Digitalisierung – zu jedem Anfang gehört auch eine Veränderung

bei

Margit Dittrich
Margit Dittrich. Foto: Stephanie Wolfsteiner FOTO.GRAFIK.DESIGN

Erinnern Sie sich noch? In unserer Kindheit stand das Lernen und das Ausprobieren von Neuem auf der Tagesordnung.

Wir haben mit großer Freude gelernt und uns permanent in Höchstgeschwindigkeit weiterentwickelt. Selbstredend ohne dass wir dies bewusst realisiert haben. In dieser Zeit des Heranwachsens und des Entwickelns ist jeder neue Teil unseres Lebens spannend und bot eine Herausforderung, die wir freudig angenommen haben. Irgendwann jedoch kommt der Zeitpunkt, in dem wir die Veränderung plötzlich nicht mehr mögen. Wann passiert dies? Gar etwa schon, wenn wir zu Beginn unserer schulischen Ausbildung „gemessen“ und „bewertet“ wurden. Oder erst, wenn wir gesellschaftliche Normen oder sogar Druck verspürten. Bei der ersten Liebe?

Wann passiert es, dass Lebenserweiterung, die wir früher mit Leichtigkeit in Lernen gewandelt haben, sogar Ängste hervorruft. Wir reden uns selbst ein, dass ja sowieso nichts klappen wird, dass bestimmt der Vorgesetzte damit ein Thema haben wird, dass wir es mit den wenigen Leuten im Team gar nicht hinbekommen werden, dass wir das doch noch nie so gemacht haben?

Heute sind wir mitten in der viel diskutierten Digitalisierung, einem Turbobeschleuniger für Veränderung. Doch was passiert in den Köpfen derer, die noch nie oder nur sehr peripher mit diesem Thema zu tun hatten – unseren Mitarbeitern, die außerhalb der strategischen Abteilungen sitzen, in denen Digitalisierung heute bereits Tagesordnung und kein Neuland bzw. neues Projekt mehr ist?

In vielen Gesprächen mit Mitarbeitern unterschiedlicher Branchen begegnen mir immer wieder Einstellungen und Haltungen, die mir sehr bewusst machen, wieviel Unsicherheiten, Vorurteile, Unwissenheit bzw. gar Ängste hier bei unseren Mitarbeitern und Kollegen vorhanden sind:
Diese Digitalisierung ist doch sicher nur wieder ein missverstandenes Buzzword oder ein Trend oder wird es gar je unseren Alltag begleiten?

„Digital ist das neue Normal“ zitiert man die Internetbotschafterin der Bundesregierung.
Um Digital „normal“ zu erreichen – um die Digitalisierung in den einzelnen Konzernen & Betrieben auch tatsächlich erfolgreich zu implementieren ist ein entscheidender Erfolgsfaktor die konsequente Einbindung aller Mitarbeiter ab einem sehr frühen Stadium.

Ihre Fragen aus der Praxis

Frage eines Teamleiters, 48 Jahre im mittelständischen Unternehmen
Das geht mir alles zu schnell. Ich bin mit IT nicht groß geworden, ich kann nicht mehr mitreden. Ich hab keinen Zugang mehr zu den Informationen, zu dem richtigen Wissen, zu dem was aktuell im Unternehmen passiert.

Antwort Margit Dittrich:
Lieber Herr Teamleiter,
Menschen brauchen Orientierung. In dieser Aussage wird sehr deutlich, dass für Sie ein Bild vom großen Ganzen fehlt. Sie haben kein ausreichendes Verständnis für den eingeschlagenen Weg Ihres Unternehmens bekommen, spüren aber intuitiv, dass Ihnen etwas fehlt bzw. dass Sie nicht integrierter Teil des Ganzen sind. Dies löst Unsicherheiten, Ängste und manchmal auch Verletzungen aus.
Es wird viel diskutiert über die richtige Einstellung und Haltung zu dieser sich positiv dramatisch verändernden Arbeits- & Lebensweise. Trotz aller digitalen Prozesse bleibt der Mensch ein wesentlicher Teil des Gesamt-Wirtschaftskreislaufs. Ihn nicht ausreichend zu integrieren kann schwerwiegende Folgen haben. Ähnlich wie früher in großen Unternehmens-Mergern, die mit einer Quote von über 50% im Nachgang gescheitert sind, wenn Mitarbeiter nicht Teil des Prozesses wurden.
Lassen Sie sich von Ihrer übergeordneten Führungskraft eine Orientierung über die Ausrichtung geben. Denn nur dann sind Sie auch in der Lage Ihre Mitarbeiter gut auf den geplanten Weg mitzunehmen.

Mit herzlichen Grüßen,
Ihre Margit Dittrich

Vorheriger ArtikelVon der Unterbrechung zum Burnout
Nächster ArtikelQuantified Self – Kann Technologie uns helfen, uns zu entspannen?