine Reparatur. Bei Waschmaschinen oder Toastern lassen sich diese Forderungen aber einfacher umsetzen als bei komplexen Endgeräten wie Smartphones.

Vorprogrammiertes Ablaufdatum

Schon lange herrscht eine Debatte darüber, ob Elektrohersteller ihre Geräte absichtlich so konzipieren, dass sie nach absehbarer Zeit nicht mehr funktionieren. Dieses Phänomen nennt sich „geplante Obsoleszenz“ und ist schwer nachzuweisen. Ob Geräte nun geplant oder ungeplant kaputt gehen; die Hersteller von „fairen Smartphones“ wollen, dass ihre Produkte leicht zu reparieren sind, indem einzelne Teile einfach ausgetauscht werden können. So spart man Rohstoffe und verringert Elektroschrott.

Fairphone 2 

Ein Beispiel hierfür ist die niederländische Firma Fairphone. Sie hat sich das Ziel gesteckt, nachhaltige, langlebige Smartphones herzustellen, die über die ersten drei Jahre hinaus Softwareupdates erhalten. Transparenz wird hierbei großgeschrieben. So legt das Unternehmen offen, welcher Zulieferer welchen Bestandteil liefert und wie sich dementsprechend der Preis des Fairphones zusammensetzt.

Vor vier Jahren kam das Fairphone 1 auf den Markt. Zwei Mal überstiegen die Vorbestellungen die angekündigte Produktionsmenge. Die zweite Generation der Handys kam im Dezember vor zwei Jahren auf den Markt. Auch hier übertrafen die Vorbestellungen – über 17000 Stück – die Erwartungen des Unternehmens.

Die längere Haltbarkeit des Fairphone 2 ergibt sich durch das modulare Design. Denn die einzelnen Teile des Smartphones lassen sich mit wenig Aufwand austauschen. Reparaturen sind einfach und der Kunde wird dabei durch kostenfreie Tutorials im Internet unterstützt.

Smartphone. Foto: Fairphone
Ersatzteile des Fairphones 2 lassen sich separat kaufen. Foto: Fairphone

Shiftphone

In Hessen stellt das Startup SHIFT GmbH ebenfalls faire Smartphones her. Das Handy wird in Deutschland entworfen und in China gefertigt. Mittlerweile ist mit dem Shiftphone 5.1 bereits die dritte Generation der hessischen Handys auf dem Markt. Man legt auf umweltschonende Materialen ebenso wert, wie auf faire Arbeitsbedingungen. Obwohl das Shiftphone nicht modular aufgebaut ist, lassen sich einzelne defekte Komponenten austauschen; günstig und mit einem herkömmlichen Werkzeugkoffer. Eine wachsende Fangemeinschaft hilft bei den Reparaturen mit Tutorials auf YouTube.

Samsungs TCO

Viele Aktivisten rügen Samsung häufig dafür, sich wenig um Umweltschutz oder Menschenrechte zu kümmern. Das war nicht immer so. Vor vier Jahren hat Samsung nämlich das Galaxy S4 noch als „nachhaltiges Smartphone“ beworben. Denn die südkoreanische Firma hat für dieses Modell eine TCO-Zertifizierung erworben. Das ist eine internationale Nachhaltigkeitszertifizierung für IT-Produkte: aber eben nur für Produkte und nicht für die ganze Marke. Auch wenn das Galaxy S4 also die ökologischen und sozialen Ansprüche des TCO-Siegels erfüllen kann, schafft das keines seiner Folgemodelle. Außerdem ist TCO nicht gleich TCO. Das Fairphone 2 würde nach Standards der TCO-Zertifizierung 20 von 34 Punkten erfüllen, das Galaxy S4 erfüllt hingegen nur sieben der industrieüblichen Standards. Nachhaltige Smartphones sind also nicht gleich nachhaltige Smartphones.

Smartphone. Foto: pexels
Der Abbau von Edelmetallen erfolgt häufig in Bürgerkriegsregionen. Foto: pexels

Schattenseiten

Häufig kritisieren Kunden, dass Shiftphones und Fairphones technisch schlechter ausgestattet wären als Handys der Branchenriesen. Speziell die Kameras würden nicht Bilder der gleichen Qualität, wie die von Apple oder Samsung, erzeugen.

Produzieren Shift und Fairphone dafür aber fair? Noch nicht ganz. Für dieses Ziel müssen auch diese Handyhersteller noch große Hürden nehmen. Deshalb wurde Fairphone auch dafür kritisiert, seinen Kunden zu vermitteln, dass das Smartphone zu 80 Prozent fair hergestellt ist. In Wirklichkeit kommt aber noch immer ein beträchtlicher Teil der Materialien aus Konfliktgebieten. Fairphone-Mitgründer Miquel Ballester sagte in einem Interview, dass es niemals ein hundert Prozent faires Handy geben wird. Denn die Herstellung jedes Smartphones braucht Metalle, die aus Bürgerkriegsregionen kommen. Geregelte Arbeitszeiten, gerechte Gehälter, transparente Zulieferer und modulare Designs sind Schritte auf dem richtigen Weg. Trotzdem wird die Smartphoneindustrie noch lange nicht wirklich fair produzieren können – sogar dann, wenn sie wirklich will.

Von Florentina Hofbauer

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